merken
PLUS

Döbeln

Ansturm auf Friseurtermine

In einigen Geschäften füllen sich die Bestellbücher rasend schnell. Andere Inhaber sind noch unsicher und zurückhaltend.

Alexandra Feil, Inhaberin der HairFactory, hat vorgesorgt. Unter anderem hat sie mit Unterstützung anderer Döbelner Geschäftsleute Mundschutze anfertigen lassen.
Alexandra Feil, Inhaberin der HairFactory, hat vorgesorgt. Unter anderem hat sie mit Unterstützung anderer Döbelner Geschäftsleute Mundschutze anfertigen lassen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Nach der Ankündigung, dass Friseurgeschäfte ab dem 4.Mai wieder öffnen dürfen, ist der Ansturm auf die Termine groß. Die Geschäftsinhaber reagieren aber ganz unterschiedlich. Während die einen stundenlang die Anrufe ihrer Kunden entgegennehmen und das Bestellbuch füllen, weist bei anderen eine Bandansage darauf hin, dass der Laden derzeit geschlossen ist. Bei manchen läuft der Anruf auch komplett ins Leere.

79 Bestellungen an einem Tag

"Es ist ein tolles Gefühl, so viel Resonanz von den Kunden zu bekommen“, sagt Alexandra Feil. Allein am ersten Tag nach dem feststand, dass ein Haarschnitt bald wieder möglich ist, hat die Inhaberin der HairFactory 79 Bestellungen entgegengenommen. "Der Kalender ist voll." Dass Friseure erst zwei Wochen nach den anderen kleineren Geschäften wieder öffnen dürfen, akzeptiert sie, fühlt sich aber gleichzeitig, wie zwischen zwei Stühlen sitzend. Schließlich ist das Einhalten der Abstandsregeln beim Haareschneiden nicht möglich. Deshalb hat sie bereits langfristig "jede Menge Hygienemaßnahmen vorbereitet".

Anzeige
Jetzt mitmachen: #ddvlokalhilft-Umfrage
Jetzt mitmachen: #ddvlokalhilft-Umfrage

Händler ganz aus der Nähe trotzen mit spannenden Ideen der Krise. Überraschungen und Überraschendes! Unser Newsblog:

Am Eingang wird ein Desinfektionsständer für die Kunden platziert. Für die sechs Mitarbeiter und die "Putzfee" steht ausreichend Flächendesinfektion zur Verfügung. Die Döbelner Geschäftsinhaber helfen sich untereinander. Die Mitarbeiter von Nähweißchen und Fadenrot sowie des Brautmodegeschäftes haben Mundschutze genäht. "Die werden täglich gewaschen und gebügelt", so Alexandra Feil. Außerdem seien Masken vorrätig, die nur einmal verwendbar sind. Um die habe sie sich sofort gekümmert, als die Corona-Pandemie begann. Außerdem hat die Geschäftsfrau zusätzliche Umhänge bestellt, die bei 60 Grad waschbar sind, sodass auch wirklich die Kleidung jedes Kunden mit einem frischen Umhang geschützt wird. Auch habe sie schon von einem Augenschutz für die Mitarbeiterinnen gehört. Aber ob sie den wirklich anschafft, ist noch nicht klar.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Obwohl der Platz bei HairFactory schon recht großzügig bemessen ist, wurde einiges noch weiter auseinandergerückt. In der kommenden Woche werden die beiden Waschbecken noch mit einer Plexiglasscheibe abgegrenzt. Der Wartebereich ist großzügig genug. "Bei schönem Wetter können die Kunden auch auf der Terrasse Platznehmen." Um den ersten Kundenansturm zu bewältigen, sind ab dem 4. Mai alle Mitarbeiter im Einsatz. Auch die, die am Montag oder Sonnabend eigentlich frei hätten. Eventuell werde auch noch die Öffnungszeit dem Kundenbedarf angepasst.

Mundschutz selbst genäht

Zwei der vier Mitarbeiterinnen des Friseurs Pur befinden sich im Erziehungsurlaub. "Die anderen nähen wie verrückt Schutzmasken", sagt Inhaberin Jana Esthymiou. Die werden jeden Tag bei 60 Grad gewaschen. Auch für die Kunden würden Masken angeboten, die die Friseurin von einer Gebäudereinigungsfirma erhalten hat. Handschuhe werden ihre Mitarbeiterinnen beim Waschen und Färben der Haare tragen. Beim Schneiden sei das nicht möglich. Da sich nie mehr als zwei Kunden und die Mitarbeiterinnen im Laden befinden werden, könne die Abstandsregel eingehalten werden. Auch beim Friseur Pur klingelt ununterbrochen das Telefon. "Die Termine für die erste Maiwoche waren in zwei Tagen weg. Die Kunden freuen sich, dass sie jetzt planen können, wann sie wieder eine vernünftige Frisur erhalten", soJana Esthymiou.

