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Wieso Pirna neue Gewerbeflächen braucht

In den drei Gewerbegebieten ist nichts mehr frei. Potenzielle Investoren muss die Stadt Pirna vertrösten - oder ihnen gar absagen.

V8-Werk in Pirna: erster privater Firmenneubau im Gewerbegebiet Copitz-Nord.
V8-Werk in Pirna: erster privater Firmenneubau im Gewerbegebiet Copitz-Nord. © Mario Klemm

Die Aufgabe der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) ergibt sich schon aus ihrem Namen. Sie soll die Stadt entwickeln, dazu zählt auch, Firmen nach Pirna zu holen, potenziellen Investoren geeignete Grundstücke anzubieten und ihnen zu helfen, sich hier anzusiedeln.

Das funktionierte jahrelang, doch mittlerweile gibt es ein gravierendes Problem: Die SEP kann den ihr zugedachten Auftrag nur noch bedingt erfüllen. "Inzwischen können wir der Aufgabe als Wirtschaftsentwickler und Ansiedler nicht mehr gerecht werden", sagt SEP-Geschäftsführer Christian Flörke.

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An Nachfrage mangelt es nicht, auch nicht an interessanten Anfragen. Doch Flörke muss potenzielle Investoren zunehmend vertrösten - oder ihnen gar absagen.

Der Grund: In den drei Pirnaer Gewerbegebieten "An der Elbe", "Copitz-Nord" und "Sonnenstein" gibt es - bis auf ein kleines Grundstück - keine freien Flächen mehr. Der Großteil der Areale ist längst bebaut, die restlichen Grundstücke sind verkauft oder reserviert. Alternativen gibt es nicht wirklich.

Sächsische.de zeigt einen Überblick, wie die Gewerbegebiete inzwischen ausgelastet sind - und welche neuen Aufgaben sich darauf für Pirna ableiten.

Gewerbegebiet "An der Elbe"

Die SEP wurde 1995 gegründet, vordergründig, um zunächst das riesige frühere Kunstseide-Areal an der B 172 in einen modernen Industriepark umzuwandeln. Das Gewerbegebiet "An der Elbe" zwischen der Hugo-Küttner-Straße und den Bahngleisen ist sozusagen der Ursprung der neuen Pirnaer Gewerbegebiete.

Es umfasst eine Größe von rund 30 Hektar. Ein Großteil ist längst bebaut, große Firmen wie die Fahrzeugelektrik Pirna und KTSN haben sich hier angesiedelt, auch Möbel-Graf, dazu viele einheimische Mittelständler und Autohäuser.

Und auch auf dem am längsten unbebauten Areal - das Karree zwischen B 172, Fabrikstraße und Kahrenweg - ist inzwischen kein Grundstück mehr frei. Den Anfang dort machte die SEP selbst, die ließ 2015/16 direkt an der Ecke Fabrikstraße/Kahrenweg eine Halle errichten. Ursprünglich sollte sie an Pirnaer Gewerbetreibende vermietet werden, doch sie wurde zunächst als Asylhalle umgebaut. Seit diesem Jahr ist das Gebäude Sitz und Ausbildungsstätte des Bildungszentrums Pirna.

Gleich daneben hat eine Firma gebaut, die Metallteile pulverbeschichtet. Auf dem Eckgrundstück B 172/Fabrikstraße will der Reifendienstleister "Pneuhage" 2021 eine Niederlassung errichten.

Weiter unten in Richtung Kahrenweg baut der Essenanbieter "Knack Frisch" eine neue Großküche samt Bistro, daneben gibt es einen Betrieb für Elektroanlagen. Ein 5.500 Quadratmeter großes Grundstück gegenüber von Möbel-Graf ist laut Flörke ebenso verkauft, ein privater Investor will es bebauen.

Das letzte verbleibende Grundstück, 8.500 Quadratmeter groß, behält die SEP selbst. Sie will dort eine Halle errichten für einen Unternehmer, der seinen Sitz von Kreischa nach Pirna verlegt. "Indem wir die Halle vermieten, generieren wir konstante Einnahmen", sagt Flörke.

Aus seiner Sicht sei das Gewerbegebiet eine Erfolgsgeschichte. Es sei ein gutes Beispiel, wie aus einer Altbrache ein modernes Industriegebiet wurde, ohne das Pirna gar nicht existieren könne.

Fazit: Es ist kein Grundstück mehr frei.

