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Corona-Krise: DRK zieht Container ab

An allen 20 Standorten in und um Löbau müssen die Kleiderspender weg. Auch die Straßensammlungen fallen flach. Doch wohin mit den Sachen?

Von Constanze Junghanß
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Symbolbild
Symbolbild © SZ/Uwe Soeder

Jetzt sind auch beim DRK Löbau die Auswirkungen der Corona-Krise in einem Bereich angekommen, der bislang reibungslos funktionierte. Das betrifft die Kleidercontainer. Die kommen nun alle weg. Altkleider können somit nicht mehr von den Privathaushalten auf diesem Weg entsorgt werden. Wie lange das so bleibt, ist aktuell noch völlig offen. Alle 20 Standorte betrifft das, die meisten – nämlich zwölf – im Löbauer Stadtgebiet. Weitere befinden sich in Ebersdorf, Kittlitz, Neusalza, Ruppersdorf, Großschweidnitz und Oppach. Deren Tage sind gezählt. Nach Angaben vom DRK-Kreisverband werden die Container kurzfristig von den Standorten entfernt.

Dort konnten bisher Spender gebrauchte Anziehsachen und Tischwäsche einwerfen, die für die Wiederverwertung bestimmt gewesen sind. "Unser Kreisverband muss die Container abziehen", bestätigt Silke Seeliger. Die DRK-Geschäftsführerin bedauert, dass im gleichen Zuge auch die Straßenkleidersammlung vorerst flach fällt. Grund dafür: "Unser Abnehmer für überschüssige oder schlechtere Ware kündigt uns den Vertrag", sagt sie. Das ist das Unternehmen SOEX, Textil-Vermarktungsgesellschaft mbH mit Sitz in Ahrensburg.

Kaum Nachfrage nach Altkleidern

Mit dem gleichen Problem kämpft auch der DRK-Kreisverband Görlitz. Die Görlitzer hatten im Norden des Kreisgebiets 60 Container-Standorte, darunter auch in Reichenbach und Sohland. Wegen der Corona-Krise sei der internationale Warenhandel zum Erliegen gekommen, hatten die Görlitzer bereits Ende April auf Facebook mitgeteilt. Die Märkte in den Zielländern für Second-Hand-Kleidung – unter anderem in Osteuropa und Afrika wurden geschlossen. Das habe dazu geführt, dass die Sachen nur noch sehr eingeschränkt abgesetzt werden konnten, teilte das DRK Görlitz mit.

Gegenüber der SZ bestätigte Martin Wittmann, Vorsitzender des Fachverbandes Textilrecycling des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) kürzlich, dass die Nachfrage nach Altkleidern fast vollständig versiegte und kaum noch Erlöse zu erzielen sind.

Dabei ist auch das DRK Löbau auf diese Einnahmequelle angewiesen. "Das Geld ist für soziale Zwecke gedacht", erklärt DRK-Mitarbeiterin Grit Kahlert. Nun fällt diese Einnahme weg. Bei Frau Kahlert haben sich auch bereits erste Spender gemeldet, die nicht wissen, wohin sie ihre Sachen bringen können. Eine Möglichkeit gibt es in Löbau. Die DRK-Kleiderkammer auf der Äußeren Zittauer Straße 47A bleibt definitiv offen. Einerseits können da Bedürftige weiter gegen einen Obolus Anziehsachen und Tischwäsche erwerben. Andererseits werden gern tragbare und saubere Sachen angenommen. Allerdings macht Silke Seeliger auch darauf aufmerksam: "Die Sachen werden vor Ort kontrolliert und eventuell müssen Teile den Spendern wieder mitgegeben werden", sagt sie. Denn sonst wären die Entsorgungskosten für den Kreisverband nicht zu stemmen. Eine Vorsortierung  zu Hause sei demzufolge günstig.

Ausgerechnet jetzt haben Unbekannte die vor dem Abzug aus der Öffentlichkeit aufgestellten Kleidercontainer in Großschweidnitz mit fünf Säcken Bauschutt vollgestopft. Darüber ist der Ärger bei den DRK-Mitarbeitern groß. Auf den Entsorgungskosten bleibt der soziale Träger sitzen – zusätzlich zu der ohnehin angespannten Entsorgungssituation.

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