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Die neuen Dienstleister in Bischofswerda

15 Jahre gab es in der Schiebock-Passage den Dienstleistungsshop. Nach dessen Schließung sprang ein Verein in die Bresche. Und er hat noch weitere Pläne.

Simone Reck kümmert sich jetzt um Dienstleistungsangebote beim Verein Regenbogen in Bischofswerda, im Hintergrund der stellvertretende Vereinsvorsitzende Patrick Wolf.
Simone Reck kümmert sich jetzt um Dienstleistungsangebote beim Verein Regenbogen in Bischofswerda, im Hintergrund der stellvertretende Vereinsvorsitzende Patrick Wolf. © Steffen Unger

Bischofswerda. Die Nähmaschine surrt weiter. An ihr sitzt eine Frau, die viele in Bischofswerda kennen - Simone Reck. Die 55-Jährige arbeitete in den vergangenen 15 Jahren im Dienstleistungsshop der Schiebock-Passage in Bischofswerda Süd. 

Die gelernte Schneiderin baute dort im Jahr 2005 das Nähstübchen auf, in dem Kleidung geändert oder repariert wurde. Sie stand oft hinterm Ladentisch. Mehrere Jahre leitete sie als Angestellte den beliebten Shop, der Ende vergangenen Jahres geschlossen wurde. Die Erträge reichten laut Inhaberin nicht aus, um das Geschäft dauerhaft rentabel zu betreiben. 

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Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Vor allem für die vielen älteren Menschen in Bischofswerdas größtem Wohngebiet  war die Geschäftsschließung ein Verlust. Denn der Dienstleistungsshop sicherte eine Reihe von Erledigungen auf kurzem Weg. Für manchen, der allein lebt, war es auch ein Ort, um mal mit anderen Leuten zu reden. 

Vor allem ältere Bewohner der Südstadt sind froh

Jetzt arbeitet Simone Reck beim Bischofswerdaer Verein Regenbogen, rund 300 Meter von der Schiebock-Passage entfernt.  Dort hat sie fast die gleichen Aufgaben wie zuvor. Sie näht. Sie nimmt Wäscherei-, Reinigungs- und Schuhreparatur-Aufträge für drei Bischofswerdaer Betriebe und einen Scherenschleifer in Oberottendorf an, kümmert sich um deren Abwicklung und gibt die Sachen nach Erledigung wieder an die Kunden aus. Und sie sorgt dafür, dass Menschen zusammen kommen. 

Seit dem Neustart am 1. April wird das Angebot rege nachgefragt. Vor allem von den einstigen Stammkunden des Dienstleistungsshops. Sie sind froh, dass sie nicht wegen jedes Auftrages durch die halbe Stadt fahren müssen. 

Der Arbeitsplatz von Simone Reck befindet sich jetzt in der Freizeit- und Begegnungsstätte an der Belmsdorfer Straße. Der Verein Regenbogen vereint dort mehrere Bereiche unter einem Dach: den Offenen Kinder- und Jugendtreff, einen Jugendclub, die Verwaltung des Vereines, der im Auftrag der Stadt die Kinder- und Jugendarbeit in Bischofswerda  organisiert, sowie das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderte Haus der Generationen. Im Rahmen des ESF-Projektes konnte der Verein Simone Reck vorerst befristet einstellen. Sie arbeitet 30 Stunden in der Woche.

Jobangebot kam per Whatsapp

"Das Dienstleistungsangebot passt sehr gut zu unserem Haus", sagt Patrick Wolf. Er ist stellvertretender Vereinsvorsitzender und Leiter der Freizeit- und Begegnungsstätte. Als Haus der Generationen stehe die Einrichtung Menschen jeden Alters offen - auch den älteren, die bisher keinen Grund hatten, ins frühere Jugendhaus zu kommen. 

Erste Angebote im Rahmen des Generationenhauses laufen bereits erfolgreich, zum Beispiel das wöchentliche Kanga-Training für Mütter mit Kleinstkindern. 

Mit Simone Reck im Team gibt es jetzt auch einen Kaffeeklatsch, zu dem Jüngere wie Ältere jeweils am ersten Montag im Monat 15 Uhr eingeladen sind. Daraus sollen sich weitere Angebote ergeben, zum Beispiel Vorträge. "Wir wollen herausfinden, welche Themen die Leute interessieren und wie wir ihnen helfen können", sagt Simone Reck. 

Mit Mitte 50 innerhalb eines Vierteljahres einen neuen Job zu finden, ist auch in Zeiten des Fachkräftemangels nicht selbstverständlich. In diesem Fall halfen der Zufall und die Vorzüge einer Kleinstadt mit ihren kurzen Wegen. Robin Stachowski, Schatzmeister des Vereins, habe per Whatsapp angefragt, ob sie einen neuen Job sucht, berichtet Simone Reck. Lange überlegen musste sie nicht, zumal der Arbeitsvertrag mit dem Regenbogen-Verein für sie eine Rückkehr an ihre frühere Wirkungsstätte ist. Vor dem Wechsel in den Dienstleistungsshop hatte sie im selben Gebäude gearbeitet, im damaligen Kinderhaus "Bunte Welt". 

Geplant: die längste Wimpelkette der Welt

Jetzt planen die Stadt und der Verein Regenbogen die Sanierung des Gebäudes. Baustart soll nach gegenwärtigem Stand im Frühjahr 2021 sein. Die Stadt Bischofswerda will mit Fördergeldern anderthalb Millionen Euro investieren, um die einstige Kindertagesstätte zu einer wirklichen Freizeit- und Begegnungsstätte für alle Generationen  umzubauen, barrierefreier Zugang inklusive. 

Zurzeit bereitet der Verein das Begrüßungsevent der Stadt für die Neugeborenen vor, das am 19. September stattfinden wird. 

Mit einem weiteren Projekt will er sogar den Sprung ins Guinness-Buch der Rekorde schaffen. "Wir wollen die größte Wimpelkette der Welt gestalten", sagt Patrick Wolf. Gewaschene Stoffe und Reste nimmt der Verein dafür schon jetzt entgegen. Wer selbst Wimpel nähen möchte, kann das natürlich auch tun. 

Der von Ehrenamtlichen getragene Verein ist mittlerweile Arbeitgeber für 13 Frauen und Männer. "Neun arbeiten im Haus. Hinzu kommen die vier Schulsozialarbeiter", sagt Patrick Wolf. Zum Team gehören außerdem zwei junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr. Mit Blick auf das große Grundstück am Haus erwägt man im Vereinsvorstand, künftig auch eine Stelle im Freiwilligen Ökologischen Jahr anzubieten. 

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