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Sachsen

16 neue Radiosender für Deutschland

Die Auswahl der digitalen privaten Kanäle findet vor allem in Leipzig statt – bei einem alten Hasen.

© Lukas Schulze/dpa (Symbolbild)

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Leipzig. Nach langen Auseinandersetzungen und Prozessen ist jetzt der Weg frei für bis zu 16 neue, bundesweite Radiosender in Deutschland. Das Konsortium „Antenne Deutschland“ gab am Donnerstag bekannt, dass die privaten, digitalen Sender auf der nationalen Plattform DAB+ ab September starten sollen: zur Internationalen Funkausstellung in Berlin. Einen Teil der Kanäle will Antenne Deutschland für eigene Programme nutzen – ein Teil der Musik wird aber auch in Leipzig spielen: Mit der Vergabe der freien Kapazitäten im Radiomarkt wurde exklusiv die neue National German Radio GmbH beauftragt. Dahinter steht kein Geringer als Erwin Linnenbach, der als Mitbegründer von Radio PSR ein Stück sächsische Radiogeschichte mitgeschrieben hat. Später leitete Linnenbach jahrelang den Freizeitpark Belantis.

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Als denkbar gilt, dass sich für die neuen deutschlandweiten Sender große Player interessieren wie NRJ, Spotify, Radio Max von REWE und andere Unternehmen – denn jeder Kanal ist künftig ein großer Werbemarkt. Auch Leipziger und andere sächsische Anbieter könnten zu den Interessenten gehören. „In den kommenden Wochen und Monaten erhalten Radiomacher und Content-Anbieter die einmalige und auch letzte Chance, mit bundesweiten Programmen in den deutschen Radiomarkt einzutreten“, erklärten die Geschäftsführer von Antenne Deutschland, Willi Schreiner und Arnold Stender. 

Bereits in den kommenden Wochen werden internationale Interessenbekundungen erwartet. Dabei soll eine möglichst breite Vielfalt verschiedener Programmrichtungen erreicht werden. Das neue Angebot werde die deutsche Privatradioszene nach Ansicht von Insidern spürbar verändern. Bis Ende Juni sollen die Entscheidungen über die Sender fallen, die den Zuschlag erhalten. Die Lizenzen werden für zehn Jahre vergeben und können um weitere zehn Jahre verlängert werden. Damit soll es eine hohe Investitionssicherheit geben.

Sachsen misslang die Ausschreibung

Digitaler Hörfunk über terrestrische Sender findet allmählich immer mehr Verbreitung. Fast ein Viertel der Haushalte in Deutschland verfügt inzwischen über DAB+-Empfänger zu Hause oder im Auto, berichtet eine Studie der Medienanstalten. Ab Ende dieses Jahres müssen sogar alle Radios in Neuwagen für Digitalprogramme ausgerüstet sein. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben. Auch für stationäre Radios mit Display gilt dann diese Digitalpflicht.

Die Vergabe des neuen Pakets mit bis zu 16 Sendern lag seit Jahren in der Hand der Sächsischen Landesmedienanstalt. Ihr war die Ausschreibung jedoch misslungen: Der Zuschlag für Antenne Deutschland im Jahr 2017 führte prompt zur Konkurrenten-Klage des Leipziger Anbieters „Digital Audio Broadcasting Plattform“ (DABP). Dahinter steht der Leipziger „Immobilien-König“ und frühere Autorennfahrer Steffen Göpel. Das Verwaltungsgericht gab der Klage im Mai 2019 auch statt.

Das Ausschreibungsverfahren hätte demnach neu begonnen werden müssen. Zugleich wurde eine Revision beim Bundesverwaltungsgericht geplant. Im Januar hatten sich daher beide Anbieter hinter den Kulissen auf einen Deal geeinigt, von dem letztlich beide Seiten profitieren. Damit war der Weg für den Aufbau des bundesweiten DAB+-Programms frei – ohne weitere, langwierige Prozesse.