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Ohne Gnade: Abiturienten haben Prüfungen

Ab Montag ist wieder Schule, schon vier Tage später steht die erste Prüfung an. Schüler aus dem Kreis Görlitz fühlen sich benachteiligt. Und haben nur eine Wahl.

Benjamin Pohl büffelt zu Hause Physik. Der Oderwitzer gehört zu den Abiturienten des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums, für die nächste Woche die Prüfungen beginnen.
Benjamin Pohl büffelt zu Hause Physik. Der Oderwitzer gehört zu den Abiturienten des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums, für die nächste Woche die Prüfungen beginnen. © Matthias Weber/photoweber.de

Sie haben alles versucht: Sie haben an Kultusminister Christian Piwarz (CDU) persönlich geschrieben, sich an die Medien gewandt, offene Briefe verschickt. Aber aller Protest der Abiturienten aus Ostsachsen ist weitgehend ungehört verhallt. Der Fahrplan für die Abiturprüfungen steht, so hat es der Minister am Gründonnerstag verkündet.

Was das für die Schüler heißt, macht den meisten von ihnen große Angst: Am Montag müssen sie wieder in die Schule gehen, um unter Corona-Schutzbedingungen wenigstens noch ein paar Konsultationen mit ihren Fachlehrern absolvieren zu können.

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Schon vier Tage später steht mit Physik die erste Prüfung an, die anderen Fächer folgen Schlag auf Schlag immer nur wenige Tage später. Die Abiturprüfungen in Sachsen finden trotz Corona-Einschränkungen an den planmäßigen Terminen statt.

"Wir können das nicht fassen und fühlen uns benachteiligt", sagt Julia Müldener. Die 18-jährige Abiturientin aus Olbersdorf hat im Namen der Schüler des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums an den Kultusminister geschrieben und um eine Verschiebung der Prüfungen um mindestens vier Wochen gebeten.

Dasselbe hat auch Cora-Ann Gerber aus Wittgendorf im Namen der Abiturienten des Beruflichen Schulzentrums in Görlitz gefordert. "Es ist ja nicht nur so, dass wir nach vier Wochen Selbststudium überhaupt nicht optimal auf die Prüfungen vorbereitet sind", sagt sie, "wir haben ganz einfach auch Angst vor einer Ansteckung." Sie selbst, die eine Lebererkrankung hat, und auch ihr Freund, der Asthmatiker ist, gehören zur Risikogruppe. "Wir haben uns bis jetzt kaum aus dem Haus getraut", sagt sie. "Und jetzt sollen wir die ersten sein, die wieder Schule haben, nur um die Prüfungen termingerecht zu schreiben." 

Schüler wollen Angebot des Ministers nicht annehmen

Eine Antwort aus dem Kultusministerium auf ihre Bitten haben die Abiturienten schnell bekommen. Aber es ist nicht die, die sie haben wollten. Eine Verschiebung der Abiturprüfungen insgesamt kommt in Sachsen nicht infrage. 

Stattdessen macht der Kultusminister allen Abiturienten, die jetzt an den Prüfungen nicht teilnehmen wollen, das Angebot, sich für die ebenfalls bereits festgelegten Nachschreibe-Termine entscheiden zu können - auch ohne ein ärztliches Attest. Eine  schriftliche Erklärung des Schülers genügt.

Für die Abiturienten aus Ostsachsen ist das allerdings keine wirkliche Option. "Jeder weiß doch, dass die Prüfungen an den Nachschreibe-Terminen von vornherein schwieriger sind", sagt Benjamin Pohl aus Oderwitz. "Auch viele Lehrer haben uns davon abgeraten, freiwillig auf diese Termine auszuweichen. Schön wäre es gewesen, wenn der Minister die Nachschreibe-Termine zu Erstterminen für alle erklärt hätte, dann hätten wir alle gleiche, faire Chancen gehabt." Aber so?

Jetzt sitzt der 18-Jährige zu Hause im Wohnzimmer und versucht sich an der Atomphysik, einem Stoffgebiet, das sein Leistungskurs im Unterricht gar nicht mehr geschafft hat. "Das ist so komplex, dass man das kaum im Selbststudium hinbekommt", sagt Benjamin. Und dabei gehört er zu den guten Schülern. "Ich weiß nicht, was ich da hinschreiben kann, wenn das in der Prüfung drankommt", sagt er resigniert. Er kann sich mit seinen Mitschülern und Fachlehrern auch nur über Whatsapp verständigen. Moderne Unterrichtsformen wie Homeschooling oder Videochats gibt es an seinem Gymnasium nicht.

Experimente können zu Hause nicht geübt werden

Und noch ein Problem haben die Abiturienten jetzt gerade mit den Naturwissenschaften: Die Prüfungen enthalten auch einen praktischen Teil. "Aber wie sollen wir denn zu Hause Experimente üben?", fragt Benjamin Pohl. Normalerweise werden diese Dinge in den Konsultationen vor den Prüfungen noch einmal wiederholt. Aber das Physik-Abi schreiben die Schüler bereits am Freitag kommender Woche. Für Konsultationen sind da nur noch drei Tage Zeit.

An den Gymnasien warten die Lehrer indessen noch auf genaue Regelungen aus dem Kultusministerium, wie der am Montag beginnende Unterricht und die Prüfungen unter Corona-Schutzmaßnahmen ablaufen sollen. "Natürlich können wir die Ängste der Schüler verstehen", sagt Gordon Steudner, der stellvertretende Schulleiter am Zittauer Weise-Gymnasium. "Aber wir können ihnen auch versichern, dass wir alles tun werden, um ihnen bestmögliche Prüfungsbedingungen zu garantieren."

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