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Wie Görlitz immer bekannter wird

Görliwood hat jetzt einen Platz auf der Internetseite FilmQuest, wo bekannte Drehorte vorgestellt werden. Was Stefan Roesch, der Mann dahinter, Görlitz rät.

Stefan Roesch an seinem Lieblingsort in Görlitz, dem Kaufhaus. Anfang Januar war für mehrere Tage zu Besuch.
Stefan Roesch an seinem Lieblingsort in Görlitz, dem Kaufhaus. Anfang Januar war für mehrere Tage zu Besuch. ©  privat

Wenn alles klappt, dann werden Stefan Roesch und Pennie Hunt bald nach Andalusien und Griechenland reisen. Dort wollen sie Film-Drehorte besuchen. In Andalusien wurden zum Beispiel Szenen für „Star Wars“, „Indiana Jones“ und die Serie „Game of Thrones“ gedreht. Und in Griechenland wird es an Drehorte von „Mamma Mia“ und „James Bond“ gehen. Stefan Roesch ist großer Filmfan, hat seine Leidenschaft auch zum Beruf gemacht. Er stammt aus Bayern, lebt heute mit seiner Frau Pennie Hunt in Neuseeland. Sie ist Filmemacherin, er hat in Neuseeland seine Doktorarbeit im Bereich Filmtourismus geschrieben. Die beiden reisen viel. Wo sie waren, zeigen sie auf ihrer Internetseite FilmQuest. Sie stellen dort Drehorte bekannter Filme vor, darunter von „Harry Potter“, „Star Wars“, „Der Hobbit“. Seit Kurzem hat auch Görliwood einen Platz. Stefan Roesch und Pennie Hunt zeigen Szenenbilder aus Filmen, die hier gedreht worden sind, Fotos, wie es an den Drehorten aktuell aussieht, in manchen Bildern schneiden sie Filmszenen mit den echten Orten zusammen. Im SZ-Gespräch erzählt Stefan Roesch, wie er Görlitz sieht und welches sein Lieblingsdrehort ist.

Herr Roesch, Sie waren Anfang dieses Jahres in Görlitz. Wie sind Sie auf Görliwood aufmerksam geworden?

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Meine Frau und ich waren schon 2010 das erste Mal in Görlitz. Wir haben eine Freundin besucht, die ebenfalls an der University of Otago promoviert hat. Damals war mir aber noch nicht bewusst, dass Görlitz in der Filmwelt eine solche Rolle spielt. Seit etwa einem Jahr haben wir unsere Internetseite FilmQuest. Für den haben wir im Vorfeld viel recherchiert zu Drehorten weltweit. Und Görlitz ist dabei immer wieder aufgetaucht. Vor allem wenn es um Drehorte in Deutschland geht. Dazu kommt, dass die Stadt ja 2017 den „European Film Location Award“ gewonnen hat, das hat auch international aufmerksam auf Görliwood gemacht.

Auf der Internetseite findet man die Info, dass Ihre Begeisterung für das Thema Filmtourismus mit „Herr der Ringe“ und einem Besuch der Drehorte in Neuseeland angefangen hat.

Ja, als ich vor Jahren als Filmfan nach Neuseeland gereist bin, war ich fasziniert davon, wie viele Menschen aus der ganzen Welt ein solcher Drehort wie der von „Herr der Ringe“ anziehen kann. Das war für mich die Initialzündung, meine Doktorarbeit zum Thema Filmtourismus zu schreiben. Das habe ich ab 2004 vor Ort in Neuseeland gemacht. Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt. Bis 2006 haben wir in Neuseeland gelebt, dann ging es für uns zurück nach Deutschland, nach Bayern.

Aber inzwischen leben Sie wieder in Neuseeland, oder?

Ja, wir sind 2016 wieder nach Dunedin gezogen. Meine Frau hatte die Möglichkeit, an einem einjährigen Dokumentarfilmkurs in Neuseeland teilzunehmen, das war für sie ein wichtiger Schritt. Und sie hatte auch Heimweh. Deshalb haben wir gesagt: Wir gehen zurück und schauen, welche beruflichen Perspektiven sich für uns ergeben. Inzwischen haben wir unseren dritten Kurzfilm gedreht, jetzt arbeiten wir an unserem ersten Langfilm.

Als Sie im Januar hier in Görlitz für den die Website FilmQuest waren, was ist Ihnen als erstes aufgefallen?

Bei diesem zweiten Besuch bin ich stärker mit der Sicht eines Touristen an die Stadt herangegangen, als damals 2010. Aufgefallen ist mir, wie viele gut erhaltene Straßenzüge es gibt. Es ist bekannt, dass das historisch bedingt ist. Aber bei einer Stadt mit dieser Einwohnerzahl vermutet man das trotzdem nicht in diesen Größenordnungen, auch wie viel renoviert ist. Aber es ist nicht zu perfekt. Das macht den Charme aus, auch für Filmproduzenten. Man hat alle Möglichkeiten: Neben den sanierten Gebäuden und Straßenzügen findet man noch Orte, die eine dunkle, vielleicht etwas runtergekommene Atmosphäre vermitteln. Und alles ist authentisch, anders als zum Beispiel in Babelsberg, wo alles aus der Retorte kommt.

Wer in Görliwood schon zu Gast war:

Sie beraten auch Film-Drehorte, wie man sie touristisch gut vermarkten kann. Was würden Sie Görlitz raten?

Görlitz macht sehr vieles richtig, das muss man erst mal sagen. Ich habe schon viele Drehorte besucht, darunter auch einige, die sehr wenig daraus machen. Ich war mal in einem Hotel in Norwegen, wo eine gigantische Szene für Star Wars gedreht wurde. Man hat in dem Hotel oder auf dessen Internetseite aber keine Spur, keinen Hinweis darauf gefunden. Das ist in Görlitz ganz anders. Die Stadt selbst macht viel, zum Beispiel mit der Görliwood-Internetseite, die finde ich sehr gelungen. Es gibt Souvenirs, die Filmführungen, Görliwood-Bier. Es hat sich auch rumgesprochen, dass Görlitz sehr flexibel auf Filmproduzenten eingeht, dass Film hier also politisch gewollt ist. Und auch private Firmen ziehen mit.

Gibt es trotzdem Punkte, die sich noch verbessern lassen?

Die Stadt könnte noch mehr Rechte einkaufen, um mehr offizielles Filmmaterial zeigen und nutzen zu können, auf ihren Internetseiten zum Beispiel. Set-Fotos, die vom Filmteam stammen, sind bei Fans beispielsweise sehr beliebt, das kann fantastisch wirken. Man könnte die Stadtführungen zum Film noch stärker ausbauen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Gibt es einen Drehort in Görlitz, der Sie besonders beeindruckt hat?

Das Jugendstilkaufhaus, in dem Szenen zu dem Film „The Grand Budapest Hotel“ gedreht wurden. Das ist gigantisch, es ist einer der besten Drehorte, die ich je gesehen habe. Ich habe gehört, dass das Gebäude saniert und wieder als Kaufhaus geöffnet werden soll. Ich hoffe darauf, dass man dabei das Thema Film einbindet. Insgesamt würde es Sinn machen, den Fokus beim Filmmarketing stark auf das Kaufhaus zu legen. In Görlitz wurden sehr viele Filme gedreht, da ist ein Anker sinnvoll. Das ist für mich „The Grand Budapest Hotel“.

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