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Pirna: Wieso die Post das Zentrum verlässt

Das Unternehmen bezieht einen neuen Zustellstützpunkt im Gewerbegebiet Copitz-Nord - und gibt dafür einen anderen Standort auf.

Standortleiterin Janette Kleiner auf einem E-Trike im neuen Pirnaer Post-Zustellstützpunkt: Alles ist jetzt geräumiger und barrierefrei.
Standortleiterin Janette Kleiner auf einem E-Trike im neuen Pirnaer Post-Zustellstützpunkt: Alles ist jetzt geräumiger und barrierefrei. © Daniel Schäfer

Jahrelang war es nur eine große Wiese, auf der gelegentlich Schafe weideten - bis die Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) das rund sieben Hektar große Areal an der Ecke Lohmener/Wehlener Straße kaufte und vor reichlich drei Jahren erschließen ließ.

Seitdem bewegt sich viel im Gewerbegebiet Copitz-Nord, sämtliche Flächen sind inzwischen verkauft oder reserviert, Grundstücke sind dort keine mehr zu haben.

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Einige Areale sind bereits bebaut. So ließ beispielsweise der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) einen neuen Wertstoffhof samt Behälterlager errichten, Unternehmer Christoph Herbrig lässt in seinem V8-Werk amerikanische Oldtimer restaurieren, auch ein Baumdienst hat sich angesiedelt.

Nun gibt es aktuell einen großen Zuwachs: Die Deutsche Post DHL Group hat an der Nordstraße - so heißt die Stichstraße im Gewerbegebiet - einen neuen Zustellstützpunkt in Betrieb genommen. Damit verlagert das Unternehmen seine Tätigkeit vom Zentrum an den Stadtrand - aus mehreren Gründen. Sächsische.de stellt das Projekt vor.

Warum zieht die Post um?

Ausschlaggebend dafür waren hauptsächlich drei Gründe: Die Post brauchte mehr Platz, wollte bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter schaffen und darüber hinaus einen klimaneutralen Stützpunkt errichten. Das alles ließ sich am alten Standort nicht realisieren.

Bislang wurden Briefe und Pakete zum Hauptpostamt auf der Gartenstraße in der Pirnaer Innenstadt gebracht, von dort aus starteten auch die Zusteller. Doch das Gebäude ist nicht barrierefrei, zudem brummten die Post-Lkws stets zeitig am Morgen durchs Zentrum - zulasten der unmittelbaren Anwohner.

An dem Gebäude ließ sich kaum etwas verändern, die Post war dort lediglich Mieter.

Auf der Suche nach einem neuen Standort wurde die Post in Copitz-Nord fündig. "Wir sind ein Logistikunternehmen, das gehört einfach in ein Gewerbegebiet", sagt Unternehmenssprecher Matthias Persson. Die Post müsse nicht zwangsläufig mitten in der Stadt sitzen.

Der neue Zustellstützpunkt bietet nun mehrere Vorzüge: Er vereint Brief- und Paketzustellung unter einem Dach, Pakete und Briefe können ebenerdig und im Trocknen ein- und ausgeladen werden, es gibt mehr Platz für die Mitarbeiter sowie größere Lagerkapazitäten für das wachsende Paket-Geschäft.

Neuer Zustellstützpunkt in Pirna: Von hier aus werden 100.000 Briefe und 11.000 Pakete pro Woche zugestellt - an über 26.000 Haushalte.
Neuer Zustellstützpunkt in Pirna: Von hier aus werden 100.000 Briefe und 11.000 Pakete pro Woche zugestellt - an über 26.000 Haushalte. © Daniel Schäfer (Archiv)

Was wird aus der Post in der Gartenstraße?

Der neue Zustellstützpunkt in Copitz-Nord ist inzwischen vollständig bezogen. Im Gegenzug gibt die Post den Standort Gartenstraße auf. Der Mietvertrag ist zum August gekündigt, die Post zieht komplett aus dem Gebäude aus.

