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Das Döbelner Theater war der Durchbruch

Seit 30 Jahren planen Vater und Sohn Schroeder Gebäude. Von Milchviehstall bis zum anspruchsvollen Repräsentationsobjekt.

Senior-Chef Norbert Schroeder (rechts) und Maik Schroeder stehen vor dem Anbau des Döbelner Theaters, das mit seiner modernen Formensprache zu einer entscheidenden Referenz für das Bauplanungsbüro Schroeder wurde.
Senior-Chef Norbert Schroeder (rechts) und Maik Schroeder stehen vor dem Anbau des Döbelner Theaters, das mit seiner modernen Formensprache zu einer entscheidenden Referenz für das Bauplanungsbüro Schroeder wurde. © Dietmar Thomas

Döbeln. Vor 16 Jahren hatte Maik Schroeder mit seinem Freund Thomas Thoss den Architekturwettbewerb für den Anbau des Theaters gewonnen. Heute gibt er zu, dass er damals als junger Architekt und Döbelner oft an sich gezweifelt hat. „Was, wenn die Leute sagen: Um Himmelswillen, was habt ihr denn da hingesetzt?“ 

Die Leute kamen tatsächlich, aber um ihn zu beglückwünschen. Für Maik Schroeder war das Theater der Durchbruch als Architekt.

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Beim Wettbewerb hatte Maik Schroeder einen Heimvorteil. Nicht nur, weil er als Döbelner für die Teilnahme gesetzt war. Zur Inspiration brauchte er sich nicht weit wegbewegen. „Ich hatte beobachtet, dass die Schauspieler, wenn sie die Garderoben betraten, als erstes die Rollläden herunterließen“, erzählt er. 

Die Funktionsräume des Theaters waren damals provisorisch in Containern untergebracht. Daraus entwickelte Schroeder die Idee einer undurchsichtigen Glasfassade für den Anbau. „Ich wollte aber, dass von draußen zu sehen ist, wenn jemand drinnen ist“, sagt er. Durch die milchigen Scheiben der Fassade dringt das Licht der Fenster nach außen durch. 

Damals setzte man dem Ganzen noch die Krone auf. Beleuchtung mit Leuchtdioden war gerade erschwinglich geworden. Also verpasste man der Fassade eine Hinterleuchtung, deren Farbe sogar gewechselt werden kann. Seitdem strahlt der Theateranbau bei jeder Vorstellung.

Maik Schroeder hat das Bauplanungsbüro Schröder, kurz BPS, vor elf Jahren übernommen. Angefangen hatte das alles aber mit Norbert Schroeder, dem Vater. Und das vor 30 Jahren. Schroeder senior hat ein bisschen gesucht und den unscheinbaren Zettel gefunden: Zum 1. April 1990 erteilte ihm der Rat des Kreises Döbeln die Gewerbegenehmigung als Bauplaner.

 Die DDR war noch nicht ganz Geschichte, aber die Wende schon vollzogen. Norbert Schroeder hatte im Herbst 1989 das obligatorische Begrüßungsgeld im bayrischen Hof abgeholt und bei der Gelegenheit gleich mal bei Kollegen in einem Architekturbüro angeklopft und gefragt, wie das läuft mit der Selbstständigkeit.

 „Die haben mit sehr abgeraten“, sagt er. Schroeder kündigte trotzdem seinen Job als Projektionsleiter beim „ZBO“, der „Zwischenbetrieblichen Bauorganisation“, wo er für zwei Baubetriebe all das geplant hatte, was für die Landwirtschaft gebraucht wurde: Ställe, Lagergebäude, Verwaltungsgebäude und auch Wohnhäuser. Er fing ganz alleine in einem Büro in seinem Wohnhaus in Gärtitz an, Gebäude zu entwerfen.

„Nach und nach habe ich Leute eingestellt“, sagt Norbert Schroeder. „Ab 1990 ging es ganz schön rund. Es kamen viele Westdeutsche und die wollten mit einem privaten Bauplaner zusammenarbeiten.“ Angesichts der erweiterten Möglichkeiten musste Schroeder blitzschnell dazulernen. „Als ganz am Anfang mal ein Auftraggeber von Rigipsplatten sprach, habe ich zwar ja gesagt, aber ich wusste nicht, was das ist“, erzählt er in der Nachbetrachtung. 

Mit dem Bäderbau kam Schroeder in den 1990er Jahren in Kontakt, als er die Leitung beim Neubau des Döbelner Freibades übernahm. Im Laufe der Jahre hat BPS einige Bäder – unter anderem in Döbeln und Leisnig – geplant.

Zu Beginn der 1990er gab es eine Menge zu tun. Autohäuser schossen wie Pilze aus dem Boden. Norbert Schroeder hat viele von ihnen entworfen. Das Büro kümmerte sich um Industriebauten und hat Hallen und Verwaltungsgebäude für mehrere Firmen geplant. „Industriebau zieht sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte“, sagt Norbert Schroeder. Er als Bauingenieur hatte die Gebäude vor allem von ihrer technischen und funktionalen Seite betrachtet. 

Zweitrangig war die architektonische Gestaltung. „Ich konnte nicht so schöne Bildchen malen“, sagt Norbert Schroeder lächelnd.

Maik Schroeder, der 1999 in die Firma des Vaters einstieg, hatte dagegen Architektur studiert. „Es machte mir im Studium Schwierigkeiten, mich bei der Gestaltung von diesen konstruktiven Aspekten freizumachen“, sagt Maik Schroeder. Auf der anderen Seite hilft dieser Ansatz aber auch bei anspruchsvollen Bauten. „Bei uns wird so gestaltet, dass es auch funktioniert“, sagt er. Industriebau gehört noch zu den Hauptfeldern des Büros. 

Nach dem Theater als Referenz hatte Maik Schroeder für die Firma Micromak in Chemnitz, einem innovativen Maschinenbauer, das erste architektonisch aufwendige Firmengebäude geplant. Mittlerweile sind noch zwei dazugekommen. Weitere Entwürfe vom Schroeder stehen in Mügeln und Löbau. „Wenn man erst mal eine Referenz hat und die Qualität stimmt, kommen schnell Folgeaufträge“, sagt er.

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Norbert Schroeder ist mittlerweile 75 Jahre alt und Ende vergangenen Jahres endgültig in den Ruhestand gegangen. Bis dahin hatte er in der Firma seines Sohnes noch als freier Mitarbeiter gearbeitet. Das letzte Projekt war ein Bad in Ottendorf-Okrilla. Kurz vor Ende seines Arbeitslebens kehrte Norbert Schroeder auch noch mal zu seinen Wurzeln in der Landwirtschaft zurück: Er plante einen großen Milchviehstall in Jeßnitz.

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