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Bischofswerda: Klares Nein zu rechtem Treff

Der extrem rechte Rapper Chris Ares ist in der Stadt nicht willkommen. Das wurde am Dienstag erneut deutlich - im Stadtrat und direkt vor der Tagungsstätte.

Protest in Bischofswerda: Junge Leute positionieren sich am Rande der Stadtratssitzung gegen das geplante "patriotische" Jugendzentrum von Rechts-Rapper Chris Ares.
Protest in Bischofswerda: Junge Leute positionieren sich am Rande der Stadtratssitzung gegen das geplante "patriotische" Jugendzentrum von Rechts-Rapper Chris Ares. © Rocci Klein

Bischofswerda. Dass eine Stadtratssitzung in Bischofswerda von einer Demonstration begleitet wird,  ist die Ausnahme. Am Dienstagabend war es der Fall: Rund 50 vorwiegend junge Leute machten vor der Oberschule, in deren Aula das Stadtparlament tagte, durch ihre Teilnahme und auf Transparenten deutlich, was sie von der Ankündigung des extrem rechten Rappers Chris Ares halten, in Bischofswerda einen "patriotischen Jugendtreff" zu errichten. Nämlich gar nichts.

"Hass und Nationalismus sind keine Alternative" war da unter anderem zu lesen.  Oder "Zukunftsvision darf nicht völkisch sein".  

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Spontane Demo vor der Oberschule

Nach Angaben einer Sprecherin hatte man sich kurz zuvor auf diese Spontan-Demo verständigt. Mit einem klaren Ziel: Die Stadt müsse Haltung beziehen und sagen, was sie tun wird, um den rechtsextremen Jugendtreff zu verhindern. "Wir wissen nicht, ob die Ankündigung ernst gemeint ist. Aber das ist nicht die Frage. Würde es zu diesem Treff kommen, würde er hier auch Anhänger finden", erklärte die Sprecherin. 

Demoteilnehmer beziehen deutlich Position: Rassismus und Angstmache lehnen sie ab.
Demoteilnehmer beziehen deutlich Position: Rassismus und Angstmache lehnen sie ab. © Rocci Klein

In der Stadtratssitzung führte Frieda Schiller in der Bürgersprechstunde diesen Gedanken weiter. Sie verwies unter anderem darauf, dass der Rapper mit bürgerlichem Namen Christoph Aljoscha Zloch seit dem Jahr 2016 vom bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, Verbindungen zur rechtsextremen Identitären Bewegung habe und nachgewiesenermaßen gewaltbereit ist. Das dokumentieren Fotos im Internet von einem Angriff Zlochs auf einen Pressefotografen.

Sie äußerte die Befürchtung, die Stadt Bischofswerda könne durch einen extrem rechten Jugendtreff im Landkreis Bautzen, vielleicht sogar sachsenweit als neues Zentrum des Rechtsextremismus stigmatisiert werden.  "Für eine solche Einrichtung gibt es keinen Platz in Bischofswerda - wie in keiner Gemeinde, keiner Stadt, keinem Land", sagte die couragierte 20-Jährige vor den Stadträten und mehreren Gästen. 

Frieda Schiller spricht in der Bürgersprechstunde der Stadtratssitzung. Sie warnt vor einer Stigmatisierung der Stadt Bischofswerda als Zentrum des Rechtsextremismus, sollte der angekündigte Treff der rechten Szene tatsächlich entstehen.
Frieda Schiller spricht in der Bürgersprechstunde der Stadtratssitzung. Sie warnt vor einer Stigmatisierung der Stadt Bischofswerda als Zentrum des Rechtsextremismus, sollte der angekündigte Treff der rechten Szene tatsächlich entstehen. © Rocci Klein

Bischofswerda wird sich friedlich zur Wehr setzen

Vertreter aller fünf im Stadtrat vertretenen Parteien und der parteiunabhängigen Vereinigung Bürger für Bischofswerda sprachen sich  in klaren Worten gegen das geplante Zentrum aus - und sie stärkten Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) den Rücken. Er hatte sich in der vergangenen Woche in einem Statemant gegenüber Sächsische.de prononciert zum Thema geäußert.  

"Wir werden uns als Stadtgesellschaft friedlich gegen menschenverachtendes, rassistisches und diskriminierendes Gedankengut zur Wehr setzen", wiederholte er am Dienstag vor dem Stadtrat seine Worte von vergangener Woche. Bischofswerda habe tolerante Menschen, aktive Vereine und sei eine weltoffene Stadt. Extremismus gleich welchen Coleurs gehöre nicht hierher, sagte Holm Große. 

Nach wie vor ist offen, wo in Bischofswerda das von Zloch angekündigte "patriotische Jugendzentrum" entstehen soll und ob es tatsächlich geplant ist, oder ob es sich um eine Marketing-Aktion handelt, um ein neues Produkt zu promoten. Trotzdem: "Wir müssen die Ankündigung ernst nehmen  und klar Stellung beziehen", sagte der Oberbürgermeister. 

Mit den Plänen, das Jugendhaus an der Belmsdorfer Straße für mehr als eine Million Euro zu sanieren, zeige die Stadt Bischofswerda, "dass uns die Jugend sehr wichtig ist".  Bischofswerda wolle aber kein Haus, wo sich die rechtsextreme Szene der Region trifft, um nach Zlochs Ankündigung Kraft- und Kampfsport zu trainieren. 

Der Beitrag wurde am 1. Juli 2020, um 10 Uhr, aktualisiert. 

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