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Zittau

Fünf Tage Quarantäne

Die Zittauerin Stefanie Thomsch und ihre Familie durften in den vergangenen Tagen ihre Wohnung nicht verlassen. Nun gab es für sie eine erlösende Nachricht.

Stefanie Thomsch und ihre Familie mussten mehrere Tage in Quarantäne leben.
Stefanie Thomsch und ihre Familie mussten mehrere Tage in Quarantäne leben. © Matthias Weber

Mit Kopfschmerzen, Fieber, starkem Husten und Luftproblemen fing alles an. "Da ich Asthmatikerin bin, ist zumindest Letzteres nicht unbekannt", erzählt Stefanie Thomsch aus Zittau und fügt hinzu, dass sie durch ihre Multiple-Sklerose-Erkrankung eh anfälliger sei. Doch in einer Zeit, in der immer mehr Menschen am Coronavirus erkranken, ist ein Husten eben nicht mehr nur ein Husten. 

Und so machte sich auch die 35-jährige Zittauerin so ihre Gedanken. Immerhin hatte sie einige Tage zuvor, am 6. März, in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) ein Konzert mit Tausenden Leuten besucht. Die Arena Oberhausen war an diesem Abend bis auf die oberen Ränge komplett gefüllt gewesen - und mittendrin Stefanie Thomsch und ihr Sohn. "Zu diesem Zeitpunkt galt das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern noch nicht", sagt die 35-Jährige.

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Erste Symptome vier Tage nach dem Konzert

Am Dienstag nach dem Konzert traten bei ihr die ersten Symptome auf. Als diese bis zum darauffolgenden Donnerstag weiter zunahmen, machte sie einen Test. "Dann hieß es für uns einfach, in Geduld üben", sagt sie. Und in Quarantäne gehen. Denn die Anweisung des Gesundheitsamtes Görlitz war ganz klar: Solange kein negatives Testergebnis vorliegt, dürfen sie nicht mehr raus.

"Ich gebe zu, dass ich bisweilen zu den Menschen gehört habe, die sich sehr wohl auch einen Witz auf Kosten der Corona-Erkrankung erlaubt haben", erzählt Stefanie Thomsch. "Das ändert sich ganz, ganz schnell, wenn man selber davon betroffen ist und sei es nur eine Verdachtsdiagnose."

Der Verdacht bedeutete aber nicht nur, einfach zu Hause zu bleiben, sondern auch verschiedene Stellen zu informieren. So auch die beiden Schulen ihrer Kinder. "Verdacht ist nun mal Verdacht und muss ja weitergemeldet werden", meint sie.

Bereits das Leeren des Briefkastens wird zum Problem

Auch für ihren Mann hatte es Konsequenzen. Er musste ebenfalls in Quarantäne und durfte nicht mehr auf Arbeit gehen. Die drei Hunde der Familie mussten nun zwangsläufig alleine im Garten spazieren gehen. "Wohnungstür auf, Haustür auf, und weiter darf man ja nicht", sagt die junge Zittauerin. "Man lacht darüber, dass bereits ein simples Leeren des Briefkastens dann zum Problem werden kann", fügt sie hinzu.

Hilfe fand die Zittauer Familie über die Facebook-Gruppe "Corona Hilfe Zittau". "Das war so schnell umgesetzt, so schnell konnte ich gar nicht schauen, wie hier die erste Familie vor der Tür stand, um mit unseren Hunden Gassi zu gehen", ist Stefanie Thomsch dankbar. Die Leinen habe sie einfach mit Desinfektionsmittel im Tuch an die jeweiligen Leute abgegeben, sagt sie. Die neue Facebook-Gruppe sei wundervoll, so tolle Menschen, die sich gegenseitig ohne Wenn und Aber helfen, lobt Stefanie Thomsch die Helfer in den höchsten Tönen.

Zum Glück hatte sie in Görlitz noch ein Desinfektionsmittel bekommen, das letzte. "Ich musste mich dafür noch zanken", erzählt die Zittauerin. Für die "Hamsterkäufe" mancher Kunden hat sie so gar kein Verständnis. "Die Menschen begreifen gerade nicht, dass das, was sie tun, der völlig falsche Weg ist."

"Wir waren sehr blauäugig"

Ein kleiner Vorrat an Lebensmitteln wäre für die Familie natürlich hilfreich gewesen. "Aber da waren wir sehr blauäugig", gibt die Zittauerin offen zu. "Wir haben wirklich weitergelebt wie vorher. Ich bin aber auch nicht der Typ fürs Bunkern ... leider", meint sie. Dafür haben sie aber einen tollen Freundeskreis, der ihnen Sachen vor die Tür gestellt hatte. Auch die Verwandten fragten sofort, ob die vierköpfige Familie etwas brauche. "Über den Freundeskreis haben wir das aber ganz gut hinbekommen", berichtet sie weiter.

Nun kann die Zittauer Familie wieder selber einkaufen, denn am Dienstagmorgen kam nach fünf Tagen Quarantäne der für sie erlösende Anruf: Sie haben kein Corona. "Ich und meine Familie sind froh, dass dieser Wahnsinn jetzt erst mal ein Ende hat und wir gottlob uns mit dieser schlimmen Erkrankung nicht angesteckt haben", ist die 35-Jährige glücklich. Sie wünscht sich, dass die Menschen jetzt zusammenrücken und zusammenhalten. "Viele haben Angst um ihre Existenzen, viele haben Angst um ihr Leben, aber ich glaube, wenn man sich gegenseitig ein wenig Mut zuspricht, wird alles gut", bleibt die Zittauerin trotz aller Erlebnisse optimistisch.

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Stefanie Thomsch wünscht sich auch, dass alle, bei denen Symptome auftreten, auch zum Arzt gehen und sich nicht davor scheuen - auch auf die Gefahr hin, dass das Leben dann eben mal 14 Tage stillsteht. Bei ihrer Familie waren es zum Glück nur fünf Tage.

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