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Stirbt das Kleine Bad mit Corona?

Das Freibad in Großschönau ist das einzige, das allein von einem Verein betrieben wird. Der kommt jetzt in Existenznot - passt aber in kein Hilfsprogramm. Was nun?

Es sieht alles nach Saisonvorbereitung aus im Kleinen Bad Großschönau. Wegen Corona steht aber alles auf der Kippe. Vereinsvorsitzender Volker Hofmann (l.) hat eine ungewöhnliche Idee.
Es sieht alles nach Saisonvorbereitung aus im Kleinen Bad Großschönau. Wegen Corona steht aber alles auf der Kippe. Vereinsvorsitzender Volker Hofmann (l.) hat eine ungewöhnliche Idee. © Matthias Weber/photoweber.de

Volker Hofmann hat seine Leute zum Arbeitseinsatz gerufen. Nach Feierabend kommen alle, die es einrichten können, und helfen mit, das Becken neu auszustreichen, Tische und Stühle zu rücken, die Filteranlage vorzubereiten, die Toiletten und Umkleiden zu putzen. Und alle, die hier mithelfen hoffen, dass sie das nicht völlig umsonst machen. Das kultige Kleine Bad in Großschönau soll auch in Corona-Zeiten irgendwie öffnen können. Aber ob das gelingt?

"Unser Ziel ist der 20. Juni", sagt Hofmann, der Vorsitzende des Kux-Vereins hoffnungsfroh. Der Verein betreibt das kleine Kult-Bad. Gäbe es die paar Dutzend Enthusiasten nicht, gäbe es auch das Bad schon längst nicht mehr. Als es 1996 vor der Schließung stand, wollten die Mitglieder der Abteilung Schwimmen und Wasserball des TSV Großschönau ihre Trainings- und Wettkampfstätte retten. Dem großen Sportverein TSV aber war das unkalkulierbare Risiko, ein Freibad zu betreiben, zu groß.

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Kurzerhand gründeten die Schwimmer und Wasserballer einen eigenen Verein zur Betreibung des Bades. 1.500 Euro jährliche Vereinsförderung von der Gemeinde sind der einzige finanzielle Zuschuss. Der Badbetrieb aber kostet mehr als 30.000 Euro im Jahr.

"Allein die Filteranlage kostet jeden Tag 70 Euro Strom", zählt Hofmann auf, "1.300 Euro die Beckenfarbe, da haben wir sie von Lafazit noch zum Sonderpreis gekriegt, der Tüv für die Rutsche, die Chlorgas-Anlage, die Chemie für eine gute Wasserqualität - das alles summiert sich." 

Von Mitgliedsbeiträgen, Sponsoren und Eintrittsgeldern allein ist so eine Summe nicht zu stemmen. Der Verein erwirtschaftet das nötige Geld vor allem auch mit Sommerfesten, Trainingslagern und Sportveranstaltungen. Für das deutsch-tschechische Schwimmfest gibt es sogar ein paar EU-Fördermittel. Das Bad wird für Hochzeiten, Schulabschluss- und Familienfeiern gern gemietet. Aber nicht in diesem Sommer.

Mit Corona steht alles auf der Kippe

In diesem Sommer steht alles auf der Kippe. Corona hat den Kux-Verein schon jetzt in Existenznot gebracht. Zwar hat das Landratsamt diese Woche das sorgfältig ausgedachte Hygienekonzept für das Bad genehmigt - und es darf nun theoretisch öffnen, doch das allein löst das Problem nicht.

"Wir verlieren ja von vornherein den Großteil unserer Einnahmen, weil die Feste und Veranstaltungen ausfallen", sagt der Vereinsvorsitzende. Auch dürften nun maximal nur 200 Badegäste eingelassen werden. Bei schönem Wetter kommen normalerweise doppelt so viele.

Demgegenüber aber wird mehr Personal benötigt: Weil Kasse und Kiosk getrennt werden müssen, braucht es zwei, statt nur einen Mitarbeiter am Eingang. Eine zusätzliche Badeaufsicht muss aufpassen, dass nicht zwei Leute gleichzeitig auf die Rutsche steigen oder in die Umkleide gehen. Eine Kraft wird gebraucht, um immer wieder Geländer, Toiletten, Tische und Stühle zu desinfizieren.

Mit Corona-Hilfe aber kann der Verein nicht rechnen. "Wir fallen schlichtweg durchs Raster", erklärt Volker Hofmann. Wäre das Bad in Betreiberschaft des Sportvereines TSV,  hätte es bis zu 10.000 Euro Hilfe vom Freistaat gegeben. Aber der Kux e.V. zählt nicht als Sportverein und ist nicht im Landessportbund organisiert - obwohl er eine Sportstätte betreibt, in der die Schwimmer und Wasserballer des TSV und die Mitglieder der DLRG trainieren und auch Wettkämpfe stattfinden.

Überwältigende Reaktionen auf kühne Idee

Das kleine Bad in Großschönau ist zudem das einzige in der Region, das von einem Verein betrieben wird. Ein Sonderfall also, der ebenfalls in kein Corona-Hilfe-Programm passt. Volker Hofmann hat lange überlegt - und dann eine kühne Idee. Er hat kurzerhand auf der bundesweiten Spenden-Plattform der Sparkassen eine Spendensammlung für den Erhalt des Kult-Bades initiiert. 

"Rettet die Badesaison im Kleinen Bad Großschönau", hat er seine Aktion überschrieben. "Ich hab so was zum ersten Mal gemacht und überhaupt keine Erfahrung, was man da so reinschreibt", erzählt der 57-Jährige. 15 Stunden mindestens hat er gesessen für den Internetauftritt mit Video, kleiner Preisverleihung für die Spender, Erklärungen und allem Drum und Dran.

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"Die Reaktionen sind überwältigend", freut sich der Vereinsvorsitzende. 6.000 Euro hat er als Spendenziel angegeben. Die sind bereits erreicht. Aber trotzdem kann gerne noch weiter gespendet werden. Es werden ja 30.000 Euro gebraucht. Die Aktion im Internet läuft noch bis zum 28. Juni. Aber schon jetzt sind die Vereinsmitglieder optimistisch, dass es klappen könnte mit der Eröffnung am 20. Juni. Frisch gestrichen ist das Schwimmbecken schon mal.

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