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Christians Handy gibt Ermittlern weiter Rätsel auf

Auch die Eltern haben viele Fragen zu den mobilen Daten ihres toten Sohnes. Mit den Antworten verbinden sie die Hoffnung auf Aufklärung.

Gibt Christians Handy seine Geheimnisse preis?
Gibt Christians Handy seine Geheimnisse preis? © Flyer Vermisstensuche

Leisnig. Dirk und Susan Morgenstern sind zurück aus dem Sommerurlaub. Den wollte ihr Sohn Christian eigentlich mit ihnen verbringen. Das hatte ihnen der 20-Jährige nur wenige Stunden, bevor er zunächst spurlos verschwand, mitgeteilt.

Im Urlaub hat Vater Dirk Morgenstern auch einen Anruf von den Ermittlern bekommen. Sie hätten ihn um Geduld gebeten. Auch ein halbes Jahr, nachdem der Student leblos aus der Mulde bei Grimma geborgen worden ist, beschäftigen sich Experten mit dem Handy des Leisnigers. 

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Die Chemnitzer Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart teilt auf DA-Anfrage mit: „Derzeit wird noch immer versucht, den Zugangscode des sichergestellten Handys zu ermitteln, um das Handy anschließend auszulesen.“ Dies könne aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Parallel dazu stehen Polizei und Staatsanwaltschaft offenbar mit dem Telefon-Hersteller Apple im Kontakt. Ingrid Burghart erklärt das folgendermaßen: „Nachdem das Handy bei der Leiche gefunden wurde, wurde es von einem Kriminaltechniker eingeschaltet. Mit Hilfe des Wassersensors wurde als letzte Systemzeit der 1. Januar 2019, 4.15 Uhr, festgestellt.“ Am Neujahrstag gegen 3.45 Uhr hat sich Christian von seinen Freunden verabschiedet. Mit denen feierte er am Schlossberg und auf dem Marktplatz ins neue Jahr hinein.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, „dass das Gerät danach nicht mehr gearbeitet hat, spätere Datensatzübermittlungen geräteunabhängig erfolgten und bei Apple eventuell die Verwendung einer neuen SIM-Karte als Zugriff durch das Handy mit der Anschlussnummer registriert wurde“, so die Oberstaatsanwältin. Zur Klärung dieser Frage sei an Apple eine Anfrage zum grundsätzlich technischen Prozedere bei der Verwendung einer neuen SIM-Karte für die Handyanschlussnummer gestellt worden. Eine Antwort stehe noch aus.

Diese aktuellen Erkenntnisse verwundern Dirk Morgenstern. Zum einen hat er selbst eine neue SIM-Karte beantragt und am 5. Januar erhalten – von Vodafone, dem Handy-Vertragspartner. Zum anderen macht ihn stutzig, dass spätere Datenübermittlungen geräteunabhängig erfolgt sein sollen. Immerhin hatte die Polizei ermittelt, dass sich Christians Handy am 2. und 7. Januar kurz im Empfangsbereich des familieneigenen Wlans befunden hat.

Die Liste der Fragen bleibt lang. Die Morgensterns bauen weiter darauf, dass es gelingt, den Handycode zu knacken, die Daten verwertbar und hilfreich sind. „Das ist unsere größte Hoffnung“, so Dirk Morgenstern. Dass ihr Sohn den Freitod gewählt hat, daran glauben sie nach wie vor nicht. In ihren Augen spricht weiterhin zu viel für eine Straftat. Hinweise darauf haben sich aber auch nach weiteren Fernseh- und Zeitungsberichten nicht ergeben.

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