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Hoyerswerda

Damit der Zeißiger Sendemast nicht umfällt

Derzeit laufen am 176-Meter-Bauwerk aufwendige Wartungsarbeiten.

Der Antennenträger in Zeißig ist jetzt 23 Jahre alt. Er hat UKW-Antennen an seiner Spitze sowie in 105 Metern Höhe, dazwischen DABplus-Antennen.
Der Antennenträger in Zeißig ist jetzt 23 Jahre alt. Er hat UKW-Antennen an seiner Spitze sowie in 105 Metern Höhe, dazwischen DABplus-Antennen. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Wenn dieser Tage im Auto- oder Küchenradio Ihr Lieblingssender ausfällt, dann liegt es im Grunde an den Pardunen. Das Internet-Lexikon verrät, was das ist: „Eine Pardune ist ein Abspannseil für freistehende Masten.“ An Hoyerswerdas höchstem Bauwerk, dem 176 Meter messenden Zeißiger Sendemast, gibt es neun. 

Von drei Fundamenten rund um den Turm laufen je drei Stahlseile parallel in unterschiedliche Höhen. „Alle acht Jahre müssen sie auf Stand- und Zugfestigkeit überprüft werden“, sagt Fred Haberland. Er ist Standort-Manager beim Mast-Eigentümer Deutsche Funkturm GmbH, einer Tochter der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster.

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Auf dem Mast sind UKW- beziehungsweise DABplus-Antennen angebracht. Um sie herum gibt es jeweils eine Schutzzone, in die wegen der Stärke der elektromagnetischen Strahlung niemand hinein darf. Weil sich das aber während der Arbeiten nicht verhindern lässt, werden in solchen Fällen vom Sendergebäude am Fuß des Mastes aus die entsprechenden Antennen abgeschaltet und im Radio wird es still.

Für die Überprüfung beziehungsweise Begutachtung verantwortlich ist der Hannoveraner Ingenieur Dr. Günther Maschwitz. Allerdings käme er nicht weit ohne die Spezialisten der Berliner Turmbau Steffens & Nölle GmbH. Sie kümmerte sich bereits 1996 um die Errichtung des Zeißiger Bauwerkes. Offiziell handelt es sich um einen Antennenträger. Sein Vorgänger hingegen, der etwa zur selben Zeit nach 36 Jahren Betrieb gesprengt wurde, war in der Tat ein Sender im eigentlichen Sinn, also ein selbststrahlender Stahlgittermast.

Die Berliner Spezialisten rückten am Dienstag in Zeißig an, um zunächst die Gerätschaften zur Befahrung des Turms in Stellung zu bringen. Sie spannen parallel zu den Pardunen ein weiteres Stahlseil, an dem dann ein Fahrkorb befestigt wird. Von diesem Korb aus kann nicht nur der Ingenieur einen Blick auf die Abspannseile werfen. Er ist auch die Operationsbasis für Korrosionsschutz. Denn alle Pardunen bekommen eine neue Lage Nafuflex verpasst. Die Herstellerfirma sagt, es handele sich um eine „flexible Bauwerksabdichtung für erdberührte Bauteile“ aus polymervergütetem Bitumen. Das Erneuern der Beschichtung ist echte Handarbeit. Die Arbeiter ziehen sich einen Spezialhandschuh an, langen in den Nafuflex-Eimer und verteilen die Masse auf der Seiloberfläche. Nach unten kleckern kann dabei nichts, denn dem Fahrkorb ist eigens ein engmaschiges Fangnetz vorgespannt. Freilich weist der Nafuflex-Hersteller schon von selbst darauf hin, sein Erzeugnis sei umweltfreundlich.

Zwei Wochen lang dauern die Arbeiten auf dem Gelände an der Bautzener Straße in Zeißig. Sie beinhalten zum Beispiel auch das Abnehmen, Überholen und erneute Anbringen der Seilmarker. Dabei handelt es sich um die spindelförmigen Körper an den Pardunen, die zwecks Warnung angebracht sind. Sie sind eine Vorsichtsmaßnahme, damit die Piloten eventuell vorbei kommender Flugzeuge die Pardunen nicht übersehen können. Überprüft werden zudem die Fundamente, an denen die Abspannseile befestigt sind. Und man misst mittels Technik die daran wirkenden Vorspannkräfte. Übersteigen die dabei gemessenen Werte die Fehlertoleranz von zehn Prozent, muss nachgespannt werden. All das hat im Grunde genommen nur ein Ziel, jedoch ein wichtiges: Es soll verhindern, dass der Mast mangels Halt einfach umfällt. Und wo man schon einmal dabei ist, wird auch gleich der unweit auf demselben Gelände befindliche Mobil- und Richtfunkmast unter die Lupe genommen. Da er aber lediglich 67 Meter hoch ist, reicht dazu der Einsatz eines Hubsteigers aus.

Die Annahme, der Zeißiger Mast beziehungsweise die daran angebrachten Sender würden seit der Errichtung vor 23 Jahren einfach nur so vor sich hinfunken, ist also alles andere als korrekt. Schon der Bau selbst war aufwendig, kostete stolze 1,2 Millionen Mark. Da ist es wohl verständlich, dass die Deutsche Funkturm GmbH gern möglichst lange Freude daran hätte. Die Pardunen-Wartung reicht dafür nicht einmal aus. Im Rhythmus aller sechs Jahre muss der Gittermast selbst einer genauen Überprüfung unterzogen werden.

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