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Autoverkäufe stehen still

Die Zulassungszahlen für Pkws sinken. Die Autohäuser setzen kaum noch Fahrzeuge ab. Doch einige Bestellungen und das zweite Standbein machen Hoffnung.

Olaf Streit verkauft Autos in Heidenau. Seit dieser Woche hofft er, wie alle anderen, dass das Geschäft langsam wieder anzieht.
Olaf Streit verkauft Autos in Heidenau. Seit dieser Woche hofft er, wie alle anderen, dass das Geschäft langsam wieder anzieht. © Daniel Schäfer

Haben Sie in letzter Zeit darüber nachgedacht, sich ein neues Auto zu kaufen? Wohl eher nicht. Und selbst wenn, ist es gerade schwierig, Angebote zu sichten, und es ist im Prinzip unmöglich, Probefahrten zu machen. Zudem sind viele von uns unsicher, wie sich die private finanzielle Situation in den nächsten Monaten entwickelt. Also werden große Investitionen wie ein Autokauf erst einmal verschoben. Das zeigt sich an den Zulassungszahlen und die Autohäuser merken es noch deutlicher am Nicht-Verkauf von Autos.

"Eigentlich ist das Frühjahr Autokauf-Jahreszeit", sagt Olaf Streit vom gleichnamigen Autohaus in Heidenau. Doch weil wegen Corona dieses Jahr alles anders ist, verkauft auch er derzeit kaum Autos. Die Leute seien nicht nur was den Kauf betrifft, sehr zurückhaltend, sondern es gäbe überhaupt kaum Interesse, sich mit einem Autokauf zu beschäftigen. "Vermutlich", so sagt er, "halten die meisten aufgrund der finanziellen Unsicherheit ihr Geld lieber zusammen. Dafür stehen die Reifenwechsler Schlange." Und das seien, so weiß er, vor allem die Älteren.

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Weniger Zulassungen, aber mehr als im Bundestrend

Eine Nachfrage beim Landratsamt bestätigt, was die Autohausbetreiber spüren. Die Zulassungszahlen sind im ersten Quartal 2020 im Vergleich zu 2019 zurückgegangen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind in diesem Zeitraum 1.945 Pkw als Neufahrzeug zugelassen worden, heißt es aus der zuständigen Behörde. 814 davon waren Neuzulassungen auf Privatpersonen. Im gleichen Quartal des Jahres 2019 waren es noch 2.061 Pkw-Neuzulassungen, davon 880 auf Privatpersonen. 

Das ist ein Rückgang um 5,6 Prozent. Und der April ist in dieser Statistik noch gar nicht enthalten. In diesem Monat dürfte das Minus wesentlich stärker ausfallen. Im Vergleich zum Bundestrend sind die Rückgänge noch moderat. Nach den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes gab es im März 37,7 Prozent weniger Neuzulassungen als 2019.  

"Wir haben in den letzten Wochen kein einziges Auto verkauft", sagt Ulrich Büttner. Was dramatisch klingt, bringt den Betreiber des Citroen-Autohauses in Freital-Kleinnaundorf noch nicht aus der Ruhe. "Ich gehe davon aus, dass viele ihren Kauf erst einmal nur verschieben", sagt er. Dennoch sei ihm klar, dass manche Menschen aufgrund geringerer eigener Einnahmen auch ganz auf eine Neuanschaffung verzichten müssten. "Die Verunsicherung ist schon spürbar." Es gehen bei ihm aber auch schon Bestellungen für die Zeit nach Corona ein. "Gerade hat ein Handwerker bei mir einen Transporter geordert." Diesem Kunden werde er ein Angebot machen können.

So einfach ist es nämlich im Moment gar nicht, das passende Fahrzeug zu liefern. "Unsere Fahrzeuge kommen ja aus Frankreich, da ist derzeit fast gar nichts möglich." Dennoch habe er natürlich Autos dastehen, die er den Kunden anbieten kann. Und die Liefersituation wird sich auch wieder ändern.   

Die Werkstatt läuft

Ein weiterer Punkt, der Autohausbesitzer durch die Krise bringt, ist die eigene Werkstatt. Auch Ulrich Büttner setzt momentan vor allem auf dieses Standbein. "Die Werkstatt läuft", sagt er. Es ergebe sich allerdings wegen der Corona-Bestimmungen ein etwas höherer Organisationsaufwand bei der Terminvergabe. "Wir entzerren das so, dass die Kunden nicht gleichzeitig bei uns stehen." Das sei vor allem jetzt in der Reifenwechsel-Saison schwierig, weil alle auf einmal ihre Sommerräder brauchen. "Aber das ist alles machbar und die Leute haben Verständnis dafür", so Büttner.

Ähnlich ergeht es Henry Siebeneicher, der zwei Autohäuser im Gewerbegebiet Dippoldiswalde-Reinholdshain und in Altenberg betreibt. Er hofft, dass das Geschäft mit dem Autoverkauf nun wieder in Gang kommt. „Wir durften ja seit 17. März nicht mehr vor Ort verkaufen“, sagt er. Online-Verkauf oder Akquise per Telefon war zwar noch möglich. „Aber das hat nichts gebracht“, sagt der Unternehmer. Diese Einschränkungen haben ihn geschätzte 50 bis 60 Prozent des Frühjahrsgeschäfts gekostet. Und in dieser Jahreszeit macht er sonst den meisten Umsatz im Jahr.  

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Maik Herwig, Besitzer des Autohauses Schulze GmbH an der Wehlener Straße in Pirna stimmt seinem Kollegen zu. "Wir haben in den vergangenen vier Wochen so viele Autos verkauft, wie normalerweise in einer Woche", teilt der Inhaber mit. Konkrete Zahlen möchte er nicht nennen. Und wie das Minus kompensiert werden soll, könne er so wie seine Leidensgenossen aus der Branche derzeit nicht sagen. (mit hei, sab, fh)

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