Intensivreinigung vor der Eröffnung

Grit Neumann vom City Haarstudio sieht den Wiedereröffnungstermin in zwei Wochen positiv. Sie ist froh, "dass wir noch etwas Vorbereitungszeit haben." Sie plant in ihrem Geschäft eine Intensivreinigung vom Fußboden bis zur Decke, "sodass wir am 4. Mai um 8 Uhr klinisch rein öffnen können", sagt sie. In Bezug auf Hygienemaßnahmen sei das City Haarstudio gut aufgestellt. Es seien schon immer für jeden Kunden Umhänge vorhanden gewesen. Für die Mitarbeiter seien Gesichtsvisiere bestellt. Schutzmasken gebe es bereits. Auch die Kunden würden gebeten, solche mitzubringen. Trotz guter Vorbereitung werde sie nach der ersten Woche ein Resümee ziehen und schauen, wie viele Laufkunden in den Laden schauen und wie der Verkauf von Pflegeprodukten läuft.

Noch klären müsse sie, ob die beiden Azubis ab 4. Mai mit im Laden arbeiten oder, wie ursprünglich geplant, in die Berufsschule gehen werden. "Die Mitarbeiter und ich freuen uns, dass es wieder losgeht. Auch die Kunden sind happy", sagt Grit Neumann, die einen regelrechten Telefonmarathon hinter sich hat, um alle Kundenwünsche entgegenzunehmen. "Jetzt gibt es einen Run auf Friseure anstatt auf Toilettenpapier", sagt sie. Gleichzeitig sieht sie in der Situation die Chance, dass sich der Blick auf den Beruf des Friseurs in der Bevölkerung ändert und wieder mehr Wertschätzung bekommt. "Vielleicht interessieren sich auch wieder mehr Jugendliche für eine Ausbildung in dem Beruf",hofft die Geschäftsfrau, die jungen Leuten seit 25 Jahren das Friseurhandwerk lehrt.

Termine gibt's erst später

"Seitdem der Wiedereröffnungstermin bekannt ist, steht das Telefon nicht mehr still", erklärt auch Jana Kettner, Geschäftsführerin des Friseurs Central. Der Kundenansturm sei groß, aber sie ist noch zurückhaltend, "da wir noch nicht wissen, unter welchen Voraussetzungen wir öffnen dürfen." Damit meint sie zum Beispiel, wie viele Mitarbeiter und Kunden dürfen sich gleichzeitig im Laden befinden. In den sieben Central-Geschäften sind 28 Mitarbeiter beschäftigt, die sich derzeit in Kurzarbeit befinden. In der kommenden Woche werde sie mit diesen entscheiden, wie es weitergeht. Ein Pandemieplan sei bereits erarbeitet und Mundschutz für die Mitarbeiter im Nähstübchen am Niedermarkt bestellt.

"Auch die Kunden sind angehalten, einen eigenen Mundschutz mitzubringen", so Jana Kettner. Ein Tuch würde ebenfalls reichen. Desinfektions- und Handwaschmittel seien ausreichend vorhanden. Auch wenn die Kunden jetzt schon Sturm klingeln, vergibt der Friseur Central noch keine Termine. Jana Kettner orientiert in dieser Beziehung auf die Woche ab dem 27. April.

Die Kunden des Friseursalons Christine Wolf müssen sich ebenfalls noch gedulden. In einer Bandansage wird ihnen mitgeteilt, dass das Geschäft am 5. Mai wieder öffnet und Termine am Vormittag des 28. April vergeben werden.

Glückliche Kunden

"Die Kunden sind glücklich, dass sie wieder kommen können", diese Erfahrung macht auch Christine Eckart in Limmritz. Und sie ist nicht begeistert davon, dass die Friseurgeschäfte erst in zwei Wochen öffnen dürfen. Außerdem meint sie, dass diejenigen, die Hygienemaßnahmen fordern, auch für die entsprechenden Voraussetzungen sorgen sollten.

Zurzeit sucht sie nach einer Bestellmöglichkeit für Mundschutze. Desinfektionsmittel ist vorhanden und genügend Abstand im Geschäft auch. Mit dem hätte sie am 1. April eigentlich das 40-jährige Bestehen gefeiert. Doch dieses Jubiläum ist bisher der Corona-Krise zum Opfer gefallen.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Weiterführende Artikel

Corona-Krise: So will Sachsen der Wirtschaft helfen

Corona-Krise: So will Sachsen der Wirtschaft helfen

Dresdner Zellen sollen an Corona-Kranken helfen, Virologe schlägt wöchentliche Tests für Lehrer vor, Warnungen vor Thüringens Alleingang - unser Newsblog.