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Cannewitz hat jetzt eine Apfelscheune

Christoph Schuster frischte die Streuobstwiese seiner Vorfahren mit neuen Bäumen auf und verarbeitet die Früchte in der eigenen Mosterei. Aber nicht nur die.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Cannewitz. Das Bäumchen direkt gegenüber von der Cannewitzer Apfelscheune ist noch jung. Trotzdem trägt es schon ein paar, wenn auch kleine Äpfel. Christoph Schuster ist stolz auf seine Streuobstwiese. Diese wurde von seinen Urgroßeltern um 1900 angelegt. Der älteste Baum stammt noch aus dieser Zeit. Er trägt die Sorte Kaiser-Wilhelm-Apfel.

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Christoph Schuster legt großen Wert darauf, alte einheimische Apfelsorten zu bewahren. Deshalb arbeitet er mit einheimischen Baumschulen zusammen, die das gleiche Ziel verfolgen. Das ist vor allem die Baumschule Wendler in Kotitz, aber auch die Baumschule Schwartz in Löbau. Die Streuobstwiese am Wehle-Hof in Cannewitz besteht jetzt aus 200 Bäumen in 50 verschiedenen Sorten. Allein 25 Bäume tragen den Lausitzer Nelkenapfel. Diese alte Sorte wächst nur in der Gegend um Bautzen und Görlitz.

Mit dem Lausitzer Nelkenapfel hat Christoph Schuster etwas besonderes vor. Er möchte seine Ernte zu einem speziellen Apfelsaft verarbeiten und mit ihm den Markt erobern. In Bordeaux-Flaschen abgefüllt, soll er als Gourmet-Saft auch des Feinschmeckers Gaumen erfreuen. Denn Christoph Schuster ist Anhänger der Slow-Food-Bewegung, die sich für genussvolles, bewusstes und regionales Essen engagiert. Zu Gourmet-Apfelsaft will er auch den Kaiser-Wilhelm-Apfel verarbeiten. Doch Christoph Schuster, der sich extra eine Apfelpresse angeschafft hat, die den Wert eines guten Mittelklassewagens hat, verarbeitet mit dem Gerät nicht nur seine eigene Ernte. Er stellt es zur Lohnmosterei allen Interessenten zur Verfügung, die aus ihren eigenen Früchten auch ihren eigenen Saft bekommen wollen.

Auch Birnen und Quitten werden angenommen

Am Dienstag ist die Presse erstmals in Betrieb gegangen. „Die Maschine kann in einer Stunde aus 800 Kilo Obst rund 500 Liter Saft erzeugen“, sagt Christoph Schuster. Gepresst werden können neben Äpfel auch harte Birnen und Quitten. Unreifes, angefaultes oder beschädigtes Obst wird nicht angenommen. Auch für Steinobst wie Kirschen, Pflaumen oder Aprikosen eignet sich die Apfelpresse nicht.

Die Apfelpresse steht in der Scheune des Wehle-Hofes, die Christoph Schuster zu diesem Zweck ausbauen ließ. Wie die Jahreszahl auf einem Balken zeigt, wurde diese 1869 gebaut. Es war der letzte Schritt beim Ausbau des Bauernhofes, auf dem Christoph Schuster viele Tage seiner Kindheit bei den Großeltern Ernst und Helene Wehle verbrachte. In Brießnitz bei Baruth und später in Kleinbautzen aufgewachsen, erinnert sich Christoph Schuster gern an die glücklichen Kindheitstage bei den Großeltern zurück. Als er dann Baumschulgärtner bei der Bautzener Firma Sämann wurde, kümmerte er sich bereits um die Streuobstwiese. – Nach der Wende 1989 nahm auch sein Leben eine entscheidende Wende. Mit dem Theologie-Studium erfüllte sich Christoph Schuster einen lang gehegten Traum. Seine erste Pfarrstelle trat er in Steinbach bei Bad Lausick an. Am Pfarrhaus gab es einen Apfelgarten, was ihm einen weiteren Impuls gab, sich mit der Streuobstwiese auf dem Hof der Großeltern zu beschäftigen. Mittlerweile arbeitet Christoph Schuster als Religionslehrer in Buxtehude bei Hamburg, wo seine Frau als Professorin tätig ist.

Nachdem seine Großeltern gestorben waren, baute er deren Hof Stück für Stück aus. In den Wohngebäuden richtete er Ferienwohnungen und eine dauerhafte Wohnung ein. Deren Mieterin ist zugleich bei ihm angestellt und betreut die Ferienwohnungen. Für den Ausbau der Wohnungen und der Scheune konnte Christoph Schuster Fördermittel aus einem Programm für den ländlichen Raum in Anspruch nehmen. Den gelungenen Ausbau des Wehle-Hofes und der Apfelscheune möchte Christoph Schuster am 27. Oktober mit einem Apfelfest feiern. Ab 12 Uhr gibt es einen Markt mit regionalen Lebensmitteln, einer Apfelausstellung, Apfelbestimmung sowie einer Andacht mit der Kirchgemeinde Gröditz und einem Kinderprogramm.

Die Lohnmosterei erfolgt noch bis zum 13. Oktober nach telefonischer Vereinbarung unter Telefon: 0163 5732153. Weitere Informationen unter:

www.apfelscheune-cannewitz.de