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Pool-Streit: So reagiert die Kleingärtnerin

Keine Corona-Ausnahme für Dresdner Kleingärtner: Nach tagelanger Debatte um ein übergroßes Badebecken steht dessen Schicksal nun fest.

Kleingärtnerin Carolin wollte eine Diskussion über Kleingartenregeln in Corona-Zeiten anstoßen.
Kleingärtnerin Carolin wollte eine Diskussion über Kleingartenregeln in Corona-Zeiten anstoßen. ©  Foto: Sven Ellger

Dresden. Planschen oder nicht Planschen - das war in den vergangenen Tagen die große Frage für eine Dresdner Kleingärtnerin. Beim Discounter hatte sie sich spontan einen Pool gekauft und ihn in ihrer Parzelle in der Kleingartenanlage "Coschützer Hang" aufgebaut. Rund sieben Kubikmeter fasst das blau umrandete Bassin. Ihre beiden Töchter freute der Badespaß - die Gartennachbarn und den Vereinsvorstand jedoch weitaus weniger.

Bald wurde Carolin per E-Mail ultimativ aufgefordert, den Pool wieder zu beseitigen, den sie zu allem Überfluss vorher nicht genehmigen lassen hatte. So einfach wollte sich die 35-Jährige aber nicht geschlagen geben. Sie klagte ihr Leid zunächst auf Facebook und stieß dort eine emotional geführte Diskussion an. Dann schrieb sie sogar an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). 

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Sie wollte erwirken, dass wenigstens in der Corona-Saison Ausnahmeregeln für die Dresdner Kleingärtner gelten, von denen viele ihre Urlaubsreisen absagen mussten. 

Frostige Einladung vom Vorstand

Der zuständige Kleingartenverband "Dresdner Gartenfreunde" positionierte sich jedoch deutlich und verwies auf die gültigen Regelungen in der Rahmenkleingartenordnung des Landesverbandes Sachsen. Dass die Dresdner Rahmenordnung die maximale Größe von Pools weniger strikt bemisst, spielte dabei keine Rolle.

Ähnlich formulierte es auch das Dresdner Umweltamt, das ihren Brief an den Oberbürgermeister am Montag beantwortete. Zusammenfassung: Gesetz ist Gesetz.

Carolin suchte zuletzt nochmals das Gespräch mit ihren Vereinschefs und bat darum, in der nächsten Sitzung im Vereinsheim vorsprechen zu dürfen. In der frostigen Einladung betonte der Vorstand daraufhin, man habe selbst "dringenden Gesprächsbedarf" und weitere Gäste seien nicht erlaubt.

Keiner der Beteiligten dürfte sich besonders auf den Termin am vergangenen Samstagvormittag gefreut haben. Entsprechend aufgeladen sie die Atmosphäre gewesen, sagt die Kleingärtnerin. "Ich hatte selbst einen Puls von 200, weil ich ja wusste, dass ich auf mich allein gestellt war." Zudem hatte sie keine faktischen Argumente auf ihrer Seite und durfte nur auf Kulanz oder eine kleingärtnerische Revolution hoffen.

Nachdem sich die Diskussion eine Stunde lang im Kreis gedreht habe, sagte Carolin schließlich zu, den Pool innerhalb von einer Woche abzubauen. "Inzwischen stinkt das Wasser sowieso, weil ich mich nicht mehr darum gekümmert habe", sagt sie. Die Angst ihrer Gesprächspartner, die gesamte Anlage könne sonst womöglich die Gemeinnützigkeit verlieren, habe sie zu diesem Schritt bewogen. Das Becken soll jetzt im Garten ihres Vaters in Nordrhein-Westfalen seinen neuen Platz bekommen.

"Jedes Klischee erfüllt"

Per Aushang will Carolin nun zunächst ihre Gartennachbarn einladen, sich mit der Kanne Gießwasser für ihre Beete abzuholen. Doch auch wenn sie in diesem Fall zurückstecke, so tue sie das nur widerwillig. "Für mich hat diese Geschichte all das bestätigt, was man über einen Kleingartenverein denkt", sagt sie. "Hier wurde jedes Klischee erfüllt."

Sie sei sich sicher, dass sie mithilfe eines Anwalts Recht bekommen hätte. Aber wer will schon vor Gericht um ein Planschbecken kämpfen?

Vereinschef Wilfried Schumann ist unterdessen beruhigt und erfreut über die Einsicht der Pächterin. "Es gibt nun mal Regeln und die müssen beachtet werden", sagt er. "Das ist der springende Punkt. Ob diese Regeln heute noch zeitgemäß sind, ist eine ganz andere Frage." Darüber müsse jedoch an anderer Stelle entschieden werden.

Schumann habe die von der Pächterin angefachte Debatte daher auch nicht persönlich genommen, hätte sie aber dennoch gern vermieden. Letztlich hätten alle an Erfahrung im Umgang mit solchen Konflikten gewonnen, sagt er. 

Kleingärtnerin Carolin kostet ihrer Erfahrung nun noch 50 Euro Ordnungsgeld. Ihr Sommer im Garten ist gelaufen, sagt sie, aber wenigstens könne nun die Wut der Gärtner wieder abkühlen.

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