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Glashütte baut neue Haltestellen

Der Umbau kommt nicht nur Senioren entgegen, sondern auch Schulkindern. Für die greift die Stadt tief in den Sparstrumpf.

Von Maik Brückner
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Stadtrat Manuel Schneider an der Bushaltestelle "Platz des Friedens", die umgebaut werden soll.
Stadtrat Manuel Schneider an der Bushaltestelle "Platz des Friedens", die umgebaut werden soll. © Egbert Kamprath

Manuel Schneider steht an der Schlottwitzer Haltestelle "Platz des Friedens" Höhe Sportplatz und lächelt. Endlich passiert hier was, sagt Schneider, der Stadtrat und Familienvater ist. Die Haltestelle ist ein Sicherheitsrisiko. Es gibt nur eine Bank und ein Schild mit einer Anzeigetafel, auf der jeder ablesen kann, wann der nächste Bus in Richtung Glashütte fährt. Ein Fußweg zum nächsten Wohngebiet fehlt genauso wie ein Übergang auf die andere Straßenseite, die einen Fußweg hat.

Die Stadt Glashütte möchte das nun ändern. Die Haltestellen sollen einen etwa sechs Quadratmeter großen Fahrgastunterstand bekommen und soll barrierefrei gestaltet werden. Das wird vor allem den älteren Bürgern entgegenkommen, die nach der Umgestaltung ohne Probleme in den Bus einsteigen können, weil die neue Haltestelle auch eine 18 Zentimeter hohe Bordsteinkante bekommt. So schafft man den Einstieg in den Bus, ohne eine Stufe nehmen zu müssen.

Doch nicht nur für die Senioren wird es besser, sondern auch für die Schulkinder, die täglich mit dem Bus zu den Schulen in der Umgebung fahren. Sie werden nicht bei Wind und Wetter an der Haltestelle stehen müssen, sondern können in den Wartehäuschen warten. Und das Rathaus will auch dafür sorgen, dass die Kleinen sicher vom Wohngebiet zur Haltestelle gelangen. Dazu wird ein gut 100 Meter langer Fußweg gebaut, der die Haltestelle mit dem Weg zum Wohngebiet Platz der AWG verbindet.

Darauf hat sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung nach einiger Diskussion verständigt. Knackpunkt hier: Für den Weg gibt es keine Förderung, Glashütte muss ihn komplett bezahlen. Stadtrat Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos) regte an, angesichts der Finanzlage der Stadt, darauf zu verzichten. Zumal es an der Straße bereits auf der gegenüberliegenden Seite einen Fußweg gibt. 

Diese Wartehäuser in Schlottwitz gehören bald der Vergangenheit an. Sie werden durch neue Stahl-Glas-Häuschen ersetzt, wie es sie bereits in Glashütte gibt.
Diese Wartehäuser in Schlottwitz gehören bald der Vergangenheit an. Sie werden durch neue Stahl-Glas-Häuschen ersetzt, wie es sie bereits in Glashütte gibt. © Egbert Kamprath

Bürgermeister Dreßler räumte ein, dass der finanzielle Aufwand für den Wegebau mit  rund 100.000 Euro sehr hoch sei. Allerdings plane man daran bereits seit Jahren, auch der Ortschaftsrat ist daran beteiligt gewesen. "Die Mittel standen 2019 und 2020 im Haushalt und wurden vom Stadtrat ohne Diskussionen bestätigt", so Dreßler. Mit dem Weg werde eine Unfallquelle beseitigt, da die Kinder bisher entlang der zum Teil sehr stark befahrenen Straße zur Haltestelle laufen. Grund ist, dass sie bis zur Einmündung Straße der AWG nicht die Straßenseite wechseln, erklärte er in der Stadtratssitzung. Vor allem im Winter ist das Unfallrisiko groß.

Das bestätigt auch Manuel Schneider, der diese Praxis noch aus seiner Schulzeit kennt, bei einem Vor-Ort-Termin. Manche Kinder laufen sogar über die Gleise, um nicht an der Straße lang zu müssen. Deshalb kämpfen die Schlottwitzer schon lange um diesen Fußweg. Der fehlt im Übrigen auch an der Haltestelle in Niederschlottwitz, so Schneider. Dort liege das Problem ähnlich. Allerdings habe man sich dort bisher mit der Deutschen Bahn als Grundstückseigentümer nicht einigen können, um das Grundstück für den Fußwegbau zu bekommen. Deshalb konnte der Umbau der Haltestelle Richtung Glashütte noch nicht ausgeschrieben werden. Sie muss noch warten.

Fertig geplant ist indes nicht nur die Umgestaltung der Haltestelle "Platz des Friedens" in Richtung Glashütte, sondern auch die auf der gegenüber liegenden Straßenseite sowie die zwei Haltestellen "Neue Mittelstraße" und "Niederschlottwitz" Richtung Mühlbach. Die alten Wartehäuser werden abgebrochen. Alle Haltestellen bekommen neue, die identisch sind mit denen, die es in Glashütte gibt. Außerdem werden sie barrierefrei ausgebaut und mit einer Markierung versehen, die blinden Menschen den Zugang zum Bus erleichtert.

Die Stadt Glashütte lässt aber nicht nur neue Haltestellen in Schlottwitz, sondern auch in Niederfrauendorf errichten. Hier sollen an der Schmiedeberger Straße beidseitig neue Buszustiege gebaut werden. Vorbild sind die Haltestellen in Oberfrauendorf, Dittersdorf und Börnchen. Auch die Zustiege in Niederfrauendorf sollen barrierefrei gestaltet werden. Sie sollen eine Markierung bekommen, die Blinde lesen können.

Die Haltestelle Niederschlottwitz in Richtung Glashütte soll auch noch einen Gehweg bekommen. Die Grundstücksverhandlungen mit der Deutschen Bahn AG laufen noch.
Die Haltestelle Niederschlottwitz in Richtung Glashütte soll auch noch einen Gehweg bekommen. Die Grundstücksverhandlungen mit der Deutschen Bahn AG laufen noch. © Egbert Kamprath

Obwohl Glashütte schon mehrere Haltestellen im Stadtgebiet umgestaltet hat, gibt es weiteren Nachholebedarf. Und auch beim Gehwegbau muss noch einiges getan werden, sagte Frauendorfs Ortsvorsteher Martin Walther (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) in der Ratssitzung. Sowohl in Ober- als auch in Niederfrauendorf gibt es Straßenabschnitte, wo es unbedingt Fußwege geben müsste. Denn hier müssen die Schulkinder auf der Straße zur Haltestellen laufen. Oberfrauendorfs Stadtrat Klaus Köhler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) bestätigte das, warnte aber davor, die Ortsteile gegeneinander auszuspielen. 

Um bei der geplanten Umgestaltung der Haltestellen keine Zeit zu verlieren, ermächtigte der Stadtrat den Technischen Ausschuss, den Auftrag zu vergeben. Die Arbeiten sollen möglichst in den Sommerferien erfolgen. Die Finanzierung ist indes gesichert. 75 Prozent der Kosten trägt der Freistaat, weitere 15 Prozent will der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) beisteuern, den Rest übernimmt die Stadt. Die übernimmt auch zu 100 Prozent die Kosten des Gehweges in Schlottwitz. Das Geld ist im Haushalt eingeplant.

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