Gewerbegebiet "An der Elbe": Von der Kunstseide-Brache zum modernen Industriepark.
Gewerbegebiet "An der Elbe": Von der Kunstseide-Brache zum modernen Industriepark. © Daniel Schäfer

Gewerbegebiet Copitz-Nord

Das Gewerbegebiet zwischen Lohmener und Wehlener Straße ist rund sieben Hektar groß. Lange tat sich auf dem Areal nichts, bis die SEP das Gelände von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) kaufte und vor drei, vier Jahren erschließen ließ.

"Wir sind davon ausgegangen, dass diese Flächen für die nächsten fünf bis zehn Jahre ausreichen", sagt Flörke. Doch die Wirklichkeit war schneller. Aktuell sind alle Grundstücke verkauft, bis auf zwei Areale, die potenzielle Investoren jedoch schon für sich reserviert haben.

Den Anfang auf diesem Gebiet machte der Zweckverband "Abfallwirtschaft Oberes Elbtal" (ZAOE) mit einem neuen Wertstoffhof. Danach folgte der Unternehmer Christoph Herbrig mit seinem V8-Werk, in dem amerikanische Autos der Marken Ford Mustang und Corvette restauriert werden. Herbrig hatte diese Firma aus Platzgründen aus dem Müglitztal nach Pirna verlagert. Die Fläche neben dem V8-Werk hat er bereits reserviert.

Zudem wollen sich auf dem Areal unter anderem eine amerikanische Firma, ein Elektrobetrieb, ein Baumdienst, ein Paket-Dienstleister und ein Busunternehmen ansiedeln.

Fazit: Derzeit ist kein Grundstück mehr frei.

Gewerbegebiet Copitz-Nord: Lange tat sich nicht, doch auf einmal waren alle Grundstücke weg.
Gewerbegebiet Copitz-Nord: Lange tat sich nicht, doch auf einmal waren alle Grundstücke weg. © Daniel Schäfer

Gewerbegebiet Sonnenstein

Das Gewerbegebiet auf dem Sonnenstein ist das kleinste der drei Pirnaer Gewerbegebiete, es erstreckt sich entlang der B 172 und der Longuyoner Straße. Angesiedelt sind dort unter anderem Autohäuser, eine Druckerei, eine Schlosserei, eine Heizungsbau- und Sanitärfirma, eine Firma für Elektroanlagenbau, auch die Lebenshilfe Pirna-Sebnitz-Freital hat dort ihren Geschäftssitz.

In dem Gewerbegebiet gibt es eine Besonderheit: Ganz am Ende an der Wendeschleife in Richtung Ortsausgang liegt ein reichlich 10.000 Quadratmeter großes Grundstück, bislang als Sonderstandort "Hotel" ausgewiesen. Da ein solches dort aber nicht gebaut wird, will die SEP es zu einem Gewerbegrundstück umwidmen lassen. Es gibt auch schon einen Interessenten für das Gelände, eine ortsansässige Druckerei.

Andere große Grundstücke sind in dem Gebiet nicht verfügbar. Da aber die Nachfrage - auch aus dem Gebiet selbst heraus - nach zusätzlichen Gewerbeflächen groß ist, denkt die SEP derzeit darüber nach, das Gewerbegebiet Sonnenstein perspektivisch zu erweitern.

Fazit: Die SEP hat nur noch ein kleines freies Grundstück mit einer Größe von 834 Quadratmeter.

Gewerbegebiet Sonnenstein: Perspektivisch könnte das Areal erweitert werden.
Gewerbegebiet Sonnenstein: Perspektivisch könnte das Areal erweitert werden. © Daniel Schäfer

Stadt und SEP setzen auf den IPO

In den drei Pirnaer Gewerbegebieten sind derzeit keine Flächen mehr frei. Laut Flörke gebe es auch keine Brachflächen in der Stadt, die sich zu Gewerbestandorten entwickeln ließen. Jene Brachen, die noch da sind, seien entweder zu klein oder zu wertvoll, um dort Industrie anzusiedeln. "Das alles ist für Pirna und die Entwicklung keine gute Lage", sagt der SEP-Geschäftsführer.

Daher müssen aus Sicht der Stadt und der SEP neue Perspektiven her, vor allem in Form des geplanten "Industriepark Oberelbe" (IPO), der entlang des Pirnaer Autobahnzubringers entstehen soll. Allerdings, so Flörke, brauche die Stadt nicht nur große Gewerbeflächen, sondern auch kleinere Grundstücke für regionale Unternehmen.

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