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Dresden

Ballchef verteidigt Orden an al-Sisi

Die Kritik an der Ehrung des ägyptischen Machthabers ist groß. Nun bezieht Hans-Joachim Frey Stellung - während schon der nächste Preisträger für Irritation sorgt.

Ballchef Hans-Joachim Frey muss sich derzeit viel Kritik anhören. Die Ehrung des ägyptischen Machthabers al-Sisi sorgt für Unverständnis.
Ballchef Hans-Joachim Frey muss sich derzeit viel Kritik anhören. Die Ehrung des ägyptischen Machthabers al-Sisi sorgt für Unverständnis. © kairospress

Der St. Georgs Orden an Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi ist übergeben, doch die scharfe Kritik daran hält an. Gerade zurück aus Kairo, wo er dem Machthaber die Ehrung aus Dresden höchstpersönlich überbracht hat, musste sich Ballchef Hans-Joachim Frey am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz dazu erklären.

„Wir sind keine politische Veranstaltung, wir sprechen die Sprache der Kultur“, sagte er. Über 70 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Sport, Kultur und Politik seien auf dem Semperopernball schon ausgezeichnet worden. „Da kann es auch mal passieren, dass einer davon Kontroversen auslöst.“ Er wisse um die Schwierigkeiten, die Regimekritiker und Journalisten in Ägypten haben. Aber er setze auf die Chance, über die Kultur Brücken zu bauen, verteidigte er seine Entscheidung.

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Dennoch beteuert Frey: „Der Opernball wird mit der Preisverleihung an Al-Sisi nicht in Berührung kommen.“ In einer früheren Pressekonferenz hatte Frey angekündigt, die Ordensübergabe „an einen der bedeutendsten Präsidenten dieser Welt“ werde am 7. Februar im Rahmen der Gala per Video eingespielt. Den Namen hielt er zu dem Zeitpunkt noch geheim.

Im Fahrwasser Trumps

Doch für Irritationen sorgt nun auch ein zweiter, am Montag von Frey bekanntgegebener Preisträger. Der St.-Georgs-Orden geht auch an Hans-Jürgen Naumann. Der überwiegend in den USA lebende Werkzeugmaschinenfabrikant hat verschiedene Firmen auch in Deutschland gegründet und investierte unter anderem in Chemnitz.

Dort übernahm er die Niles Drehmaschinen GmbH von der Treuhand. Für sein unternehmerisches Wirken wurde Hans-Jürgen Naumann vielfach ausgezeichnet, zum Beispiel 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2004 mit dem Sächsischen Verdienstorden. 

Auch Hans-Jürgen Naumann erhält den St.-Georgs-Orden.
Auch Hans-Jürgen Naumann erhält den St.-Georgs-Orden. © Robert Michael (Archiv)

In Kritik geriet Naumann jedoch, als er 2017 in einem Interview mit der Freien Presse dazu riet, Afroamerikaner zum Militärdienst zu schicken, um ihnen Disziplin beizubringen. Von sich aus würden sie sich keine Zwänge auferlegen und auch die Grundschule nicht abschließen. Zudem stimmte Naumann US-Präsident Donald Trump zu, dass die weiße Bevölkerung global zusammenstehen müsse, um der Übermacht der schwarzen gewachsen zu sein. 

Naumann wurde daraufhin Rassismus vorgeworfen. Vereine forderten seine Entfernung aus dem Hochschulrat der TU Chemnitz. Sachsens damalige Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) rügte Hans-Jürgen Naumann für seine Äußerungen mit „deutlich rassistischem Tenor“.

Ob Hilbert lässt Ball-Teilnahme offen

Kritik und Distanzierungen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Countdown vor dem Ball am 7. Februar. So hatten unter anderem Sachsens Justizministerin Katja Meier (Grüne) und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) die Preisvergabe gerügt. Auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) geht deutlich auf Abstand. „Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie diese Ehrung zustande gekommen ist und nach welchen Kriterien diese erfolgte“, sagte er. 

Über die Entscheidung sei er nicht informiert gewesen und fordere nun Erklärungen vom Ballverein. „Ich behalte mir vor, ob ich wie bisher offiziell im Programm auftreten werde und mit meinen Gästen am Ball teilnehme.“ Auch der Intendant der Semperoper, Peter Theiler, missbilligte ausdrücklich die Entscheidung des Semper Opernball e.V. und seines für den Semperopernball künstlerisch gesamtverantwortlichen Vorsitzenden, Hans-Joachim Frey, den ägyptischen Staatspräsidenten mit dem St. Georgs Orden zu ehren.“ 

Auch Theiler betonte, dass die Semperoper in die Planung des Balles nicht involviert sei. Als führende Kulturinstitution beziehe sie stets Stellung für Freiheit, Toleranz und Menschenrechte. Für die Zeit nach dem Event kündigt der Opernintendant Gespräche zu der Sache auch mit politischen Entscheidungsträgern des Freistaats Sachsen an.

In eigener Sache

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Ball-Chef Frey hat dem umstrittenen ägyptischen Staatschef Al-Sisi am Sonntag in Kairo den Orden überreicht. In Dresden wird derweil die Kritik lauter.

DDV-Mediengruppe distanziert sich von Semperopernball-Preisträger: Der künstlerische Leiter des Semperopernballs, Hans-Joachim Frey, hat am Sonntag den ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fatah Al-Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs ausgezeichnet.

Die DDV-Mediengruppe ist seit vielen Jahren offizieller Medienpartner des Dresdner Semperopernballs. Ziel dieses Engagements war und ist es, ein Dresdner Event mit nationaler Ausstrahlung für Sachsen aufzubauen und zu befördern. Umfang und Art dieses Engagements werden regelmäßig neu bewertet.

Die DDV-Mediengruppe hat keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des Balls.

Die DDV-Mediengruppe (u.a. Sächsische Zeitung, Morgenpost, sächsische.de, TAG24.de) distanziert sich ausdrücklich von der Entscheidung, den ägyptischen Staatspräsidenten Al-Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs auszuzeichnen. Missachtung von Menschenrechten einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung sind nicht vereinbar mit Haltung und Selbstverständnis von Verlag und Redaktionen in der DDV-Mediengruppe.

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