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Riesa

Abi mit 1,0

Victoria Heinrich ist eine von vier 1,0-Abiturienten in Riesa. Dabei wollte sie nach der 10. Klasse eine Lehre machen.

©  Sebastian Schultz

Riesa. Eigentlich könnte Victoria Heinrich jetzt bereits kurz vor ihrem Abschluss als Sozialversicherungsangestellte stehen. 

Schließlich hatte sie nach ihrem Realschulabschluss an der Oberschule Nünchritz bereits Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz geschrieben und hatte mit einem Notenschnitt von 1,18 auch gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. 

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„Aber im letzten Moment habe ich mir noch mal überlegt, welche Möglichkeiten ich habe, doch noch Abi zu machen“, erinnert sich die heute 19-Jährige. Kurzerhand wechselte sie ans Berufliche Schulzentrum nach Riesa. Rückblickend eine gute Entscheidung. Denn Victoria Heinrich hält nun ein Abitur mit der Traumnote 1,0 in den Händen.

Die Zeithainerin ist in diesem Jahr damit eine vier 1,0-Abiturienten in Riesa. „Am Werner-Heisenberg-Gymnasium Riesa haben wir zweimal 1,0, am Städtischen Gymnasium Riesa einmal“, erklärte die Sprecherin des Landesamtes für Schule und Bildung, Petra Nikolov. Am christlichen Gymnasium Rudolf Stempel sowie an den Oberschulen in der Stadt habe es in diesem Jahr keine Absolventen mit dem Notendurchschnitt 1,0 gegeben.

Im Sachsentrend zeigt sich dagegen, dass die Abiturienten insgesamt mit immer besseren Noten abschließen. So hat sich auch die Zahl der 1,0-Abiturienten in den vergangenen zehn Jahren sogar mehr als verdoppelt, zeigt eine Statistik des sächsischen Kultusministeriums.

Leicht sei das Abi trotzdem nicht. „Ich finde es schade, wenn die Gymnasiasten sagen, ihr kriegt am BSZ das Abi geschenkt“, so Victoria Heinrich, „das stimmt mit Sicherheit nicht. Das Arbeitspensum war groß.“ Tatsächlich gab es im Vorjahr auch keinen einzigen BSZ-Abiturienten mit der Traumnote, im Jahr zuvor waren es zwei. „Das ist schon eine Ausnahme“, sagt Schulleiter Michael Hampsch. Und die Anforderungen am BSZ seien übrigens quasi dieselben wie an anderen Gymnasien.

Am BSZ dauert die Abiturstufe zwar drei, anstatt zwei Jahre. Die elfte Klasse habe dabei aber eine Art Ausgleichsfunktion, bei der die Schüler, die von anderen Gymnasien oder der Oberschule ans BSZ wechseln, auf den gleichen Wissensstand gebracht werden. „Das hilft vielen“, weiß Michael Hampsch, „das eine Jahr macht für die Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung viel aus. Die Motivation hier ist auch höher.“

© Kultusministerium

Denn die drei Jahre am BSZ sind ein zeitaufwendiger und kostspieliger Weg, der von Schülern und Eltern im Vorfeld meist lange beraten wird, so der Schulleiter. „Viele Schüler starten hier dann richtig durch. Sie wissen ja, wofür sie es machen.“ Die Fächer am BSZ seien ebenfalls sehr ähnlich wie an anderen Gymnasien. Nur Latein, Geografie, und Musik gibt es am BSZ nicht, sagt Michael Hampsch. Dafür aber die beiden Fächer Technik und Wirtschaft.

Victoria Heinrich hat sich am BSZ Riesa für die wirtschaftliche Richtung entschieden und deshalb bereits seit der elften Klasse Unterricht in Wirtschaftslehre und Recht. Wie an anderen Gymnasien in der elften Klasse entscheiden sich auch die Schüler am BSZ in der zwölften Klasse für zwei Leistungskurse: In der Richtung Technik ist der erste Leistungskurs automatisch Technik, für Victoria Heinrich war es die Wirtschaft.

In sieben Stunden die Woche habe sie gelernt, wie Wirtschaft funktioniert. Hat Controlling, Marketing, Buchführung gebüffelt. „Wir haben auch mal durchgespielt, wie eine Steuererklärung gemacht wird.“ Besonders gefesselt habe sie aber das Thema Recht, vor allem wenn sie im Unterricht diverse Rechtsfälle durchgesprochen haben.

Deshalb habe sie sich auch für ein Praktikum am Amtsgericht Riesa beworben – und jetzt will die 19-Jährige auch Jura studieren. „Am liebsten in Leipzig oder Berlin.“ Ihre Erfahrung in den Wirtschaftswissenschaften dürften ihr dabei von Vorteil sein, ist Schulleiter Hampsch überzeugt, „und es ist gut, wenn es Anwälte gibt, die wissen, wovon sie sprechen.“

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Auf die Studienzusage muss Victoria Heinrich allerdings noch etwas warten. Bis dahin will sie mit ihrem Freund noch einmal in Urlaub fahren und wie bisher bei der FVG Riesa jobben. „Gerade im Sommer bin ich bei vielen Veranstaltungen dabei. Da waren die Wochenenden manchmal hart, wenn ich nach der Arbeit noch lernen musste.“

Dass es am Ende für 1,0 reicht, hat Victoria Heinrich lange nicht geglaubt, aber gehofft. „Mitte der zwölften Klasse hat mich meine Tutorin darauf angesprochen. Seitdem war meine Motivation hoch, das zu versuchen.“