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Dippoldiswalde

Alte Scheune geht auf Reisen

Zimmermann Kay Arnswald baut ein historisches Gebäude in Bärenstein ab. In Wilsdruff hat er damit besondere Pläne.

Teilweise ist die historische Scheune in Bärenstein schon abgebaut, vor der Kay Arnswald  steht. Am Dienstag kommt wird das Dachgebälk per Kran  heruntergehoben.
Teilweise ist die historische Scheune in Bärenstein schon abgebaut, vor der Kay Arnswald steht. Am Dienstag kommt wird das Dachgebälk per Kran heruntergehoben. © Egbert Kamprath

Im Jahr 1779 hat ein Bauer in Bärenstein Holz geschlagen für eine neue Scheune. Dass dieser Bau später zum Denkmal wird, hat er sich wahrscheinlich nicht vorstellen können.

 Die inzwischen 240 Jahre alte Scheune geht jetzt dank des Zimmerermeisters Kay Arnswald aus Helbigsdorf einen ungewöhnlichen Weg, sie reist von Bärenstein nach Wilsdruff.

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Die Denkmalschützer im Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben festgestellt, dass es wahrscheinlich die letzte Scheune ihrer Bauart im Osterzgebirge ist. Das ist von historischer Bedeutung, hilft aber den Eigentümern nichts. Günter Tittel, der mit seiner Familie das Grundstück gekauft hat, benötigt keine Scheune und kann auch keinen sechsstelligen Betrag ausgeben, um sie zu sanieren. Er hat das Bauernanwesen gekauft und anstelle des früheren Haupthauses ein Wohnhaus errichtet. Was nach dem Abtransport der Scheune aus der Fläche wird, ist noch offen. Als Platz für ein Wohnhaus würde sich der Standort in Bärenstein aber anbieten.

Alte Zimmermannskunst: von Hand behauene Balken und Holznägel.
Alte Zimmermannskunst: von Hand behauene Balken und Holznägel. © Egbert Kamprath

Damit die historische Scheune dennoch erhalten bleibt, bereiten Arnswald und etliche Helfer in ehrenamtlicher Arbeit die Versetzung der alten Scheune vor. Jeder Balken bekommt eine Nummer. Markus Dachsel aus Blankenstein nagelt kleine Plastikkärtchen an die Einzelteile. Die Nummern zeichnet Arnswald gleichzeitig in die Pläne ein, die er von dem Gebälk angefertigt hat. Dann packen die ehrenamtlichen Denkmalschützer zu, hebeln die alten Bretter mit einem Spezialeisen, einem sogenannten Kuhfuß, von den Balken und sortieren sie auf die Seite. „Vorsichtig, es sollte dabei auch nichts kaputtgehen“, sagt Enrico Sauer aus Nössige in der Lommatzscher Pflege.

Die Scheune ist seinerzeit fast ohne Eisen gebaut worden. „Metall war knapp. Menschliche Arbeitskraft war leichter zu haben“, sagt Arnswald. Daher haben die Zimmerleute damals mit viel Mühe Zapfen in die Balken geschnitten, damit sie ineinander passten. Schließlich wurden sie mit Nägeln aus Eichenholz verbunden. Nur bei den Dachsparren gab es eine Ausnahme. Dort kommt es besonders auf die Stabilität an. Daher wurden sie mit extra langen eisernen Sparrennägeln befestigt.

Die Scheune ist nach einem eigenen Bauplan passend zum Gelände errichtet. Sie ist in Stufen an den Hang gebaut worden. Unten ist eine Remise, wo noch ein alter Lastschlitten steht. Der ist zwar nicht ganz so alt, geht aber auch mit nach Wilsdruff. Darüber befindet sich eine Einfahrt, wo früher die Erntewagen entladen wurden. Links und rechts davon befinden sich die Böden, auf denen Heu, Stroh und Getreide aufbewahrt wurden.

Mit dem Kuhfuß wird jedes Brett einzeln behutsam abgenommen, vorne Enrico Sauer.
Mit dem Kuhfuß wird jedes Brett einzeln behutsam abgenommen, vorne Enrico Sauer. © Egbert Kamprath

Diese Woche hat Arnswald das Gebäude komplett vermessen. Am Donnerstag wurden die Abtrennbretter und die Bretter der Außenwand ausgebaut. Am Dienstag kommt der Kran in den Altenberger Ortsteil, der wird dann die großen Sparren vom Dachstuhl herunterheben. Bis zu sechs Meter Länge kommen die Balken und Bretter in einen Container. Die längeren Teile kommen für den Transport auf einen eigenen Lkw. Aus Denkmalschutzmitteln wird die Versetzung der Scheune mit rund 10 000 Euro gefördert. „Damit bezahlen wir die externen Kosten wie Kran und Transport“, sagt Arnswald. Die eigentliche Arbeit bleibt ehrenamtlich.

„Wir lagern das ganze Gebäude jetzt auf einem Grundstück ein, das uns die Stadt Wilsdruff zur Verfügung stellt“, sagt Arnswald. Er treibt das Projekt eines „Freilichtmuseums in Sachsens Mitte“ voran. Dort könnte die Scheune eines Tages wieder aufgebaut werden. Wann das passiert, ist momentan offen. Deswegen ist wichtig, dass er jetzt in Bärenstein alles sauber dokumentiert und fotografiert.

Er zeigt auch auf einen kleinen Plastikpfropfen in einem Balken. Dort haben Mitarbeiter des Denkmalschutzes eine Holzprobe genommen. Anhand der Jahresringe haben sie festgestellt, dass der Baum dafür im Jahr 1779 gefällt worden ist. Nur so ist das genaue Alter des Baus zu bestimmen.

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