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Verzweifelte Suche nach einem besonderen Ring

In Kamenz oder Bautzen hat eine Mutter das letzte Andenken an ihre tödlich verunglückte Tochter verloren. Sie hofft sehr, dass sie es zurückbekommt.

Bei Helga Schönherr von der gleichnamigen Goldschmiedewerkstatt in Kamenz probierte Irina H. einen Ring - und verlor dabei einen anderen, der für sie sehr kostbar ist. Sie hofft sehr, dass sie ihn zurückbekommt.
Bei Helga Schönherr von der gleichnamigen Goldschmiedewerkstatt in Kamenz probierte Irina H. einen Ring - und verlor dabei einen anderen, der für sie sehr kostbar ist. Sie hofft sehr, dass sie ihn zurückbekommt. © René Plaul

Kamenz/Bautzen. Irina H. ist todtraurig. Im wahrsten Sinn des Wortes. Seitdem der Ring ihrer geliebten Tochter Ende Januar 2020 verschwand, ist nichts mehr, wie es war. Unglück reiht sich an Unglück. Und die 67-Jährige hadert mit dem Schicksal. Der Diamant-Ring war nicht nur äußerst kostbar, sondern ist auch ideell nicht so einfach zu ersetzen. Jedenfalls nicht für die Ex-Kamenzerin. "Er bedeutet mir so endlos viel,  weil er eine besondere Verbindung zu meiner tödlich verunglückten Tochter darstellt", erzählt sie. 20 lange Jahre ist deren Tod bereits her. Doch der Schmerz sitzt tief.

Genauso beschrieb sie es auch in einer große Annonce, die kürzlich in der Sächsischen Zeitung in Kamenz und Bautzen erschien. Die besondere Anzeige mit dem traurigen Hintergrund fiel vielen Lesern  auf. Irina H., die seit Kurzem bei ihren Söhnen in Baden-Württemberg lebt, wusste sich einfach keinen anderen Rat mehr. "Ich hatte es zwar schon gleich, nachdem ich den Ring verloren hatte, einmal auf diesem Weg versucht, aber damals meldete sich niemand", erzählt sie. 

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Seniorin stellt Finderlohn in Aussicht

Die erneute Annonce in der SZ sollte helfen. Bislang gibt es jedoch abermals keinen noch so kleinen Lichtblick. Auch deshalb erzählt die Seniorin ihre traurige Geschichte noch einmal in der Zeitung. Sie möchte kein Mitleid, aber den Ring zurück, der ihr so unsagbar wichtig ist. "Vielleicht liest ja jemand diese Zeilen und hat wirklich im Januar den Ring mitgenommen und arglos eingesteckt, als er ihn gefunden hat", sagt sie. Ihm drohe kein Ärger. Im Gegenteil: "Ich bin bereit, einen Finderlohn zu zahlen", so Irina H. Hauptsache, das Erinnerungsstück kommt zu ihr zurück. Die Rückgabe dürfe auch gern anonym erfolgen.

Der Ring half bei der Trauerbewältigung

Sieben Monate nach dem Verlust probiert sie es deswegen also noch einmal. Auch wenn die Hoffnung klein ist. "Ich konnte über den Ring immer irgendwie mental mit meiner geliebten Tochter kommunizieren. Nun ist es, als ob mir jemand diesen Draht gekappt hat. Es ist alles weg", sagt sie unglücklich. Was für manch einen eigenartig klingen mag, ist für die Rentnerin Realität. Als ihre Tochter vor 20 Jahren bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam, war sie gerade 24 Jahre alt. "So ein Schmerz hört nie auf", sagt die Mutter leise. Auch wenn man noch andere Kinder hat."

Kamenz und Bautzen kommen in Frage

Die beiden Söhne holten die Eltern Anfang Februar  zu sich, um sich besser um die Mutter und den kranken Vater kümmern zu können. "Den Ring habe ich ausgerechnet einen Tag vor unserem Umzug verloren. Ich war noch einmal bei der Goldschmiede  Schönherr am Kamenzer Markt. Als ich einen anderen Ring anprobierte, muss ich ihn in meine Tasche gesteckt haben. Ich kann es leider nicht mehr ganz nachvollziehen", so  Irina H. Zu aufgeregt war sie an diesem Tag vor dem Umzug.

Erst viel später bemerkte sie den Verlust. Da war sie mit ihrem Ehemann bereits zum Auto vor dem Kamenzer Rathaus gelaufen und anschließend bis nach Bautzen zur Volksbank gefahren. "Entweder ging der Ring schon in Kamenz oder aber dort auf dem Weg vom Auto bis zur Bank verloren. Wir hatten es rechts vor der Hauptpost geparkt", erzählt sie.

Goldschmiede Schönherr ist Ansprechpartner vor Ort

Mehrfach habe sie im Januar alles abgesucht, sei wieder und wieder die Wege abgelaufen. Ohne Erfolg. Auch die Nachfragen in der Goldschmiede halfen nichts. "Frau Schönherr hat den kompletten Laden auf den Kopf gestellt", erzählt sie dankbar. Deshalb fungiert Helga Schönherr nun auch als Ansprechpartnerin vor Ort in Kamenz. Der Finder oder jemand, der irgend etwas mit der Sache zu tun hat, etwas gesehen oder gehört hat,  kann sich hier melden.

"Ich weiß sehr gut, wie der Ring aussah. Würde ihn also wiedererkennen", sagt Helga Schönherr. Sie möchte Irina H. helfen. Das sei selbstverständlich. Auch wenn sie die Hoffnung auf Erfolg eher gering einschätzt. "Wer die Geschichte dahinter kennt, kann jedoch nachvollziehen, warum in der Angelegenheit solche Anstrengungen unternommen werden", sagt die Goldschmiedin. 

Vielleicht im Pfandleihhaus gelandet?

Irina H. ist mittlerweile ebenfalls schwer erkrankt - und musste einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. Ihr an Krebs erkrankter Mann verstarb kürzlich in der neuen Heimat. "Wir waren ja extra zu den Kindern gezogen, weil wir Pflege benötigen", sagt sie. Nun ist sie allein. Und sehnt sich umso mehr nach Trost. 

"Nun ist auch noch der  Vater meiner Tochter, mein lieber Ehemann, verstorben. Ich verzweifle an meinem Kummer und meiner Hilflosigkeit", schrieb sie in der Annonce, die vor zwei Wochen in der SZ erschien. Auch Fundbüros, Polizeistellen, Pfandleihhäuser und Antiquitätenhändler bittet sie auf diesem Weg um Mithilfe. Vielleicht sei der Ring auf Umwegen zu ihnen gekommen. Das Schmuckstück ist oval mit Diamanten im Baguetteschliff besetzt. "Es war damals ein Geschenk von uns an unsere Tochter", so Irina H.

Ansprechpartner in der Angelegenheit ist die Goldschmiede Schönherr in Kamenz, Telefon 03578 304202. 

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