Die Postbank-Filiale - die nicht zur Deutsche Post DHL Group gehört - bleibt hingegen im Gebäude auf der Gartenstraße. Dort kann man auch weiterhin Pakete abgeben.

Das wiederum funktioniert in der neuen Copitzer Niederlassung nicht - sie ist ein reines postinternes Zustellzentrum. Aber man kann zu verschickende Pakete auch direkt dem Zusteller mitgeben, wenn man ihn an der Haustür trifft.

Für welches Gebiet ist Pirna zuständig?

Zu den Versorgungsbereichen des Pirnaer Zustellstützpunktes gehören die Gemeindegebiete Pirna, Dohma, Struppen und Stadt Wehlen mit insgesamt über 26.000 Haushalten.

Die ersten Lieferungen in Copitz treffen täglich gegen 5.30 Uhr ein, bis 8.30 Uhr wird beladen. Bereits ab 8 Uhr sind die Briefzusteller unterwegs, spätestens ab 10 Uhr dann auch die Paketzusteller. Sämtliche Sendungen, alle vorsortiert, werden aus dem Brief- und DHL-Paketzentrum Ottendorf-Okrilla angeliefert.

Wie wird Pirna ein grüner Standort?

Die Post will bis 2025 bundesweit bis zu 280 CO2-neutrale Zustellstützpunkte errichten, bis 2050 will das Unternehmen komplett CO2-frei zustellen.

Dafür wurden am neuen Pirnaer Standort bereits die Voraussetzungen geschaffen. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt Strom, damit wird auch eine Wärmepumpe für die Heizung betrieben.

Tagsüber geladener Strom wird in Batterien gespeichert, um damit nachts die Fahrzeuge zu laden.

"Als Speicher verwenden wir ausgediente Batterien von unseren E-Scootern", sagt Persson. Sie könnten auch nach dem Ende ihres Lebenszyklus in einem Elektrofahrzeug noch viele Jahre als Pufferspeicher für Solarstrom verwendet werden.

Am Pirnaer Stützpunkt sind derzeit 26 Transporter im Einsatz, ab dem vierten Quartal 2021 werden die Verbrennerfahrzeuge schrittweise gegen E-Scooter getauscht, bis die Mitarbeiter dann ausschließlich elektrisch unterwegs sind. Auch die elektrische Fahrradflotte - derzeit drei E-Bikes und sechs E-Trikes - wird erweitert.

Benno Krahl mit einem E-Scooter: Ab vierten Quartal 2021 wird in Pirna die gesamte Fahrzeugflotte auf diese Elektromobile umgestellt.
Benno Krahl mit einem E-Scooter: Ab vierten Quartal 2021 wird in Pirna die gesamte Fahrzeugflotte auf diese Elektromobile umgestellt. © Daniel Schäfer

Wie viele Sendungen werden zugestellt?

Vom neuen Pirnaer Zustellstützpunkt aus werden in den Versorgungsbereichen rund 100.000 Briefe sowie 11.000 Pakete pro Woche zugestellt.

Vor allem die Paketmenge steigt stetig, auch aufgrund der Corona-Pandemie, in der der Online-Handel rasant wuchs.

"Im Mai 2021 beispielsweise hatten wir noch einmal 25 Prozent mehr Pakete als im Mai 2020", sagt die Dresdner Niederlassungsleiterin Marion Oppermann.

Sucht die Post noch Arbeitskräfte?

Am neuen Zustellstützpunkt in Pirna sind derzeit 70 Mitarbeiter einschließlich der sogenannten Abrufkräfte beschäftigt, hinzu kommen sechs Mitarbeiter in der Verwaltung.

Aktuell sucht die Post weitere Arbeitskräfte, vor allem Zusteller für mehrere Bereiche, Bewerber sollten im Besitz eines Pkw-Führerscheins sein.

Benötigt werden aber auch Berufskraftfahrer mit Lkw-Führerschein, hauptsächlich am Standort Ottendorf-Okrilla. Potenzielle Bewerber können über die Internetseite www.werdeeinervonuns.de Kontakt aufnehmen.

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