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Campen an exklusiven Orten

Eine neue App macht das Suchen eines besonderen Stellplatzes fürs Zelt oder den Wohnwagen in Tschechien möglich.

Umgeben von Ziegen, Alpaka und einer Feuerstelle. Die Erfinder von BezKempu.cz, Pavel und Petr Nohejl (rechts), testen gerade eine Pferdefarm in Trebivlice (Triebitz).
Umgeben von Ziegen, Alpaka und einer Feuerstelle. Die Erfinder von BezKempu.cz, Pavel und Petr Nohejl (rechts), testen gerade eine Pferdefarm in Trebivlice (Triebitz). © Steffen Neumann

Es begann bereits zu dunkeln, als ein Graureiher geflogen kam. Er ließ sich am Rande des Teiches nieder. Gibt es etwa in diesem Tümpel mitten in der Böhmischen Schweiz für ihn Nahrung? „Wir nennen ihn Himmelsteich, weil er keinen Zufluss hat und sich nur von Regenwasser speist“, sagt Rostislav Houda. Ihm gehört das einsame Flurstück mit Blick auf die Pyramidenform des Ruzovy vrch (Rosenberg). Kein markierter Wanderweg führt hierher, und am Abend ist man ganz allein mit den Tieren: Rehe, ein Fuchs, unablässig zirpende Grillen, Enten – und eben der Reiher.

Seit einem Jahr kann man an diesem romantischen Ort ganz offiziell wild campen – mit Zelt, Campinganhänger oder sogar Wohnmobil. Möglich macht es die neue App „BezKempu“, was auf Deutsch so viel wie „Ohne Campingplatz“ heißt. Die Idee ist so simpel wie erfolgreich: Grundstückseigentümer bieten den Platz und werden an Interessenten vermittelt, die wild campen möchten. Innerhalb eines Jahres wurden bereits über 1 000 Buchungen abgewickelt. Die Datenbank ist bereits auf 160 Plätze angewachsen.

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„Der Unterschied zum letzten Jahr ist gewaltig. In diesem Jahr sind es bestimmt viermal so viele Gäste“, schätzt Houda. Ihm gehören 20 Hektar um Nova Oleska (Neu Ohlisch), wo er wohnt. „Ich mähe die Wiesen und verkaufe das Heu. Davon kann man aber nicht leben, das ist eher ein Hobby von mir“, sagt er. Die Idee, hier irgendwo einen Rastplatz für Camper einzurichten, hatte er schon länger. „Ich wusste nur nicht, wie.“

Zelten mit Teich und Ruzovy vrch (Rosenberg) auf einem privaten Grundstück in der Böhmischen Schweiz. 
Zelten mit Teich und Ruzovy vrch (Rosenberg) auf einem privaten Grundstück in der Böhmischen Schweiz.  © Steffen Neumann

Das wiederum wussten die Brüder Petr und Pavel Nohejl aus Prag. „Wir sind selbst Caravaner und waren unzufrieden, dass man in Tschechien auf Campingplätze angewiesen ist“, sagt Petr Nohejl. Wer in unserem Nachbarland mit Wohnmobil oder Campinganhänger unterwegs ist, trifft auf eine strikte Gesetzgebung. Irgendwo anzuhalten und frei zu campen, ist verboten. Offizielle Stellplätze gibt es wenige, und sehr romantisch sind die auch nicht. Auf Campingplätzen dagegen kann es passieren, dass man in der Saison kurzfristig keinen Platz bekommt. Außerdem ist man dort von Nachbarn abhängig, die auch laut sein können.

„Klar, schwarz irgendwo anhalten und campen, das machen auch einige. Aber das wäre mir persönlich zu stressig, weil ich immer damit rechnen muss, dass mich der Eigentümer vertreibt“, sagt Bruder Pavel Nohejl. Doch wenn man die Grundstückseigentümer vorher um Erlaubnis fragen könnte und ihnen sogar noch eine Zusatzeinnahme von Übernachtungsgebühren verschafft, müsste es doch gehen. „Und private Grundstücke gibt es im Überfluss“, so Pavel Nohejl.

