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Löbau

Ansturm auf Löbauer Läden bleibt aus

Für die kleinen Einzelhändler ist der Start am Montag Vormittag nicht leicht gewesen. Trotzdem sind die froh, ihre Ladentüren wieder aufschließen zu können.

Evelyn Huschke-Langenfeld bedient in ihrem Spielzeugladen jetzt mit Mundschutz. Aber sie ist froh, wieder öffnen zu können.
Evelyn Huschke-Langenfeld bedient in ihrem Spielzeugladen jetzt mit Mundschutz. Aber sie ist froh, wieder öffnen zu können. © Rafael Sampedro

Claudia Wirlsch und Petra Jung sind glücklich. Endlich wieder Schaufensterbummeln in Löbau! Die Bekleidungsgeschäfte haben seit Montag offen, der Spielzeugladen auch und andere, die seit etwa einem Monat die Türen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen dicht machen mussten. „Wir sind aktuell in Kurzarbeit, haben deshalb auch Zeit dafür“, sagt Claudia Wirlsch, zieht die Maske über Mund und Nase und betritt mit ihrer Freundin „Verena Moden“ auf der Bahnhofstraße

Die Sommerkollektion hängt auf der Stange. Was passt vielleicht am besten zur handgenähten Gesichtsbedeckung? Frau Wirlsch kramt in der Tasche und holt gleich mehrere Modelle hervor. „Die haben wir aus einer Bernstädter Boutique“, erzählt sie. Dort würde die Geschäftsfrau selber an der Nähmaschine sitzen und die Masken, die seit Montag zum Einkauf und im öffentlichen Nahverkehr in Sachsen gefordert werden, produzieren. „Gegen eine Spende, die dem Tierheim zugute kommt, gibt es die“, ergänzt ihre Begleiterin. 

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Während sich die Damen im Laden umschauen, strahlen die Augen von Verena Brodeck. Die Inhaberin des Bekleidungsgeschäfts hat, wie viele andere Ladenbesitzer, eine mehrwöchige Durststrecke hinter sich. „Vier Wochen kein Umsatz, meine Mitarbeiterin auf Kurzarbeit, dazu die laufenden Kosten“, sagt sie. Die Hilfsgelder vom Bund in Höhe von 9.000 Euro hätten wenigstens einen Teil der Ausgaben der neuen Kollektion abgedeckt. Trotzdem ist sie zufrieden. Wieder durchstarten können sei das Wichtigste. „Es läuft langsam an, ich muss sehen, wie sich das alles entwickelt“, sagt sie. 

Stöbern mit Mundschutz: Kunden bei Verena Moden in Löbau auf der Bahnhofstraße.
Stöbern mit Mundschutz: Kunden bei Verena Moden in Löbau auf der Bahnhofstraße. © Rafael Sampedro

Wenig Besucherverkehr auf der Bahnhofstraße

Tatsächlich ist am Vormittag der Besucherverkehr auf der Bahnhofstraße und im Innenstadtbereich Richtung Altmarkt überschaubar. Schlange stehen wie bei Rossmann etwa? Fehlanzeige. Die kleinen Einzelhändler hätten es mit Sicherheit ziemlich schwer, findet ein älterer Herr. Gucken will er, was los ist in der Stadt. Mundschutz? „Mein Schal reicht doch aus“, sagt er. Auffällig ist, dass vor allem die Älteren, die ganz alleine unterwegs sind, keine der bequemen selbst genähten Masken, sondern eher Staubschutzmasken und ähnliche Behelfsteile tragen. Eine Seniorin wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Ich kann unter der Maske nicht gut atmen“, hebt sie bedauernd die Schultern. Und nein, draußen unter freiem Himmel mag sie das „Ding“ nicht anziehen. „Nur im Laden“, sagt sie.

Besser mit dem Luft holen funktioniert das bei den Stoffteilen. Im Yoga- und Wohlfühlladen auf dem Altmarkt hat Katharina Brychcy welche genäht. Blau mit Punkten, altrosa mit Blumen. Vergangene Woche stockte der Laden das Lebensmittel- und Drogeriesortiment auf, um an zwei Tagen öffnen zu können. Jetzt gibt es neben Duftölen, Biozahnpasta und Kleidung auch regional hergestelltes Mehl, Säfte und Naturprodukte. „Wir können aktuell aber nur verkürzt von 10 bis 14 Uhr öffnen“, sagt die Yogalehrerin. Grund dafür: Ihre Kolleginnen betreuen die Kinder Zuhause. „Aber schön, dass ihr offen habt“, ruft Kundin Nicole Netter, als sie eintritt. Da gebe es immer „so spezielle Sachen, die man nicht im Supermarkt bekommt.“

Derweil wartet Evelyn Huschke-Langenfeld im Spielzeugladen auf Kundschaft. „Für uns ist die Lockerung eine große Erleichterung“, sagt die Unternehmerin. Ein kleines Stück Normalität würde mit der Öffnung nun wieder einziehen, wenngleich am Montag früh keine Massen an Kundschaft durch das Löbauer Stadtgebiet laufen. 

So sieht jetzt der Alltag aus, nicht nur in den Löbauer Geschäften: Mundschutz tragen und Abstand halten.
So sieht jetzt der Alltag aus, nicht nur in den Löbauer Geschäften: Mundschutz tragen und Abstand halten. © Rafael Sampedro

Mitarbeiterin entlassen

Ein bisschen mehr Belebung als die letzten Wochen sei schon zu spüren, hat der junge Mann, der bei der Bäckerei Schwerdtner hinterm Tresen steht, beobachtet. Von einem Ansturm auf die kleinen Einzelhandelsgeschäfte kann keinesfalls die Rede sein. Vorgesorgt haben alle Geschäfte. Überall sind Schilder mit Abstandsregelungen, Mundschutzpflicht, Hinweisen zur Händedesinfektion zu entdecken. Bianka Engesser hat – passend zu den roten Kleidern im vorderen Verkaufsbereich – einen roten Schal vor den Mund gebunden. Bei ihrer Vintage-Mode auf der Görlitzer Straße liegen Tücher auf einem Tisch. „Zum drum machen, falls jemand noch keine Maske hat“, sagt die Geschäftsführerin. Die sind gratis zum Mitnehmen. 

Bianka Engesser seufzt hörbar hinter ihrem Schal. Vor einem Jahr ging ihr Second-Hand-Laden an den Start, alles lief gut. Bis das Virus kam und sie auf eine harte Probe stellte. Eine Mitarbeiterin musste sie entlassen, die andere auf Kurzarbeit setzen. „Dabei hatten wir noch vor wenigen Wochen überlegt, eine weitere Mitarbeiterin einzustellen“, sagt sie. 

Jetzt geht es erst mal darum, den Laden am Laufen zu halten. Drei Kunden kamen bis zum Mittag, eine davon eine Stammkundin aus Görlitz. Bianka Engesser sagt, dass sie schon etwas Angst hat, ob und wie es weiter geht. Aber aufgeben ist keine Option und sie hat die Hoffnung, dass sich bald alles wieder einpegelt.

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