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Dohnas Fluorchemie: Vom Schmuddelbetrieb zur Weltspitze

Elektroautos brauchen Batterien und Batterien Flusssäure - und die wird in Dohna produziert. Künftig noch mehr. Davon profitiert auch eine Fläche.

Von Heike Sabel
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Auf dem Gelände der Fluorchemie Dohna wird eine Schwefelsäureanlage gebaut. Der Betrieb erweitert sich aber auch auf der anderen Straßenseite.
Auf dem Gelände der Fluorchemie Dohna wird eine Schwefelsäureanlage gebaut. Der Betrieb erweitert sich aber auch auf der anderen Straßenseite. © Fluorchemie

Alle Welt spricht von Elektroautos und Lithium, keiner von Flusssäure und Dohna. Das will die Fluorchemie-Gruppe jetzt ändern. Das Unternehmen mit Standorten in Dohna, Stulln (Bayern) und Frankfurt/Main profitiert vom Trend, der Nachfrage und den Ressourcen. "Wir steigen in die Batterieproduktion ein", sagt Gruppen-Geschäftsführer Thomas Leypold. Das hat für Dohna Konsequenzen.

Thomas Leypold und der Dohnaer Werkleiter Harald Werner haben den Weltmarkt und die Situation analysiert und daraus ihren Plan gemacht. Die Mengen von E-Batterien in Zukunft können mit den vorhandenen Kapazitäten nicht gebaut werden. Schon jetzt kann der Bedarf nur mit Importen aus Asien gedeckt werden. Doch vor allem China reduziert die Exporte. Woher also sollen die so wichtigen Grundstoffe für die bis 2025 in Deutschland geplanten rund 20 Batterie-Produktionsstandorte kommen?

Lösung für Dohna Chemie-Brache

Verstärkt aus Dohna, lautet die Fluorchemie-Strategie. "Alle Batterie-Produzenten brauchen, was wir herstellen: Lithium-Hexafluorophosphate", sagt Harald Werner. Lithium ist bekannt, macht aber in den Batterien nur einen geringen Anteil aus. Grundstoff für die Hexafluorophospate ist Flusssäure. Die wird in Dohna aus Flussspat hergestellt. Den wiederum baut die Fluorchemie-Gruppe in eigenen Minen ab. Damit sei die Firma weitgehend autark, also unabhängig.

Dazu Sachsen als Standort der Elektromobilität. Für die Fluorchemie ideale Voraussetzungen. Das hat Geschäftsführer Leypold kürzlich auch Wirtschaftsminister Dulig klargemacht, um entsprechende finanzielle Unterstützung zu erhalten. Ohne die geht es bei der insgesamt 250 Millionen Euro umfassenden Investition nicht. Dazu gehören aber auch die 50 Millionen Euro für die Aktivierung des Stollens zum Flussspat-Abbau in Ilmenau.

Mit dem Geld soll der Standort an der Weesensteiner Straße in Dohna wachsen und gestärkt werden. Räumlich, mengenmäßig, personell und von der Bedeutung. Davon profitiert auch Dohna. Erstens, weil es für die ewige Brache Dohna Chemie endlich einen Investor gibt und zweitens, weil die Stadt sich künftig über mehr Gewerbesteuereinnahmen freuen kann.

Wie der Standort Dohna wächst

Räumlich: Auf dem Gelände der Fluorchemie wird eine Schwefelsäureanlage an das bestehende Produktionsgebäude gebaut. Auf dem gegenüberliegenden Grundstück der ehemaligen Dohna Chemie sollen ein Mischlager, ein Forschungszentrum und ein Verwaltungsgebäude gebaut werden. Der Grundstückskauf soll noch dieses Jahr erfolgen. Die Weihnachtsfeier 2022 soll bereits in den neuen Räumen stattfinden.

Mengenmäßig: Als die FCKW-freien Kühlschränke kamen, bedeutete das für die Fluorchemie etwa ein Fünftel Einbußen. Diese Lücke konnte bis heute nicht vollständig geschlossen werden. Doch die neuen Sparten Mikroelektronik und E-Autos werden in der Fluorchemie Gruppe schnell zur Vollauslastung beider Werke führen und wenn der Bedarf darüber hinaus geht, liegen die Pläne zur Kapazitätserhöhung bereits in der Schublade.

Personell: Für den Chefposten des künftigen Forschungszentrums haben die Personalgespräche schon begonnen. Des Weiteren werden zehn bis 15 Ingenieur-Laboranten gesucht. Für die erweiterte Produktion sind 15 bis 20 Chemikanten notwendig. Weitere Stellen entstehen in der gruppenübergreifenden Unternehmensleitung. Hier sind die ersten fünf zusätzlichen Mitarbeiter schon eingestellt.

Bedeutung: Der Firmensitz der Gruppe wird von Frankfurt/Main nach Dohna verlegt. Das ist ein Bekenntnis der Gruppe zum Standort und verschafft der Stadt Werbung. Zudem kommt der Betrieb weg vom Schmuddel-Image. "Von Sorgenkind zur Perle", sagt Harald Werner.