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Darum musste das Arnhold-Bad schließen

Müll und Fäkalien: Eine Gruppe „Fahrenden Volkes“ richtet Verwüstung an und sorgt für Empörung.

Vor dem "Besuch" des Arnholdbades campierten die Iren auf dem Campingplatz am Blüherpark.
Vor dem "Besuch" des Arnholdbades campierten die Iren auf dem Campingplatz am Blüherpark. © privat

Sie nennt es eine Ausnahmesituation. Spricht von einer Spur der Verwüstung. Obwohl die Erlebnisse mit rund 400 Wohnmobilreisenden inzwischen wenige Tage zurückliegen sollen. Die Hotelleiterin der Cityherberge, Manuela Gey, wirkt noch immer empört.

Nicht nur auf ihrem Wohnmobilstellplatz am Blüherpark soll eine Gruppe sogenannter Irish Traveller für Unruhe gesorgt haben. Auch für die kurzzeitige Schließung des Georg-Arnhold-Bads soll sie verantwortlich gewesen sein. Das wird allerdings erst fünf Tage nach der Sperrung eines der größten und bekanntesten Bäder Dresdens offiziell. Bisher hat die zuständige Bäder GmbH von einer Havarie gesprochen und sich sonst in Schweigen gehüllt. Trotz mehrfacher Anfragen gab es keine Informationen. Manuela Gey berichtet hingegen offen, was rund um den Großen Garten vorgefallen sein soll.

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Sie führt den Stellplatz am Blüherpark. In der Nacht zum vergangenen Mittwoch seien Hunderte Iren mit rund 120 Wohnmobilen und mehreren Pkw angereist. Sie hätten zudem zehn Zimmer im Hotel Cityherberge in der Lingnerallee gebucht, sagt Gey. „Bereits in der ersten Nacht bekamen wir massive Probleme. Übermäßiger Alkoholgenuss, Pöbeleien gegen Mitarbeiter und untragbare Verschmutzungen der Toiletten waren nur der Anfang.“ Daraufhin habe sie die Gäste des Hotels verwiesen. Allerdings habe sich der Ärger fortgesetzt: „Auf dem Platz fanden nachts Autorennen statt. Sie demolierten Zäune, zerschnitten die Ketten, der Müll landete überall.“ Fäkalien hätten sich auf dem Platz verteilt und einen enormen Gestank verursacht.

Am Dienstag bot sich auf dem Caravanstellplatz ein sehr geordnetes Bild. Tage zuvor sah es hier ganz anders aus. 
Am Dienstag bot sich auf dem Caravanstellplatz ein sehr geordnetes Bild. Tage zuvor sah es hier ganz anders aus.  © René Meinig

Viele Gäste des Stellplatzes seien abgereist. Sie hätten sich bedrängt und belästigt gefühlt, sagt Gey. Ihrer Aussage nach hatte sie erhebliche Einbußen. Geld musste zurückgezahlt werden. Hinzu seien Beschwerden gekommen. Ähnliches berichtet nun auch Bäder-Sprecher Lars Kühl.

Am Donnerstagabend mussten Gäste das Bad überraschend verlassen, neue Besucher wurden an der Tür abgewiesen. Wie Kühl erklärt, hätte eine größere Personengruppe der „Irish Traveller“ das Bad drei Tage lang aufgesucht. „Dabei sorgten die Personen für Ärger. Sie missachteten aufs Gröbste unsere Haus- und Badeordnung.“ Personal sei bedroht worden. Man habe versucht, Security-Kräfte hinzuzuziehen. Das sei jedoch nicht gelungen. Die Gruppe der „Irish Traveller“ habe bei ihren Besuchen extreme Verunreinigungen verursacht. „Diese führten unter anderem zu Schäden an der Technik. Daher ließen wir das Bad für einen Tag zu, um die Havarie – eine Verstopfung – zu beseitigen.“ Auf konkrete Schäden will Kühl nicht eingehen.

Warum die Bäder GmbH die Öffentlichkeit nicht über die Probleme informierte? Man gehe mit so einem Thema nicht hausieren.

Laut Kühl habe die Polizei das Geschehen nur sporadisch kontrollieren können. Deren Sprecher Marko Laske teilte mit, Einsatzkräfte hätten die Gruppe fortlaufend betreut, Personalien wurden nicht aufgenommen. Zu konkreten Vorfällen machte er keine Angaben. Anzeigen gegen Einzelne liegen demnach nicht vor.

Still ruht die Wasserfläche. Ein ganz anderes Bild bot sich, als eine Gruppe der Irish Traveller das Georg-Arnhold-Bad am Donnerstag aufsuchte. 
Still ruht die Wasserfläche. Ein ganz anderes Bild bot sich, als eine Gruppe der Irish Traveller das Georg-Arnhold-Bad am Donnerstag aufsuchte.  © Christian Juppe

Doch wer sind die Traveller? Victor Vincze, Vorstand im Ausländerrat, sagt: „Es ist ein fahrendes Volk aus Irland, das keinen festen Wohnsitz hat und an hohen katholischen Feiertagen unterwegs ist.“ In der vergangenen Woche, am 15. August, war mit Mariä Himmelfahrt einer dieser Feiertage. Vincze wirbt für Toleranz, jedoch müssten sich natürlich alle an die Regeln halten.

Die Traveller, auch „Pavees“ oder „Tinker“ genannt, gelten als Nachfahren umherziehender Händler, die in Irland und Großbritannien als Hausierer und Pferdehändler ihr Geld verdienten. In den letzten Jahren gab es immer wieder Beschwerden von Anwohnern nach einem Besuch der Traveller, etwa in Köln, Bonn oder Mainz. Die Deutsch-Irische Gesellschaft aus Düsseldorf war auf SZ-Anfrage nicht zu erreichen.

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Hotelbesitzerin Gey will ihre Konsequenzen ziehen. Den Termin habe sie für nächstes Jahr bereits rot im Kalender markiert. Rückblickend beschreibt sie ein Gefühl der Ohnmacht: „Das Hausrecht konnten wir gemeinsam mit dem Eigentümer des Platzes leider nicht durchsetzen. Wir sahen uns nicht in der Lage, die circa 120 Caravans plus Autos des Platzes zu verweisen.“ Man habe warten müssen, bis die Gruppe von alleine weitergezogen sei.

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