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Das verlassene tschechische Auto

Ein fremder roter Skoda steht tagelang in der Einfahrt. Darf man ihn einfach abschleppen lassen?

Hier stand der Skoda noch vor der Zufahrt zum Haus von Mario Lorber in Oberbärenburg. Wie er dort hingekommen ist, war für ihn ein Rätsel.
Hier stand der Skoda noch vor der Zufahrt zum Haus von Mario Lorber in Oberbärenburg. Wie er dort hingekommen ist, war für ihn ein Rätsel. © E. Kamprath

Wann und wie der rote Skoda vor die Einfahrt zum Haus von Mario Lorber gekommen ist, weiß er nicht genau. Das Auto stand in der Nacht einfach da. Es hatte sich in einer Schneewand festgefahren und wartete nun mit eingeschalteten Blinkern in der Einfahrt.

Der Fahrer saß im Wagen, konnte aber auch nicht weiterhelfen. Er kam aus Prag, war nicht ansprechbar und machte einen geistesabwesenden Eindruck. Die Oberbärenburger haben daraufhin die Polizei gerufen. Diese kümmerte sich um den Fahrer und nahm ihn mit. Das Auto blieb dagegen in der Schneewehe stehen. Den Anwohnern sagten die Polizisten, dass die tschechischen Angehörigen sich um die Bergung des Skoda kümmern würden.

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Informationen, was geschehen war, bekamen die Oberbärenburger Tage später. Erst einmal war ihre Ausfahrt behindert und die Garagenzufahrt des Nachbarn blockiert. Zwei Tage lang passierte nichts. Am Dienstagabend kam zwar ein tschechisches Abschleppfahrzeug. Als der Fahrer aber sah, wie glatt es an dem steilen Berg war, fuhr er wieder ab. Die Nachbarn befürchteten schon, dass sie jetzt für lange Zeit ein Problem bekommen.

Doch so schlimm kam es nicht. Am Mittwochnachmittag rollte erneut ein tschechischer Abschleppwagen an, dessen Fahrer auch die Schlüssel zum Skoda dabei hatte. Nach kurzer Zeit war die Ausfahrt wieder frei. Und von dem Fahrer erfuhren die Oberbärenburger auch die Hintergründe. Der Prager hätte einen Ausflug in den Kaufpark nach Nickern unternommen, um dort einzukaufen. Auf dem Rückweg hat er aber Probleme bekommen und den Weg nicht mehr gefunden.

Das Problem, dass plötzlich ein fremdes Auto auf seinem Grundstück steht und womöglich die Einfahrt blockiert, kann jeder Haus- oder Garagenbesitzer bekommen. Der Abschleppservice Pötzsch in Dippoldiswalde hat immer wieder mit Anrufern zu tun, die in einer solchen Lage Hilfe brauchen, wie Geschäftsführerin Kathrin Fröhlich bestätigt. Die Rechtslage ist aber für die Hausbesitzer nicht so einfach. Wenn sie den Abschleppdienst beauftragen, dann müssen sie ihn auch bezahlen. Ihnen bleibt dann die Möglichkeit, ihr Geld über eine Zivilklage vom Halter des Autos zurückzuholen. Aber wer will schon diesen Aufwand treiben. „Deswegen verzichten auch die Anrufer in 99 Prozent der Fälle darauf, dass wir solche Autos abschleppen“, berichtet Fröhlich.

Dazu kommt dann noch ein weiteres Problem: Wohin mit dem Auto? Der Abschleppdienst nimmt solche Autos nicht mit. Das könnte bis zu einem Diebstahlsvorwurf führen. „Wir würden so ein Fahrzeug nur an eine andere Stelle auf dem Grundstück des Auftraggebers stellen.“, sagt Kathrin Fröhlich.

Abschleppen ist auch nicht billig. Mit rund 180 Euro pro Stunde muss man rechnen. „Und die erste Stunde berechnen wir voll“, sagt Fröhlich. Wenn dann noch ein besonderer Aufwand dazukommt, summiert sich schnell der Betrag.

Anders sieht es aus, wenn so ein Fahrzeug auf der öffentlichen Straße steht und eine Ausfahrt oder den Verkehr behindert. Dann kann ein Anwohner das Ordnungsamt oder die Polizei einschalten. Wenn die dann ein Auto abschleppen lassen, rechnet die Staatskasse mit dem Autobesitzer ab.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/dippoldiswalde vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.