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Betrug in der eigenen Familie

Der Freund der Enkelin hebt heimlich Geld vom Konto der Großmutter ab, um Schulden zu begleichen. Nun muss sich der Freitaler vor Gericht verantworten.

Ein Freitaler musste sich jetzt vor dem Dippser Amtsgericht verantworten.
Ein Freitaler musste sich jetzt vor dem Dippser Amtsgericht verantworten. © Sebastian Schultz

Von Anne Schicht

Als ihre Enkelin und deren Freund vor ihr sitzen und sie um Geld bitten, muss sie nicht lange überlegen. Die 90-Jährige hat ein inniges Verhältnis zur Enkeltochter, die hilft ihr beim Baden und erledigt einiges. Auch ihr Freund ist hilfsbereit und freundlich. Doch der Blick auf die Kontoauszüge macht die Großmutter ratlos. Eigentlich sollten dort über 20.000 Euro verzeichnet sein, aber nur 2.000 Euro sind da. Irritiert ruft sie ihre Tochter an, die stellt fest, dass in den letzten Monaten immer wieder Geld abgehoben worden ist. Die Abhebungen fanden immer dann statt, wenn die Seniorin zum Einkaufen unterwegs war. Die Geschädigte stellt deshalb Strafanzeige gegen unbekannt. Überwachungskameras an den Geldautomaten überführen den Täter. In neun Fällen war der Lebensgefährte der Enkelin zu erkennen. Insgesamt 3.600 Euro der verschwundenen 20.000 Euro sind ihm dadurch eindeutig zuordenbar.

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Am Donnerstag musste sich der 41-Jährige dafür vor dem Amtsgericht in Dippoldiswalde verantworten. Er gestand vollumfänglich: „Ich habe große Scheiße gebaut. Ich bereue das zutiefst. Ich hab damals keinen Lohn für meine Arbeit bekommen. Ich hätte es aber soweit nicht kommen lassen dürfen“, sagt er aus. Die EC-Karte lag in einer Schublade, die PIN dazu stand aufgeschrieben auf einem Zettel im der Brieftasche der 90-Jährigen. Da er und seine Freundin einen Wohnungsschlüssel besaßen, habe er die EC-Karte sich immer dann geholt, wenn die Großmutter einkaufen war. Er habe seine Mietschulden bezahlen müssen, einmal saßen er und seine Freundin schon vor verschlossener Wohnung. Die Zwangsräumung hätte er nur verhindern können, weil er den Geldbetrag gezahlt hätte - von über 7.000 Euro ist die Rede. Seiner Freundin habe er nie was gesagt, zwar sei auch sie berufstätig, aber er wollte das allein lösen.  

Falsche Versprechungen gemacht

Richterin Daniela Höllrich-Wirth fragte den Angeklagten, ob er bereits angefangen habe, den Schuldenberg abzutragen. Das verneinte der Mann. Er habe die Großmutter seitdem nicht mehr gesehen. Als die Verhandlung durch eine Pause unterbrochen wurde, holte der Freitaler 1.000 Euro von einem Geldautomaten und übergab die Summe der Tante. Diese nahm die Entschuldigung und das Geld zwar an, bemerkte aber: „Immer wieder hast du gesagt, du wirst uns das Geld zurück überweisen, nie ist etwas gekommen. Es müssen den Worten nun auch Taten folgen.“ Insgesamt sollen 20.000 Euro von ihm abgehoben worden sein. Weil er die Familie über zwei Jahre nur mit leeren Versprechungen hingehalten habe, hat diese nun ein zivilrechtliches Verfahren angestrengt.

Unter Tränen sagte die Angeklagte, die Oma seiner Freundin sei ihr ein und alles. Seit dem Vorfall sei das Verhältnis zu ihrer Oma belastet. Sie habe von alledem nichts gewusst, lange hätte ihr Freund nichts erklärt. Er sei in schwierigen Verhältnissen groß geworden. Jetzt aber habe er eine Arbeit, für die er auch entlohnt werde. Sein Chef sei mit ihm zufrieden.  

Der Staatsanwalt honoriert, dass der Deutsche geständig und frei von Vorstrafen ist. Andererseits hätte er das Vertrauen der Großmutter missbraucht, die Familienbeziehungen seien dadurch nachhaltig gestört. Und auch wenn man in schwierigen Verhältnissen groß geworden sei, so ist man doch für seine Taten verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft plädiert für zehn Monate Freiheitsentzug zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt. Außerdem soll der Freitaler die restlichen ihm nachweisbaren 2.600 Euro zurückzahlen und sich wegen seiner Schulden beraten lassen. Die Richterin folgte dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft und stellt dem Angeklagten einen Bewährungshelfer zur Seite. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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