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Kamenz: Drei Millionen Euro für die Bibliothek

Schon seit 70 Jahren klagen Bibliothekare in der Stadt über Platzmangel. Jetzt gibt es eine Lösung - und bald viel Raum für neue Ideen.

Marion Kutter ist die Leiterin der Kamenzer Lessing-Bibliothek. Die bekommt künftig deutlich mehr Raum.
Marion Kutter ist die Leiterin der Kamenzer Lessing-Bibliothek. Die bekommt künftig deutlich mehr Raum. © Matthias Schumann

Kamenz. Es ist eng zwischen den Bücherregalen in der Kamenzer Lessingbibliothek. Vor allem, wenn sich zwei Leser begegnen. Über den Platzmangel klagen Kamenzer Bibliothekare schon seit den 1950er-Jahren, erklärt Marion Kutter, die Leiterin der Bibliothek. Noch zu DDR-Zeiten war ein Neubau auf dem Areal des heutigen Parkdecks am Lessingplatz im Gespräch. Die Pläne scheiterten am Geld. So wird seit fast 70 Jahren nach einer Lösung gesucht. Nun ist sie endlich in Sicht.

Nur einen Katzensprung vom Traditionshaus am Lessingplatz entfernt entsteht nicht nur ein neuer Schulcampus, sondern auch die neue Bibliothek der Stadt. Als klar gewesen sei, dass das Kamenzer Gymnasium mit  Um- und Neubau an die  Henselstraße zurückkehrt, sei auch diese Idee dagewesen, so Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Alle Beteiligten seien sich schnell einig gewesen, dass es der richtige Platz für die Bibliothek sei. Dafür greift die Stadt tief in die Tasche. Rund 3,2 Millionen Euro kostet das Ganze mit Ausstattung und Außenanlagen. Davon kommen immerhin 850.000 Euro aus der Stadtkasse, mehr als 2,3 Millionen Euro sind EU-Fördermittel.

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Mehr als doppelt so viel Platz

Marion Kutter: „Für Kamenz ist es ein großer Glücksfall, dass wir unsere Stadtbibliothek mit in den Neubau des Gymnasiums integrieren können.“ Am Ende haben beide etwas davon. Die Stadt bekomme attraktive Räume für die Bürger an einer belebten Straße und das Gymnasium eine exquisite Schulbibliothek.

Derzeit muss die Stadtbibliothek mit nur 350 Quadratmetern leben. Rollstuhlfahrer kommen gar nicht zwischen die Regalreihen. Schüler sitzen bei Veranstaltungen dichtgedrängt wie die Heringe. Erschwerend kommt die räumliche Trennung zum Bereich der Kinderliteratur im Untergeschoss dazu. Auf knapp 900 Quadratmetern wird künftig mehr als doppelt soviel Raum zur Verfügung stehen. Nicht nur, um die Regale etwas großzügiger zu stellen. Da ist noch viel mehr Raum für Ideen.

Immerhin hat die Kamenzer Bibliothek rund 40.000 Besucher im Jahr - täglich etwa 100 Nutzer und bis zu 1.000 Entleihungen. So ist auch die Bedeutung des Hauses für die ganze Region um Kamenz groß, aus der viele Nutzer kommen: „Wir sind eine Familienbibliothek. Entgegen der demografischen Entwicklung sind nicht die Senioren, sondern die bis zu 30-Jährigen unsere Hauptnutzer“, sagt Marion Kutter.

Separater Eingang von der Oststraße

Der Bibliotheksausweis ist dabei zu einer Universaleintrittskarte geworden. Die führt nicht nur in gewohnte Bücherwelten und zu anderen Medien in den Regalen. Sie ist zugleich der Schlüssel zu Online-Angeboten an Lese- und Hörbuchstoff, ebenso Nachschlagewerken für Schule, Beruf und Alltag sowie Datenbanken, die überall abrufbar sind. Natürlich auch in der Bibliothek selbst, in ruhiger Atmosphäre und mit fachkundiger Beratung: „Wir lotsen die Nutzer durch den Informationsdschungel, sind Begleiter für Bildung wie Freizeit“, sagt Marion Kutter. „Die Menschen suchen einen neutralen Ort, an dem sie arbeiten können, Gesprächspartner finden, Leute treffen.“

Das alles braucht Platz, der momentan noch sehr begrenzt ist. Aber das wird sich ändern. Die ersten Wände der künftigen Bibliotheksräume an der Oststraße stehen. Marion Kutter rollt einen Plan aus. Sie spricht gern von einer Eigentumswohnung der Stadt innerhalb des Gymnasiums-Komplexes - mit separatem Eingang von der Oststraße. Wohlfühlen wie in einer Wohnung sollen sich auch die Besucher. Die sehen im Foyer erstmal noch gar keine Bücher. Dort entsteht ein Begegnungsort mit Sitzgelegenheiten und einem riesigen Zeitungsregal, um gemütlich zu blättern. Den Kaffee bekommt man auch dazu. Daneben befindet sich der Kinderbuchbereich - wie eine Sonne gestaltet mit kleiner Bühne für Veranstaltungen.

Dieser Blick wird sich künftig von der Kamenzer Oststraße aus bieten: rechts der sanierte Altbau des Gymnasiums und im Erdgeschoss des Neubaus die Lessing-Bibliothek.
Dieser Blick wird sich künftig von der Kamenzer Oststraße aus bieten: rechts der sanierte Altbau des Gymnasiums und im Erdgeschoss des Neubaus die Lessing-Bibliothek. © pdw Architekten Ingenieure Kamenz

Die Bibliothek bietet Arbeitsinseln fürs ungestörte Studium. Dazu viele Sitzmöglichkeiten und Ruhezonen zum Schmökern oder Hören. Die Computerarbeitsplätze verdoppeln sich von vier auf acht. Ein Veranstaltungsbereich unter anderem für Seminare mit Schulklassen gehört ebenfalls zum Konzept. In die neue Bibliothek seien Ideen von vielen Seiten eingeflossen, von Architekten und natürlich von den Bibliotheksmitarbeitern. Marion Kutter : „Wir haben uns andere Einrichtungen angeschaut wie die Zentralbibliothek in Dresden und stark auf die Wünsche der Nutzer geachtet.“

1931 wurde das Lessing-Haus mit Museum und Bibliothek eröffnet.  Nein, sie verlasse den ehrwürdigen Bau keineswegs schweren Herzens, sagt Marion Kutter. Denn die Lage der neuen Bibliothek sei deutlich präsenter, näher an den Leuten. Das Museum bekomme damit Erweiterungsmöglichkeiten. Und die enge Beziehung  zum  Sohn der Stadt, dem Dichter Lessing, bleibe: „Wir wollen die Bibliothek im Januar 2022 eröffnen“, sagt Marion Kutter. Wunschtermin wäre der 22. Januar – Lessings Geburtstag.

Die Bodenplatte für die neue Kamenzer Bibliothek ist gelegt und erste Wände stehen auch bereits. Die Räume erhalten einen separaten Eingang von der Oststraße aus.
Die Bodenplatte für die neue Kamenzer Bibliothek ist gelegt und erste Wände stehen auch bereits. Die Räume erhalten einen separaten Eingang von der Oststraße aus. © Matthias Schumann

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