So entwickelten sie in monatelangen Nachtschichten ihre App. „Wir arbeiten als Entwickler für E-Shops, mussten das also neben der Arbeit machen.“ Doch das Gefühl, eine Marktlücke entdeckt zu haben, trieb sie an. „Wir wollten unbedingt vor dem letzten Sommer beginnen.“

Nach einem Jahr sind sie zwar noch weit davon entfernt, damit Geld zu verdienen. Doch die App hat sich bereits zum Selbstläufer entwickelt. Denn inzwischen melden sich die Grundstückseigentümer selbst, und an den beiden Entwicklern ist es eher, die Spreu vom Weizen zu trennen. „Viele gerade ältere Eigentümer fallen raus, weil sie sich nicht auf die App einlassen wollen, die von ihnen verlangt, sich selbst zu präsentieren“, so Pavel Nohejl. Im besten Fall soll es so laufen, dass die Brüder nur die Vermittler sind. Was allerdings nicht funktioniert. „Viele Camper rufen extra noch an, ob ein Platz wirklich frei ist, obwohl alles automatisch über die App funktioniert.“ Der direkte Telefonkontakt sei den Menschen eben wichtig.

Nicht billiger als Zeltplatz

Und auch für die Eigentümer erledigen sie oft noch Arbeit. Gerade sind sie in Nordböhmen unterwegs, um Stellplätze zu prüfen. Auf einer Pferdefarm in der Nähe von Trebivlice (Trieblitz) am Rande des Böhmischen Mittelgebirges schießt Petr Nohejl Fotos. „Die Farm erhält sehr gute Kritiken, gerade bei Familien mit Kindern. Aber gebucht wird sie trotzdem wenig. Wir denken, dass das an den zwei Fotos liegt, die keine gute Werbung sind. Da wollen wir etwas nachhelfen“, erzählt Nohejl.

Beim Stellplatzangebot müssen die Brüder nicht eingreifen. „Das reguliert sich von selbst.“ Von einfachen Plätzen ohne Strom und Wasser in wilder Natur wie der eingangs beschriebene bis hin zum Stellplatz mit allem Komfort und Zusatzangeboten des Vermieters ist alles dabei und wird gleichermaßen angenommen. Auch sind die Stellplätze inzwischen gut über Tschechien verteilt. 

„Inzwischen haben wir schon erste Plätze in der Slowakei im Angebot.“ Auf lange Sicht wollen die beiden auch in die anderen Nachbarländer wie Deutschland expandieren. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Was bereits funktioniert, sind eine deutsche und englische Sprachversion. „Deutschsprachige Camper hatten uns auch schon vorher gefunden, was uns bestärkt hat, diese Versionen anzubieten.“ Mittelfristig arbeiten sie an einem Verleihsystem. „Wenn jemand ein Wohnmobil leihen möchte und ein anderer seines gerade nicht braucht, wollen wir beide zusammenbringen.“ Auch die Eigentümer sollen noch mehr motiviert werden, darüber zu informieren, was noch mitgenutzt werden kann, wie Grill, aber auch Sportgeräte, Räder und so weiter.

Was sie nicht wollen, ist, eine billige Alternative zum Zeltplatz zu sein. „Viele verstehen nicht, dass wir genauso viel kosten, wie ein Campingplatz, oder sogar teurer sind. Aber uns geht es um den Reiz des Unentdeckten.“

Der Preis, den übrigens die Eigentümer festlegen, soll im Gegenteil sogar helfen, die Auswahl der Kundschaft zu steuern. „Uns geht es um naturbewusstes Verhalten. Darum ist die Zahl der Stellplätze pro Ort auf maximal fünf beschränkt.“ Zu den Mietkonditionen gehört auch ein Kodex, der die Camper verpflichtet, ihren Müll wieder mitzunehmen. „Das funktioniert“, bestätigt Vermieter Houda. Daran hat er auch selbst Interesse. „Ich bin ja auf die Akzeptanz der anderen Camper und der Nachbarn angewiesen.“ Wer übrigens unter sich bleiben möchte, zahlt einfach einen Aufpreis und ist auf der Wiese dann garantiert mit der Natur allein.


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