merken
PLUS Döbeln

Brand lehrt: Roßwein braucht Löschwasser

Der Einsatz vom Wochenende unterstreicht eine Kernaussage des Brandschutzbedarfsplanes: Es gibt zu wenig Löschwasser.

Alles, was rund um Roßwein einen Löschwassertank hat, ist am Sonntag am Stadtrand benötigt worden, um ein brennendes Wirtschaftsgebäude zu löschen und zu verhindern, dass Flammen auf ein Wohnhaus nebenan übergreifen.
Alles, was rund um Roßwein einen Löschwassertank hat, ist am Sonntag am Stadtrand benötigt worden, um ein brennendes Wirtschaftsgebäude zu löschen und zu verhindern, dass Flammen auf ein Wohnhaus nebenan übergreifen. © Dietmar Thomas

Roßwein. Mehr als ein Dutzend Feuerwehrfahrzeuge von Wehren aus der Region haben sich am Sonntagmittag an den Stadtrand von Roßwein bewegt. 

Oberhalb des Baderberges an der Straße Oberneusorge stand das Nebengebäude eines Dreiseithofes in Flammen. „Ich habe alles angefordert, was in der näheren Umgebung Wasser zur Verfügung hat“, sagte Roßweins Wehrleiter René Bernhard am Montag. Er zeichnete am Sonntag auch als Einsatzleiter verantwortlich.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Noch während das erste Wasser auf das Dach des brennenden Nebengebäudes prasselte, war der Einsatzleitung und den Kameraden klar, dass die weitere Wasserversorgung ein Problem darstellt. 

Zum einen wegen der Topografie, wie René Seltmann schon am Einsatzort erklärte. Der Gleisberger war unter anderem dafür abgestellt, Pressefragen zu beantworten. Das Grundstück, auf dem es brannte, befindet sich auf einer Anhöhe, wo für gewöhnlich weniger Druck an Hydranten anliegt als im Tal.

Nächster Förderantrag muss schon gestellt werden

Um trotzdem genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben, musste dieses mit einer Reihe von Fahrzeugen herangeschafft werden. Gute Dienste leistete da beispielsweise das Limmritzer Löschfahrzeug, das 8.000 Liter Wasser „mitbringt“.

„Der Einsatz hat gezeigt, wie wichtig es ist, den zeitlichen Plan zur Anschaffung von Löschfahrzeugen einzuhalten“, sagte René Bernhard. Er erinnerte daran, dass der Stadtrat für die Haushaltjahre 2019/20 den Kauf eines Tanklöschfahrzeuges für die Ortswehr Gleisberg beschlossen hat.

„Für 2021/22 muss es dann mit dem Kauf eines großen Tanklöschfahrzeuges für Roßwein weitergehen“, so der Feuerwehrchef. Er wolle da auch nicht lockerlassen. Im Moment geht es aber erst einmal darum, das Gleisberger Löschfahrzeug zu beschaffen. Dafür gibt es eine Sammelbestellung mit anderen Kommunen.

Wie der Bürgermeister zur letzten Ratssitzung vor der Sommerpause sagte, hofft er auf höhere Fördermittel. Dann könne der Auftrag vergeben und das Fahrzeug beschafft werden.

Zisternenbau steht erst an zweiter Stelle

„Das Fördergeld für den Roßweiner Tanker muss die Kommune dann aber trotzdem noch in diesem Jahr für 2021 beantragen und in der Haushaltplanung berücksichtigen“, mahnte René Bernhard. 

Er sieht den Kauf von Löschfahrzeugen mit einem Wassertank als sinnvoll an, um dort Löschwasser hinzubringen, wo das öffentliche Netz nicht ausreichend hergibt und keine anderen Möglichkeiten vorhanden sind. „Die Fahrzeuge stehen dann genau dort bereit, wo das Wasser gebraucht wird und nicht zwei Kilometer weiter weg“, begründet er seine Meinung. 

Aber: „Auch Zisternen müssen perspektivisch gebaut werden, um den Löschwasserbedarf zu decken“, sagte Bernhard. Das sei in der Stadt genauso wichtig wie in den Ortsteilen.

Das sagt auch der Brandschutzbedarfsplan aus. Allerdings, so gab Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) bei der Erklärung des Planes zu, gebe es in punkte Zisternenbau im Moment weder einen Zeitplan noch bereits festgelegte Standorte.

Baubehörde will für Pflegeheim keinen Wasseranschluss

Nicht weit vom Brandgeschehen am Sonntag entfernt befindet sich das künftige Seniorenpflegeheim am Baderberg. Ein größeres Löschwasserreservoire musste die Theed Projekt Gruppe als Investor nicht vorsehen, wie Sebastian Uhlig, Leiter Projektorganisation bei Theed, auf Anfrage sagte. 

Entsprechende andere Auflagen wie die Ausstattung mit einer Brandmeldeanlage und Rauchmeldern werden umgesetzt, Aufstellflächen für Feuerwehrfahrzeuge angelegt und ausgeschildert.

Der Wehrleiter geht davon aus, dass es für die Pflegeeinrichtung in der Tallage eine bessere Wasserversorgung aus dem öffentlichen Netz gibt als auf dem Hang. Ansonsten müsse auch dort Wasser mit Fahrzeugen herzugeschafft werden. Und wichtig sei aus seiner Sicht weiterhin, dass es einen Evakuierungsplan gibt, der gut funktioniert.

Hochachtung vorm Einsatz der Feuerwehrleute

Dass das Zusammenspiel der vielen Feuerwehren am Sonntag prima geklappt hat, davon konnte sich Familie Bauer überzeugen. Sie wohnt ebenfalls am Baderberg und hat sich angesichts der Ereignisse am Sonntag auch so ihre Gedanken über die Löschwasserversorgung gemacht. 

„Es war erstaunlich, wie schnell sich das Feuer ausgebreitet hat“, sagte Kerstin Bauer am Montag. Begeistert zeigte sie sich, wie engagiert und organisiert die Feuerwehrleute dem Brand entgegengetreten sind. „Meine Hochachtung“, so Kerstin Bauer.

Die genaue Ursache, weshalb das etwa 70 Quadratmeter große Wirtschaftsgebäude des Dreiseithofes in Brand geraten ist, steht nach Angaben der Polizei in Chemnitz vom Montagnachmittag noch nicht fest. Brandursachenermittler würden zeitnah mit der Arbeit beginnen. Auch zur Höhe des Sachschadens gibt es nach wie vor keine genauen Angaben.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln