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Kamenz: Übernachten im Schaufenster

Kreative Idee gegen den Leerstand in der Altstadt: Aus einem ehemaligen Bioladen wird jetzt ein Hostel.

Hausbesitzer Enrico Schneider und City-Managerin Anne Hasselbach tüfteln gemeinsam an der Idee für ein Hostel an der Poststraße in Kamenz.
Hausbesitzer Enrico Schneider und City-Managerin Anne Hasselbach tüfteln gemeinsam an der Idee für ein Hostel an der Poststraße in Kamenz. © Matthias Schumann

Kamenz. Das wird eine richtig coole Angelegenheit! Noch braucht es etwas Fantasie, wenn man in dem Rohbau an der Kamenzer Poststraße steht. Doch ohne Fantasie wäre die Idee ja auch nicht entstanden: Aus dem ehemaligen Bioladen wird ein klitzekleines Hostel. Zwei Zimmer, zwei Bäder, ein schöner heller Gemeinschaftsraum plus Küche. Ein Ausgang zum Hinterhof. Dieser lockt idyllisch mit Blick auf alte Bäume...

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Zurzeit wird hier mächtig gewerkelt. Hausbesitzer Enrico Schneider ist deshalb öfter vor Ort. Eigentlich stammt der Ingenieur aus Lauta. Doch das alte Gemäuer in der Kamenzer Altstadt gehört schon seit 15 Jahren seiner Familie.

"Ich kam damals von einem Besuch einer Praxis und wollte noch etwas essen in der Stadt. Da spazierten wir an dem Haus vorbei, sahen das Verkaufsschild und haben uns sofort verliebt", erzählt er. Als Fachmann in der Baubranche liebt er Herausforderungen. Und auch diese spontane Entscheidung hat er nicht bereut.

Das Haus an der Poststraße wurde 1886 erbaut. Die uralten Kellergewölbe zeugen davon, dass hier aber schon vorher ein Gebäude stand. Das war wahrscheinlich 1842 dem letzten großen Stadtbrand zum Opfer gefallen. Im Hausflur hängen Kopien des alten Aufrisses aus dem 19. Jahrhundert. 

Name war schnell gefunden: "Zur alten Schneiderei"

"Unser neues Hostel wird auch nicht modern eingerichtet. In ein paar Tagen geht es auf den Trödelmarkt", erzählt Enrico Schneider. Dort soll schon einmal die künftige Ausstattung ausgesucht werden. Das übernimmt  seine Frau Katja, die den Blick dafür hat. „Unser Hostel wird ‚Zur alten Schneiderei‘ heißen. Nicht wegen unseres Familiennamens, aber früher hat hier im Haus eine Damenmaßschneiderei gearbeitet“, sagt Schneider. Ganz "zufällig" sammelt der Lautaer alte Nähmaschinen. Eigenartig, wie das Schicksal manchmal alles zusammenfügt...

Auf die Idee mit der individuellen Herberge in einem ehemaligen Ladengeschäft brachte ihn City-Managerin Anne Hasselbach. Ihr liegt am Herzen, dass die Altstadt nicht verwaist. "In der heutigen Zeit kann ich aber bei dem hohen Laden-Leerstand nicht mehr damit rechnen, dass es ständige neue Anfragen von Geschäftsleuten gibt, die neue Läden öffnen wollen", weiß sie. Auch der Bioladen schloss vor einem Jahr seine Pforten. Seitdem stand das Erdgeschoss leer. 

An der Poststraße in Kamenz wird ein ehemaliger Laden gerade zum Zwei-Zimmer-Hostel umgebaut - mit Gemeinschaftsküche und kleinem Innenhof.
An der Poststraße in Kamenz wird ein ehemaliger Laden gerade zum Zwei-Zimmer-Hostel umgebaut - mit Gemeinschaftsküche und kleinem Innenhof. © Matthias Schumann

Ideale Lage zwischen Bahnhof und Hutbergbühne

Aber die kahlen Schaufenster seien einfach traurig. Anne Hasselbach, die für alles Neue offen und ständig auf der Suche nach Alternativen ist, stieß bei ihrer Recherche auf die kleinen Hostels. "Kamenz ist keine Großstadt, aber der Bedarf an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten ist da. Vor allem in unserer Region, wo viele Geschäftsleute, Montagearbeiter, aber auch Kurzzeit-Touristen unterkommen wollen", sagt sie. „Außerdem liegt das Objekt im Fördergebiet des City-Managements. Die Nähe zum Bahnhof, zur Innenstadt, dem Villa-Weiße-Garten, der Hutbergbühne und zu den Museen ist optimal.“ Sie suchte den Kontakt zu Familie Schneider und schickte ihnen ein paar erste Ideen. 

Das wirkte nach. Die Hotels der Lessingstadt sind weitestgehend gut besucht. Sogar Ferienwohnungen und Pensionen auf dem flachen Land ringsherum sind dank großer Unternehmen wie Accumotive, Linde + Wiemann, Müllermilch oder TDDK stark frequentiert. Auch und vor allem in Corona-Zeiten. Das machte Mut für den aktuellen Ausbau des kleinen Hostels im Herzen der Stadt.

Gemeinschaftsküche mit Blick zum Polizeirevier

Enrico Schneider freut sich über diese Aussichten. Denn in den letzten Wochen der Krise zweifelte er ein bisschen an seinem Vorhaben. Immerhin muss kräftig investiert werden. Zurzeit ist der Innenausbau in vollem Gange. Beton wurde geliefert, die ersten Trockenbauwände stehen. Eine Fußbodenheizung wird eingebaut, und die zwei Nasszellen bekommen ein Innenleben. „In dem Zusammenhang wird gleich noch der Hausflur rundum erneuert“, erzählt der Bauherr.

Im August soll das Hostel „Zur alten Schneiderei“ öffnen. Die Homepage ist am Start und die Zimmer können per Online-Kalender gebucht werden. „In den Mietzeiten sind wir flexibel. Die möblierten Zimmer sind zur Kurz- oder Langzeit-Miete, aber auch als Ferienwohnung perfekt geeignet“, so Enrico Schneider. Es gibt freies Wlan und die Gemeinschaftsküche wird ihren Reiz haben – man sitzt direkt im Schaufenster und schaut auf das Kamenzer Polizeirevier. Die Anreise erfolgt kontaktlos über einen Schlüsselsafe. „Trotzdem suchen wir eine zuverlässige Stundenkraft, die sich unter anderem um die Reinigung der Zimmer kümmert“, so Schneider.

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