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Lecker Mohnstollen das ganze Jahr

Wie ein Horkaer Bäcker die Tradition aushebelt und viele Fans findet. Und was das mit Pfannkuchen zu tun hat.

Schlesischen Mohnstollen gibt's in der Horkaer Bäckerei Hübner nicht nur zu Weihnachten, sondern in der Dose das ganze Jahr.
Schlesischen Mohnstollen gibt's in der Horkaer Bäckerei Hübner nicht nur zu Weihnachten, sondern in der Dose das ganze Jahr. © André Schulze

In der Bäckerinnung ist man erstaunt über den großen Einfallsreichtum des Kollegen. "Ich bin eher ein traditioneller Bäcker", meint Michael Bachmann, stellvertretender Innungschef aus Eibau. Wer wolle schon das ganze Jahr lang Stollen essen. Deshalb: "Ich finde das ein bisschen albern." Und: "Mohnstollen in der Dose - das geht doch nicht."

Das Bild auf der Dose sieht verlockend aus, der Inhalt ist in dieser Jahreszeit eher ungewöhnlich. "Schlesischer Mohnstollen" steht auf der Büchse drauf, dazu weist das Foto eines Prachtexemplars eindrucksvoll darauf hin, welche Köstlichkeit sich unter dem Blech verbirgt.

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Die Deckel auf beiden Seiten öffnen, hat Armin Hübner auf die Büchsen schreiben lassen. Und tatsächlich - ganz leicht lässt sich der Mohnstollen aus seinem runden Gefängnis befreien. Da ist er: Zehn Zentimeter im Durchmesser und reichlich elf Zentimeter hoch. Ein erster Schnitt zeigt, was in ihm steckt. Die Kreation des Horkaer Bäckermeisters ist feucht, nicht trocken - wie ein guter Mohnstollen eben sein soll. Mit viel Mohn und Rosinen, mit Zitronat, Orangeat und etwas Mandel. Ein Happs lässt den Gaumen jubeln. Doch: Ist denn schon Weihnachten? Um diese Zeit?

Mohnstollen in der Dose geht weg wie warme Semmeln

Hübner lächelt, wenn er auf die Entstehung der Idee angesprochen wird. "Ich bin Mohnstollen-Fan. Und ich mag ihn nicht nur rund um den Jahreswechsel, sondern auch im Frühjahr, im Sommer und im Herbst. Und was mir schmeckt, dachte ich, wird ganz gewiss auch anderen schmecken." Damit lag der Horkaer vollkommen richtig, denn seit er vor rund zwei Jahren erstmals "Schlesischen Mohnstollen" in der Dose angeboten hat, geht dieser weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Wie viele und wohin - das ist Betriebsgeheimnis. Allerdings lohne es sich, meint der Bäckermeister.

Längst gibt es so viele Anfragen, dass sie der Handwerksbetrieb gar nicht immer sofort erfüllen kann. Vor allem in der warmen Jahreszeit steigt das Interesse. "Die Leute haben einfach Sehnsucht nach diesem guten Geschmack." Den zu kreieren, jedoch eine Menge Arbeit bedeutet. Wie er entsteht, will Armin Hübner nicht verraten. Nur soviel: "Wir backen den Mohnstollen fix und fertig und füllen ihn erst dann in die Dose. Der Kunde braucht sich's nach dem Öffnen nur noch gut gehen zu lassen."

Seit einiger Zeit setzt Bäcker Armin Hübner auf regionale Kooperationen. Ur-Getreidesorten wie den Champagnerroggen lässt er in der Oberlausitz anbauen. Seit diesem Jahr auch den Mohn für seinen Mohnstollen.
Seit einiger Zeit setzt Bäcker Armin Hübner auf regionale Kooperationen. Ur-Getreidesorten wie den Champagnerroggen lässt er in der Oberlausitz anbauen. Seit diesem Jahr auch den Mohn für seinen Mohnstollen. © Archivfoto: André Schulze

Inzwischen denkt der Horkaer verstärkt auch über die Inhaltsstoffe nach. Schon seit ein paar Jahren greift er für Brot und Brötchen auf Ur-Getreidesorten wie Champagner- und Waldstaudenroggen zurück, die er in seinem Auftrag auf Feldern bei Nieder Seifersdorf, Dreikretscham und in der Nähe von Bautzen anbauen lässt. "Ich finde es gut, wenn wir regionale Wirtschaftskreisläufe stärken. Das muss noch besser werden - da können wir viel vom 'Mia san mia' der Bayern lernen."

Mohn wird seit diesem Jahr in der Oberlausitz angebaut

So kümmert sich Hübner auch um die Mohnproduktion. Normalerweise kommen die winzigen schwarzen Körner aus Frankreich und Tschechien. "Die Zeiten sind unsicherer geworden und die Corona-Krise zeigt, dass wir gut beraten sind, unsere Zutaten nicht aus Timbuktu zu holen." Das sei zwar übertrieben, lächelt er. Aber trotzdem: "Ich will vermeiden, dass ich irgendwann 'auf dem Trockenen' sitze." Deshalb wird sein Mohn seit diesem Jahr - zuerst probeweise - auf vier Hektar ebenfalls in der Oberlausitz angebaut. Mit viel Schreibkram und Genehmigungen im Vorfeld. Hübner nennt nur ein Wort als Grund für die Sorgfalt der Behörden: Opium.

Liebhaber gibt's inzwischen in ganz Deutschland

Für Innungsobermeister Gottfried Paul ist Armin Hübners Idee "eine verrückte Sache". Doch jeder habe heute die Freiheit, das zu tun, was er für richtig empfindet. "Wenn es die Leute wollen, gibt es ja vielleicht doch einen Markt dafür." Für ihn selbst komme so etwas nicht infrage. Bei ihm bekämen die Kunden außerhalb der Weihnachtszeit Mohnkuchen. "Aber", gibt Paul dann noch zu bedenken, "das ist wie mit den Pfannkuchen. Früher gab's die nur in der Faschingszeit. Heute werden sie von manchen Kollegen das ganze Jahr gebacken." Und in den Großmärkten finden sich jetzt sogar die ersten Christstollen in den Regalen.

Armin Hübner lässt sich nicht beirren. "Ich denke, die Zahl der Mohnstollen-Liebhaber steigt." Der Erfolg gibt ihm recht. Längst gibt's das leckere Backwerk nicht mehr nur in seinen Läden, sondern wird an Kunden in ganz Deutschland verschickt.

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