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Pirna

Wer sind die Corona-Toten?

Am Sonntag meldete das Landratsamt zehn Verstorbene mehr als am Tag zuvor. Für die Häufung gibt es eine spezielle Erklärung.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © dpa

Die Zahl der Älteren, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus sterben, nimmt weiter zu. Am Sonntag teilte das Landratsamt mit, dass sich die Anzahl der Corona-Toten innerhalb eines Tages um zehn erhöht hat. Demnach sind seit Beginn der Erhebung am 2. März dieses Jahres 38 Menschen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verstorben, die zuvor positiv auf das Virus Sars-Cov-2 getestet wurden.

Auf SZ-Nachfrage erklärte das Landratsamt jetzt, dass sich die zehn Todesfälle nicht allein an einem Tag ereignet hatten, sondern "in den letzten Tagen". Die Personen würden jedoch erst als Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet, wenn dies aufgrund eines positiven Befundes und eines amtlichen Nachweises bestätigt werden kann. Diese Nachweise kamen also an jenem Tag gehäuft.

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Weitere fünf Tote meldete das Landratsamt am Dienstag, dem 17. November. Damit hat sich die Zahl seit 2. März auf 43 Personen erhöht.

Alle Corona-Tote waren über 80 Jahre alt

Unstrittig ist seit Monaten, dass über 65-Jährige am schwersten von einer Virus-Infektion betroffen sind. Das belegen auch die zehn gemeldeten Todesfälle vom Sonntag. Dabei handelt es sich um sieben Frauen im Alter zwischen 80 und 93 Jahren sowie drei Männer im Alter zwischen 88 und 98 Jahren. Diese stammen aus drei Pflegeeinrichtungen im Landkreis.

Weshalb insbesondere ältere Menschen so schwer erkranken können, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI) so: Das Immunsystem reagiert nicht mehr so gut (Immunseneszenz). Infektionen früh zu erkennen, ist im Alter auch schwieriger. "Unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, die Antwort des Immunsystems auf eine Infektion sind, können im Alter schwächer ausfallen oder fehlen, wodurch Erkrankte dann auch erst später zum Arzt gehen."

Keine erhöhte Sterberate bei unter 65-Jährigen

Studien zu Sars-Cov-2 haben bereits ergeben, dass der Verstorbenenanteil bei Erkrankten bis etwa 50 Jahren bei unter 0,1 Prozent liegt. Ab 50 Jahren steigt die Todesrate aber zunehmend an und liegt bei Personen über 80 Jahren bei über zehn Prozent - also hundertmal höher als bei den unter 50-Jährigen. Das hat das RKI in seinem Steckbrief zu dem Corona-Virus vom 13. November veröffentlicht.

Dass es deshalb in Altenheimen besonders viele Todesfälle gibt, ist damit nachvollziehbar. Das Gesundheitsamt des Landkreises untersucht deshalb vermehrt die Hygienekonzepte von betroffenen Einrichtungen und prüft kontinuierlich deren Umsetzung, teilt das Landratsamt mit. Ob dabei gravierende Verstöße registriert und geahndet werden, ist nicht bekannt.

In einer Studie des RKI, die im Sommer erarbeitet wurde, teilen die Wissenschaftler mit, dass in der Corona-Welle im Frühjahr dieses Jahres in der Bevölkerung unter 65 Jahren keine erhöhten Sterberaten im Vergleich zu 2016 in Deutschland zu verzeichnen waren. Bei Menschen die älter waren, sei das jedoch der Fall gewesen. Damit wird auch die Übersterblichkeit in Deutschland im Monat April begründet.

Mehr Corona-Infektionen in der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge

An der Gefährlichkeit des Virus für ältere Menschen hat sich seit dem Frühjahr nichts geändert. Dennoch findet jetzt eine wesentlich dynamischere Entwicklung statt. "Die Fallzahlen sind um ein Vielfaches höher, im gleichen Verhältnis dazu entwickelt sich die Anzahl von Personen, welche im Zusammenhang mit Covid-19 versterben", teilt das Landratsamt mit.

Deshalb wird weiterhin der Blick auf die Infektionszahlen gerichtet, auch wenn viele junge Menschen Infektionen in den meisten Fällen gut überstehen. Ein wesentlicher Anteil der aktuellen Gesamtsituation sei laut Gesundheitsamt "dem nicht immer konsequenten Einhalten der erforderlichen Hygienemaßnahmen geschuldet".

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben Bewohner, die in Alten- und Pflegeeinrichtungen betroffen sind, einen Anteil von etwa zehn Prozent an den insgesamt positiv getesteten Personen. Etwa fünf Prozent sind dem Personal in Alten- und Pflegeeinrichtungen zuzuordnen. Ebenfalls fünf Prozent beträgt der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Lehrkräfte, die in der Region Kitas- und Schulen zuzuordnen sind.

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