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Bahnhof Leisnig hat neue Besitzer

Der Notarvertrag ist unterschrieben. Am 1. August beginnt ein neues Kapitel des mehr als 150-jährigen Geschichte des Bahnhofsgebäudes.

Christoph Schönbeck, Kathryn Döhner, Ofer Löwinger und Alireza Rismanchian (von links) haben den Leisniger Bahnhof gekauft. Darauf stoßen sie an. Foto: privat
Christoph Schönbeck, Kathryn Döhner, Ofer Löwinger und Alireza Rismanchian (von links) haben den Leisniger Bahnhof gekauft. Darauf stoßen sie an. Foto: privat © privat

Leisnig. Sie haben es tatsächlich getan. Geigenlehrerin Kathryn Döhner hat zusammen mit drei Freunden, allesamt Musiker, den Bahnhof in Leisnig gekauft. Gehen ihre Pläne auf, dann kann der Verfall des denkmalgeschützten Gebäudes gestoppt, es zumindest teilweise wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 

„Der Notarvertrag ist unterschrieben“, sagt Kathryn Döhner. Die Freude darüber ist der Pädagogin aus Tübingen/Baden-Württemberg anzumerken. Sie und ihre Mitstreiter wollen gar keine Zeit verlieren, sondern sich in die Arbeit stürzen. Die gibt es in Leisnig ohne Frage genug. 

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"Wir haben für den 1. August Freunde und Familien zu einem Einsatz in den Bahnhof nach Leisnig eingeladen“, erzählt die Tübingenerin. Dass sie irgendwann einmal Sächsin wird, das hat sie den Leisniger Stadträten Anfang des Monats schon angekündigt. In einer Sitzung des Technischen Ausschusses stellten sie und ihre Projektpartner vor, was sie mit dem Bahnhofsgebäude vorhaben. Hätten sie an diesem Abend Ablehnung und Skepsis zu spüren bekommen, wäre ihre Wahl wahrscheinlich auf eine andere Immobilie in Deutschland und nicht auf Leisnig gefallen.

Tourist-Info und Imbiss geplant

 „Wir brauchen die Unterstützung der Kommune und der Menschen hier“, hatte Kathryn Döhner frei heraus gesagt.Die Unterstützung der Räte ist den neuen Bahnhofsbesitzern sicher. Zumal sich die Interessen beider Seiten in einigen Punkten decken. 

Bürgermeister Tobias Goth (CDU) würde sich wünschen, dass die Bahnhofshalle – also die kurze Verbindung zwischen dem Vorplatz und der Zugang zu den Gleisen – von den Bahnreisenden wieder nutzbar ist. Ein besonderer Hingucker sind dort Decken- und Wandverkleidungen aus Holz, die vermutlich noch aus der Zeit des Baus der Bahntrasse und des Bahnhofsgebäudes vor 150 Jahren stammen. Diese Öffnung können sich Kathryn Döhner und ihre Projektpartner gut vorstellen.

Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in Leisnig hat am Freitag den Besitzer gewechselt.
Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in Leisnig hat am Freitag den Besitzer gewechselt. © Dietmar Thomas

Außerdem kündigten sie an, eine Ecke für eine Art Stadt- oder Tourist-Information einräumen und anfangs auch einen Imbiss einrichten zu wollen. Beides käme, so findet Stadträtin Elgine Tur de la Cruz (Die Linke) denjenigen Besuchern der Stadt zugute, die mit der Bahn anreisen, aber auch auf dem Muldentalradweg unterwegs sind.

Wohnen gegen Vandalismus

Ab dem 1. August soll permanent etwas in Leisnig passieren. Das ist weiterhin Ziel der neuen Besitzer. Sie wollen die ersten Räume so herrichten, dass sie dort tageweise, später auch dauerhaft in dem Gebäude wohnen können. Damit hoffen sie und die Leisniger ebenfalls, dass der Dauer-Vandalismus an dieser Stelle aufhört.

Weiterhin wollen alle vier Musikunterricht geben und verschiedene Musikprojekte auf die Beine stellen. Vorbild ist das mehrfach prämierte Festival „Folklang“, das Kathryn Döhner in Tübingen geleitet hat und bei dem sich alle vier kennengelernt haben. Beruflich geht jeder seinen eigene Wege. Alireza Rismanchian zum Beispiel ist Architekt, arbeitet seit dem Frühjahr selbstständig.

Die Bahnhofshalle hinter diesen drei großen Türen soll wieder zugänglich gemacht werden.
Die Bahnhofshalle hinter diesen drei großen Türen soll wieder zugänglich gemacht werden. © Dietmar Thomas
An der Decke der Halle befinden sich noch interessante Holzverkleidungen. 
An der Decke der Halle befinden sich noch interessante Holzverkleidungen.  © Archiv/Dietmar Thomas
Erwin Feurer, bisheriger Besitzer des Bahnhofsgebäudes, musste häufig Schäden von Vandalismus beseitigen. 
Erwin Feurer, bisheriger Besitzer des Bahnhofsgebäudes, musste häufig Schäden von Vandalismus beseitigen.  © Archiv/André Braun

Die Liebe zur Musik ist etwas, das alle verbindet. Deshalb soll es auch in Leisnig – ähnlich den Angeboten in Tübingen – Workshops für Musiker aus aller Herren Länder und vielleicht auch mehrtägige Musikveranstaltungen geben. 

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„Wir wissen, es wird ein langer Weg. Aber wir haben Lust und Energie, hier Kraft und Zeit zu investieren“, so Kathryn Döhner.Wer das unterstützen oder sich selbst mit einer Kultur- oder Geschäftsidee einbringen möchte, der ist im „Kulturbahnhof Leisnig“ willkommen. Für September, günstigstenfalls zum Tag des offenen Denkmals, bereiten die neuen Eigentümer eine Vorstellung ihrer Vorhaben vor. „Wir würden uns über viele Interessierte freuen“, sagt Kathryn Döhner.

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