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Großenhain

CDU-Verlierer kocht eigenes Süppchen

Sebastian Fischer muss nach zehn Jahren seinen Platz im Landtag räumen. AfD-Politiker Mario Beger ist das nicht unrecht.

Das war es: Der CDU-Politiker Sebastian Fischer hängt im Großenhainer Ortsteil Sacka seine Werbebanner ab.
Das war es: Der CDU-Politiker Sebastian Fischer hängt im Großenhainer Ortsteil Sacka seine Werbebanner ab. ©  Kristin Richter

Großenhain. Auch als Verlierer kann man durchaus gewinnen. Seit klar ist, das der Gävernitzer Sebastian Fischer am Sonntag nicht den Sprung ins sächsische Plenum geschafft hat – noch nicht mal durch die Hintertür wie seine Kollegen Daniela Kuge und Geert Mackenroth – klingeln bei dem CDU-Politiker ununterbrochen die Telefone. 

Zwei französische Rundfunksender, Journalisten von überregionalen Zeitungen wie etwa der „Zeit“ – sie alle wollen von dem 37-Jährigen wissen, wie es sich anfühlt, sich geschlagen geben zu müssen, ausgerechnet einem Mitbewerber der Alternative für Deutschland unterlegen zu sein. 

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Das alles nach zehn Jahren im Dienste von potenziellen Wählern zwischen Radeburg und Ebersbach, Diesbar-Seußlitz, Großenhain, Gröditz und Priestewitz. Der Voyeurismus am politischen Leid eines sächsischen Abgeordneten scheint ungebrochen.

Allerdings: Auch wenn Sebastian Fischer sich willig erklärt, Interviews gibt und versucht, das Wahldebakel um seine Partei und erst recht seine Person zu analysieren. Selbstmitleidig ist er nicht. „Dafür gibt es auch keinen Grund! Das war eine demokratische Wahl, und deren Ergebnis habe ich zu akzeptieren“, befindet Fischer.

Dass er sich mit diesem Votum schwertue, welches ihm am Dienstagmittag die letzte Fraktionssitzung seines Lebens bescheren werde, daraus macht er dennoch keinen Hehl. Auch wenn er nach eigenem Bekunden sicher Fehler gemacht und nicht immer perfekt gewesen sei, habe er doch versucht, mit seiner Mannschaft das Beste zu geben. 

Fünf Mitarbeiter, die es jetzt ebenso zu entlassen gelte wie die Aufkündigung von Büroräumen in Dresden und Großenhain. Offiziell reiche sein Mandat bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Landtages, die in maximal 30 Tagen stattfinden müsse. Bis dahin habe er Zeit, alles abzuwickeln und über ein persönliches Danach nachzudenken. „Wer entdeckt, dass man ein totes Pferd reitet, sollte absteigen! Und das tue ich selbstverständlich und werde mich wieder meinem Handwerksberuf als Koch widmen“, verrät Sebastian Fischer.

Ein neuer Lebensabschnitt, für den ihm sein Gegenspieler Mario Beger alles Gute wünscht. Man kenne sich seit Langem. Der Sebastian, so befindet der Großenhainer, sei ein guter, bodenständiger Typ. Auch deshalb habe er ihn nie persönlich vor den Wahlen angegriffen. Vielmehr sei es immer um die Politik jener Partei gegangen, die von den Christdemokraten vertreten werde. Oder eben das, was letztlich von ihren proklamierten Inhalten bei der Bevölkerung davon angekommen wäre beziehungsweise – eben auch nicht.

Ihm sei es wichtig, nun genau das anders zu handhaben. Mit den Leuten vor Ort ins Gespräch zu kommen, sie von Anfang an mitzunehmen und zu hören, wie die Menschen ticken. Breitbandausbau, die Stärkung des Mittelstandes und des ländlichen Raumes oder die Entwicklung des Großenhainer Flugplatzes als Industriegebiet. Die Liste der Aufgaben, die der 53-Jährige abarbeiten will, ist lang. Angst davor, die politische Praxis könne ihn und seine wortreichen Absichtserklärungen eines Besseren belehren, hat AfD-Gründungsmitglied Beger keine. 

Der selbstständige Unternehmer, der mit viel Herzblut über seine europaweit tätige Firma spricht, ist kein parlamentarischer Neuling. Seit 2014 vertritt er die Partei im Landtag und wurde erst im Mai in den Großenhainer Stadtrat gewählt. Eine Konstellation, die gut passe. „Ich weiß einerseits selbst, was es bedeutet, wirtschaftlich tätig zu sein, und kann andererseits die Dinge mit auf den Weg bringen.“

Wer mit ihm reden wolle, sei dazu eingeladen. Denn entscheidend wären für ihn nicht ideologische Ansichten. Alle dürften schließlich ihre politische Meinung haben, er spreche mit jedem. Ein Charakterzug, der ihn mit Sebastian Fischer verbindet.

Der scheidende CDU-Landtagsabgeordnete beantwortet an diesem Tag eins nach der Wahl in fließendem Französisch die Fragen von Radio France international und tut nebenbei, was unvermeidlich ist. Seine Werbung in eigener Person abhängen.

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