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Ein Laptop für jeden Schüler

Der Landkreis Bautzen bekommt mehr als 6,7 Millionen Euro für neue Technik. Das sorgt aber auch für Bedenken.

Von Tilo Berger
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Schulbuch und Tablet wird es noch eine zeitlang zusammen geben. Aber nach und nach wird das digitale Gerät das gedruckte Papier aus den Klassenzimmern verdrängen – auch im Landkreis Bautzen.
Schulbuch und Tablet wird es noch eine zeitlang zusammen geben. Aber nach und nach wird das digitale Gerät das gedruckte Papier aus den Klassenzimmern verdrängen – auch im Landkreis Bautzen. © dpa

Bautzen. Die Oberschulen in Lauta und Lohsa sowie die Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bautzen-Gesundbrunnen machen den Anfang. Sie werden ab nächstem Jahr als erste drei der 30 Schulen in Trägerschaft des Landkreises Bautzen mit digitaler Technik ausgerüstet. Also mit einem modernen Datennetz, mobilem Internet, interaktiven Monitoren an den Wänden und Notebooks oder Tablets für alle Schüler. Bis 2025 folgen nach und nach die weiteren 27 Beruflichen Schulzentren, Gymnasien, Mittel-, Förder- und Grundschulen, für die der Landkreis Bautzen das Sagen hat.

Den Fahrplan dafür stellte Marcel Knobloch vom Landratsamt am Montagabend im Kultur- und Bildungsausschuss des Kreistages vor. Als Informationssicherheitsbeauftragter des Amtes ist Knobloch direkt in das Digitalisierungs-Projekt eingebunden. Bis Mai 2020 soll der Bedarf an der neuen Technik für jede einzelne Schule feststehen. Außerdem muss bis Mitte des Jahres für jede Schule ein Konzept für die digitale Zukunft erarbeitet werden.

Parallel dazu wird ein Förderantrag bei der Sächsischen Aufbaubank gestellt. Denn bezahlen muss der Landkreis Bautzen die Digitalisierung seiner Schulen nicht allein. Das Geld kommt vom Bund und dem Freistaat Sachsen. Es stammt aus dem sogenannten Digitalpakt Schule, auf den sich die Regierungen des Bundes und der Bundesländer vor wenigen Monaten einigten. Zwischen Aachen und Zittau sind insgesamt etwa 40.000 Schulen mit der neuen Technik auszurüsten.

Das Budget dafür umfasst gut fünf Milliarden Euro, von denen 250 Millionen im Freistaat Sachsen ankommen. Ein Schlüssel legt fest, welche Schulträger wie viel Geld für die Digitalisierung erhalten. So kann der Landkreis Bautzen für seine 30 Schulen insgesamt mehr als 6,7 Millionen Euro einplanen. Die Kreisstadt erhält etwa zwei Millionen für ihre zehn Schulen.

Gerechnet wird pauschal nach Schulart, Zügigkeit und Anzahl der Klassen. Jede Grundschule in Sachsen bekommt einen Grundbetrag von 4.000 Euro, Oberschulen 7.500 Euro und Gymnasien 10.000 Euro. Für berufliche Schulzentren werden 20.000 Euro eingeplant. „Es soll möglichst wenig Bürokratie damit verbunden sein, und es muss schnell gehen, um die Schulen fit zu machen“, sagt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU). – Soweit die Theorie. Die Praxis wird sich in den nächsten Monaten erweisen, erklärte Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) am Montag. „Es wird Schulen geben, da ist weniger Geld nötig. Aber es wird auch Fälle mit höherem Finanzbedarf geben, wenn zum Beispiel Schulgebäude unter Denkmalschutz stehen.“ Denn überall müssen zum Beispiel Kabel gezogen, Schaltschränke und Router installiert werden – das kann in einem älteren Gebäude schon mal aufwendiger sein als in einem modernen.

Das Fördergeld gibt es für Netzwerktechnik, für Displays und sogenannte Endgeräte wie Notebooks oder Tablets in den Klassenzimmern – nicht aber in Sekretariaten oder technischen Räumen. Ebenso sieht der Digitalpakt kein Geld für Computerprogramme sowie für die Anbindung der Schulen an das Breitband-Internet vor – aber hier sorgt der Landkreis Bautzen ja derzeit ohnehin selbst für eine umfassende Versorgung.

Lieber ein zentraler Server?

Harig machte den Kultur- und Bildungsausschuss auf einige Risiken aufmerksam. So werden für die nötigen Bauarbeiten Firmen gebraucht, doch die Auftragsbücher vieler Unternehmen platzen schon jetzt aus den Nähten. Auch muss der Landkreis die Arbeiten erst einmal vorfinanzieren, ehe er das Geld von der Sächsischen Aufbaubank zurückbekommt.

Am großen Ganzen zweifelte im Ausschuss kein Abgeordneter, aber an Details. So stellte CDU-Kreisrat Maik Förster die Frage in den Raum, ob wirklich in jeder Schule ein Schaltschrank stehen muss – oder ob die digitalen Daten nicht in einem zentralen Server zusammenlaufen können. Das, so Harig, gehöre zu den Dingen, die in den nächsten Monaten zu klären sind. Heiko Kosel (Die Linke) sorgt sich ums Geld: Werden die Fördermittel reichen, oder muss der Landkreis zuschießen? „Die Maßnahmen werden ausgeschrieben“, erklärte Harig dazu, „danach haben wir einen Kostenüberblick und können entscheiden, was wir machen und was nicht.“

Henry Nitzsche (AfD) sah ein grundsätzliches Problem: Es werde viel über Technik geredet, aber nicht über die pädagogische Ausrichtung des Projekts. Würden überhaupt alle Lehrer fit sein, um mit der Technik umzugehen, die für viele Schüler selbstverständlich ist? Hier sieht Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) vor allem das Kultusministerium in der Pflicht. „Der Freistaat muss die Pädagogen auf den Stand bringen, damit sie mit der Technik umgehen können.“ 

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