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"Ein außergewöhnlicher Einsatz in Leisnig"

Helfer von drei THW-Stützpunkten haben am Freitag und Sonnabend geholfen, Gefahr von den Leisnigern abzuwenden. Wovon die ausging, wird noch untersucht.

Von Maria Fricke & Heike Heisig & Elke Görlitz
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Die THW-Ortsgruppen von Döbeln, Freiberg und Chemnitz haben mit den örtlichen Feuerwehren Hand in Hand gearbeitet.
Die THW-Ortsgruppen von Döbeln, Freiberg und Chemnitz haben mit den örtlichen Feuerwehren Hand in Hand gearbeitet. © Lars Halbauer

Leisnig. Nach 26 Stunden im Einsatz haben die Leisniger Feuerwehrleute am Sonnabend das Gelände der ehemaligen Schnallenfabrik an der Weststraße verlassen. Dort sind wahrscheinlich giftige Dämpfe aufgestiegen. Welcher Art, wird nach wie vor untersucht.

Zuletzt waren noch fünf Feuerwehrleute vor Ort, wie Einsatzleiter Marko Gentzsch Sächsische.de sagte. Bis zu 30 Kräfte allein von der Feuerwehr sind es anfänglich am Freitagvormittag gewesen. Für einige Helfer war es also eine kurze Nacht.

Vermutungen bestätigen sich nicht

Das trifft  genauso auf Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerkes (THW) zu. Insgesamt elf Helfer von den Ortsverbänden aus Döbeln, Freiberg und Chemnitz waren an beiden Tagen in Leisnig - in der Nacht unterstützten auch Feuerwehrleute aus Wendishain mit ihrer Beleuchtungstechnik.

Eine Beleuchtungseinheit sowie einen Bagger stellte das THW selbst. Mithilfe der Technik konnten das Gelände gut ausgeleuchtet und rund 100 Kubikmeter Material ausgehoben werden. Damit war der Keller des früheren Trafohauses verfüllt.

In diesem - so die Vermutungen - hätten sich können Behälter mit Stoffen befinden, die die chemischen Reaktionen auslösten: das Aufsteigen von gelb-orangefarbenem Dampf, der unangenehme Geruch, das Erwärmen des Aushubmaterials auf mehr als 60 Grad Celsius. "Auf irgendwelche Behälter sind wir aber nicht gestoßen", sagte Christian Winkler, Ortsbeauftragter des THW-Döbeln, Sächsische.de auf Anfrage.

Aushub ist sichergestellt

Die Container mit dem Aushub sind nach Angabe von Winkler und Feuerwehr-Einsatzleiter Marko Gentzsch der Firma Becker Umweltdienste übergeben und von dieser nach Chemnitz gebracht worden. 

Sie stehen für eventuell nötige weitere Untersuchungen bereit. Erst wenn die genaue Zusammensetzung bekannt ist, können die Behörden entscheiden, wie damit umzugehen ist, wie der Entsorgungsweg aussehen muss.

Gutes Zusammenspiel der Blaulicht-Organisationen

Eine kleine Auswertung des rund 24 Stunden dauernden THW-Einsatzes hat es laut Christian Winkler mittlerweile gegeben. Wie er feststellt, habe es in letzter Zeit häufiger Einsätze des THW und der Feuerwehren gegeben. Das mache sich bemerkbar. "Die Zusammenarbeit der Blaulicht-Organisationen funktioniert gut", so Winklers Einschätzung.

Auch für das THW sei es durchaus ungewöhnlich gewesen, zu einem Einsatz gerufen zu werden, bei dem es um unbekannte Stoffe geht. Der Baggerfahrer war zum Beispiel insofern vorbereitet, dass er hätte unter einer Maske arbeiten können.  

Abschrecken lassen hätten sich die Helfer nicht. "Das ist unsere Aufgabe, dafür sind wir ausgebildet, dass wir Menschen in besonderen Situationen helfen", so Christian Winkler. Und das mittlerweile seit 70 Jahren. Für das THW Döbeln ist der Gründungstag der Bundeshilfsorganisation am Sonnabend aber ein ganz normaler Tag gewesen. 

Viele Helfer auch hinter den Kulissen

Die Leisniger Feuerwehrleute kennen ähnlich lange Einsätze hauptsächlich aus den Tagen der Flut 2002 und 2013. Für die Beköstigung der Einsatzkräfte sorgten am Freitag zunächst Unterstützer aus der Helios-Klinik und später die Ehrenamtlichen der Johanniter Unfallhilfe aus Leisnig sowie Veronika Gentzsch.

 Sie stand selbst an ihrem Geburtstag bis spätabends in der Gerätehausküche und kochte Kaffee für diejenigen, die weitere Hilfe planten und sich für einen nächsten Einsatz bereithielten. 

Ergebnisse der Untersuchungen durch die Task Force-Einheit, die die Leisniger als Unterstützung angefordert hatten und die am Freitag bis kurz vor Mitternacht vor Ort gewesen ist, werden Marko Gentzsch zufolge am Montag erwartet. 

Nachdem die Feuerwehr den Einsatzort an der Weststraße in Leisnig am Sonnabendvormittag verlassen hat, ist das Eingangstor zum Gelände der früheren Schnallenfabrik wieder verschlossen.
Nachdem die Feuerwehr den Einsatzort an der Weststraße in Leisnig am Sonnabendvormittag verlassen hat, ist das Eingangstor zum Gelände der früheren Schnallenfabrik wieder verschlossen. © Dietmar Thomas

Durchlüften wieder möglich

Seit Freitagnacht, 23.45 Uhr, ist die BIWAPP-Empfehlung, Fenster und Türen geschlossen zu halten, aufgehoben. Gerade an einem der heißesten Tage stöhnten manche und taten sich schwer, diesem Ratschlag vor allem in den Abendstunden Folge zu leisten, als es draußen spürbar angenehmer wurde.

BIWAPP ist eine Bürgerinformations- und WarnApp, die sich jeder auf sein Handy laden und nutzen kann. Auch Lautsprecherdurchsagen soll es im Stadtgebiet zusätzlich gegeben haben.  

Das Krankenhaus zu evakuieren,  ist am Freitag in Leisnig durchaus in Erwägung gezogen worden, war aber nach Information von Einsatzleiter Marko Gentzsch von der Feuerwehr Leisnig am späten Abend vom Tisch.

Fachleute zusammengezogen

Bis dahin hatte sich die Einsatzleitung  lange Zeit über die Notwendigkeit dieses mit großem Aufwand verbundenen Schrittes beraten. Parallel dazu saß ein Einsatzstab mit Fachleuten aus verschiedenen Feuerwehren der Region im Gerätehaus  an der Ringstraße  und bereitete mögliche Szenarien vor.

Währenddessen haben Mitglieder des Technischen Hilfswerkes (THW)  weiterhin mit Schadstoffen belastetes Material aus dem Gewölbekeller ausgebaggert. Dafür war am späten Nachmittag noch ein Baggerfahrzeug des THW nach Leisnig gebracht worden.

Die Arbeiten liefen bis in die Nacht hinein. Währenddessen war auch noch die detaillierte Auswertung der Analyse im Gange.