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Das ist Dresdens schnellste Läuferin

Dickköpfig, schnell, ungeschminkt - so rennt die 18-jährige Chiara Schimpf  auf den Spuren einer Vorzeige-Sprinterin.

Sprinterin Chiara Schimpf vom Dresdner SC.
Sprinterin Chiara Schimpf vom Dresdner SC. ©  dpa/Robert Michael

Sie ist das wahrscheinlich schnellste Versprechen des Dresdner SC. Zumindest im Frauenbereich. Chiara Schimpf, 18 Jahre jung, ein natürliches sympathisches, unverbrauchtes Gesicht. In dieser Saison ist die junge Frau aus Deutschbaselitz bei Kamenz sogar endlich dem Schatten ihrer Trainerin davongerannt. In 11,64 Sekunden krallte sie sich die Trainingsgruppen-Bestmarke von Bundestrainerin Claudia Marx (11,74 s) – die war zwar 400-m-Spezialistin, lief aber über die kurze Distanz nie schneller.

Und Chiara Schimpf ist noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung, die in dieser Saison rasant an Fahrt aufgenommen hat. Mit der neuen Bestzeit qualifizierte sich Schimpf im Einzel und für die 4x100-m-Staffel für die am Donnerstag im schwedischen Boras stattfindende U-20-EM. Begleitet wird sie dabei von ihren Klubkollegen Simon Wulff (100 m, Staffel) und Emilia Grahle (4x400 m).

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Sprinterin Chiara Schimpf zwischen Startblocks, die im Heinz-Steyer-Stadion an der Wand hängen.
Sprinterin Chiara Schimpf zwischen Startblocks, die im Heinz-Steyer-Stadion an der Wand hängen. ©  dpa

Mit einer Leistungsexplosion in diesem Ausmaß – sie verbesserte sich um fast 0,3 Sekunden – hat selbst Chiara Schimpf nicht gerechnet. „Um ehrlich zu sein, habe ich nicht daran gedacht, dass der Sprung nach vorn so groß ausfällt. Ausschlaggebend war“, sagt sie, „dass ich in der vergangenen Saison nicht so viele Wettkämpfe bestritten habe. Das hat mir Energie für die Saison geliefert. Und ich habe ein Umfeld, in dem ich mich richtig wohlfühle“. Dafür sorgt in erster Linie die 40-jährige Trainerin Claudia Marx – mit extrem direkter Ansprache, abwechslungsreichen Trainingsinhalten und der Förderung von Eigenverantwortung. Das kommt bei Talenten wie Chiara Schimpf an. „Wir haben sehr viel Neues ausprobiert, Widerstandsläufe auf hohem Technikniveau, vielfältiges Krafttraining und auch Yoga“, zählt Chiara Schimpf auf. „Frau Marx kommt es sehr darauf an, wie wir uns selbst wahrnehmen. Also, wie führe ich etwas aus. Das ist das, was ich am Training sehr schätze, dass wir uns auch selbst reflektieren“, sagt sie.

Die Zwölftklässlerin des Sportgymnasiums Dresden beschreibt sich als schüchterne Person, doch wenn es um ihren Sport geht, könnte sie sich auch gegenüber Fremden stundenlang erklären, ohne dass ihr Begeisterungslevel sinken würde. Obwohl sie freimütig zugibt, dass ihre engen Freunde sie auch anders kennen. „Hin und wieder bin ich auch mal etwas durchgeknallt“, sagt die Nachwuchshoffnung, deren Körperbau dem der deutschen Vorzeige-Sprinterin Gina Lückenkemper ähnelt.

Lückenkemper war wenig schneller

Die Vize-Europameisterin hatte 2018 als erste Deutsche seit der später des Dopings überführten Katrin Krabbe (1991) die Elf-Sekunden-Schallmauer durchbrochen. In Schimpfs Alter war Lückenkemper auf der kurzen Sprintstrecke in 11,54 Sekunden nur wenig schneller als die DSC-Athletin jetzt. „Für mich ist die breite deutsche Spitze mit Gina Lückenkemper ein Ansporn, mitzumachen und zu zeigen, was man draufhat. Das ist keine Belastung“, sagt sie.

Vielleicht liegt der Ursprung für ihren natürlichen Umgang mit Konkurrenz in ihrer Vergangenheit. Ihr Opa hat die fünfjährige Chiara damals beim SV Einheit Kamenz einfach mal auf die Bahn gestellt und gesagt: „Mache da mal mit“, gibt die Enkelin wieder. Jahre und eine stringente Leistungsentwicklung später steht die junge Frau auf der Schwelle zur deutschen Sprintspitze. Und staunt dabei noch ein bisschen über sich selbst.

Was nicht heißen soll, dass Chiara Schimpf eine Träumerin wäre. Im Gegenteil. Sie wirkt erwachsen, sehr fokussiert auf ihren Sprint, arbeite auch mit Sportpsychologin Grit Reimann zusammen. Ablekungen jedweder Art meidet sie. Deshalb tritt sie im Gegensatz zum Großteil der meist extrovertierten Sprintszene völlig ungeschminkt an. „Nee, dafür bin ich überhaupt nicht der Typ. Ich gehe so an den Start, wie ich bin. Man muss sich nicht verstellen, nur um international aufzufallen“. Ehrgeizig, sagt sie, sei sie. Manchmal auch zu viel davon. „Ich bin sehr stur und dickköpfig, da kann Frau Marx ein Lied davon singen“, erklärt Chiara lachend.

Aber sie weiß, wo sie hinwill – und wie sie sich vermeintlich am besten auf diesem Weg steuern muss. „Als Sprinter hat man das Ziel, wirklich frei zu laufen, so eine Art Fliegen. Das kann man nur mit Lockerheit erreichen“, beschreibt sie schwärmerisch. „Im Rennen sollten die Abläufe so automatisiert sein, dass man nur den Oberkörper wahrnimmt. Man sollte nicht merken, dass man die Füße auf dem Boden aufsetzt. Das ist das Gefühl, das man im Ziel haben will“, sagt sie. Deshalb lässt sie sich auch von Rückschlägen nicht abschrecken. Seit einem knöchernen Ausriss an der Hüfte vor vier Jahren wandert ein winzig kleiner Knochensplitter durch ihren Körper – mittlerweile von Gewebe umschlossen. „Da dürfte nichts passieren“, sagt sie lapidar. Von Schimpfs Karriere dürfte man, immer abhängig von der Gesundheit, das Gegenteil behaupten.

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Am Donnerstag ist Chiara in Bora übrigens bis ins Finale des 100-Meter-Laufes gestürmt, das am Freitag um 20.30 Uhrstattfinden sollte. Ihre Zeit im Halbfinale waren überragende 11,65, was ja nur eine Hundertstel über ihrer Bestzeit liegt. Damit hatte sie sich ihren Traum von der zweiten Runde im Sprint bereits übererfüllt. Und am Sonntag stehen dann noch die Staffelwettbewerbe über 4 mal 100 Meter an. Auch da ist Chiara natürlich mit dabei.

Alle Informationen zur aktuell laufenden Europameisterschaft der U-20-Leichtathleten (natürlich auch zum Finale mit Chiara am Freitagabend) findet man hier: www.leichtathletik.de/termine/top-events/u20-em-2019-boras

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