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Hier kommt keiner mehr durch! Oder doch?

Die Grenzen zu Polen und Tschechien sind dicht. Beim Überwachen hilft sogar das Militär. Nur für Ärzte und Pflegekräfte gibt es Lücken - und für Schmuggler.

Tschechische Patrouille am Grenzübergang von Petrovice (Petersdorf) nach Lückendorf. Nur hier und in Neugersdorf dürfen ausgewählte Berechtigte ein- und ausreisen.
Tschechische Patrouille am Grenzübergang von Petrovice (Petersdorf) nach Lückendorf. Nur hier und in Neugersdorf dürfen ausgewählte Berechtigte ein- und ausreisen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der Soldat und die Polizisten sind schwer bewaffnet. Wer in diesen Tagen hier einen Grenzdurchbruch wagen wollte, hätte schlechte Karten. Der friedliche Touristenübergang vom tschechischen Petrovice (Petersdorf) nach Lückendorf im Zittauer Gebirge ist zu einer streng bewachten Personen-Schleuse geworden. Bis auf diesen und einen Übergang in Neugersdorf ist die tschechische Grenze dicht

Nur ein ausgewählter Personenkreis darf sie noch passieren: medizinisches Personal,  tschechische Ärzte und Pflegekräfte, die auf dieser Seite des Dreiländerecks arbeiten. Lange Verhandlungen der Sächsischen Landesregierung mit der tschechischen Seite haben das möglich gemacht.

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"Zum Glück", sagt Dr. Milan Sedlak. Der Gynäkologe aus Liberec (Reichenberg) hat seit einem Jahr eine eigene Frauenarztpraxis in Großschönau, jeden Dienstag operiert er zudem noch in der Frauenklinik im Zittauer Krankenhaus. Er hatte sich nach der Ankündigung der tschechischen Grenzschließung schon darauf eingerichtet, vorübergehend in seiner Praxis wohnen zu müssen.

Zum Glück darf er weiter pendeln. Wenn das auch eine ziemlich lästige Tortur geworden ist. Milan Sedlak nimmt sie zähneknirschend, aber freundlich hin: Von Liberec aus muss er jetzt also über Petrovice und Lückendorf nach Zittau fahren. Das sei zwar eine landschaftlich sehr schöne Strecke, sagt er, aber für die tägliche Gebirgsrundfahrt braucht er 20 Minuten mehr Zeit.

Der tschechische Arzt Milan Sedlak muss jetzt täglich von Liberec aus über den Grenzübergang Petrovice-Lückendorf zur Arbeit nach Zittau und Großschönau fahren.
Der tschechische Arzt Milan Sedlak muss jetzt täglich von Liberec aus über den Grenzübergang Petrovice-Lückendorf zur Arbeit nach Zittau und Großschönau fahren. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Und an diesem Morgen hat er es eilig. Aber er muss auch diesmal diese ganze Prozedur über sich ergehen lassen: Ausweis vorzeigen. Sondergenehmigung vorzeigen. Einer der Grenzbeamten verschwindet mit den Papieren in einem blauen Container, der Soldat bleibt vor dem Auto. Jedesmal. Auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt.

Es dauert ein paar Minuten, bis der Beamte mit den Papieren wieder aus dem Container kommt, der Soldat den rot-weißen Straßenkegel vor Sedlaks Auto zur Seite nimmt und der Arzt seinen Wagen vorsichtig durch die Absperrungen manövrieren kann. Früh zwischen halb sechs und halb acht, wenn die meisten zur Arbeit fahren, bildet sich da schon mal eine Schlange.

Auf deutscher Seite angekommen, schiebt Sedlak den Mundschutz unters Kinn. Alleine im Auto braucht er ihn ja nun wirklich nicht. Sie tragen alle Mundschutz in Tschechien, der Soldat sogar einen passend zur Uniform. Ein Mundschutz ist gerade Pflicht in Tschechien. Aber zu Ostern soll das gelockert werden, sagt Sedlak. "Wenigstens beim Fahrradfahren und Joggen darf man ihn dann weglassen. Joggen Sie mal mit Mundschutz."

Strenge Grenzkontrollen am Touristenübergang von Petrovice nach Lückendorf.
Strenge Grenzkontrollen am Touristenübergang von Petrovice nach Lückendorf. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Auf deutscher Seite bleibt Sedlak von solchen Kontrollen unbehelligt. Bundespolizisten stehen nicht an den Grenzübergängen. Warum auch? Weder die deutsch-tschechische noch die deutsch-polnische Grenze sind durch die Bundesrepublik geschlossen worden, erklärt der Bundespolizeisprecher, Alfred Klaner. Aus deutscher Sicht sei damit theoretisch auch weiterhin ein Grenzübertritt für EU-Bürger möglich. Aber eben nur theoretisch. 

Praktisch wird die Grenze von tschechischer und polnischer Seite streng kontrolliert. Dafür sind in beiden Ländern auch Soldaten im Einsatz. Die sollen sichern helfen, dass neben Pendlern in medizinischen Berufen auch ja keiner von hüben nach drüben gelangen kann. 

Schmuggler kommen über die grüne Grenze

Aber das ist mit der Schließung aller offiziellen Grenzübergänge zu einer wahren Mammutaufgabe für die Beamten geworden. Denn wenn offizielle Wege versperrt sind, nehmen illegale Grenzübertritte über die grüne Grenze wieder zu. Und inzwischen scheint auch das Pascherleben wieder aufzublühen. Erst diese Woche beispielsweise haben Bundespolizisten in Zittau einen hier lebenden Tschechen gestellt, der sich offenbar gerade in seiner Heimat mit einem Nachschub an Drogen versorgt hatte.

Generell aber können auf deutscher Seite weder die Bundespolizei noch der Zoll eine Zunahme des Schmuggelgeschäfts bestätigen. Es gebe seit der Grenzschließung nicht mehr Feststellungen als zuvor, sagt Heike Wilsdorf vom Dresdener Hauptzollamt.

Anders an der grünen Grenze zwischen Tschechien und Polen. Hier haben die Beamten offenbar jede Menge zu tun, um illegale Grenzübertritte und Grenzgeschäfte jeglicher Art zu verhindern. Die tschechische Polizei spricht sogar von "gefährlichen Unruhen". 

Auf der Webseite der Grenzstadt Hrádek nad Nisou (Grottau) warnt Bürgermeister Josef Horinka seine Einwohner sogar, dass Grenzübertritte hart bestraft werden. „Alle Delikte und illegale Versuche, die Grenzen zu übertreten werden geahndet", bestätigt zudem die Leiterin der Stadtpolizei.

Es gibt Zeugen, die bestätigten, dass im Ortsteil Václavice (Wetzwalde) an der Grenze zu Polen Gruppen von Motorradfahrern und Menschen mit Rucksäcken gesehen wurden. Auch zwischen dem tschechischen Oldřichov (Ullersdorf) und dem polnischen Kopaczow (Oberullersdorf) gebe es neuerdings einen regen Grenzverkehr.

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Es gebe hier Dutzende Delikte, heißt es von der Polizei, vor allem auch Drogenschmuggel. Zudem haben die Soldaten am Wochenende geholfen, 30 geschlossene Ausflugsziele zu bewachen. 20 Steifen seien unterwegs gewesen. Und diese Maßnahmen werden über die Osterfeiertage weiterlaufen.

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