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Das Wunder von Tauscha

Zum vierten Mal in Folge stehen die LSV-Fußballer im Finale des Kreispokals. Und wollen gegen Riesas Stahl-Reserve den dritten Stern.

So jubelten die Spieler des LSV Tauscha nach dem Pokalsieg gegen TuS Weinböhla vor drei Jahren in Meißen. Am Sonntag wollen sie den Pott zum dritten Mal in vier Jahren gewinnen.
So jubelten die Spieler des LSV Tauscha nach dem Pokalsieg gegen TuS Weinböhla vor drei Jahren in Meißen. Am Sonntag wollen sie den Pott zum dritten Mal in vier Jahren gewinnen. ©  Foto: Claudia Hübschmann

"Die Jungs sind so heiß..." Christian Schulze gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über die Männer des Fußball-Kreisligisten und ihre Motivation für den Sonntag spricht. Für den kleinen Landsportverein steht dann schlichtweg das Highlight der Saison auf dem Plan: Finale im Kreispokal. In Lommatzsch treffen die Schützlinge von Christian Schulze auf die 2. Mannschaft von Stahl Riesa.

Insider reden vom "Wunder von Tauscha". Was spaßig gemeint ist, hat einen tiefen Sinn. Der LSV 61 geht im vierten Jahr in Folge ins Endspiel. Genau so lange ist Christian Schulze Coach der Elf. Und angesichts zweier Finalerfolge neigt man schon dazu, den 35-Jährigen als Erfolgstrainer zu betiteln. Der sieht das weit weniger "dramatisch". Sein LSV sei vom Image einer reinen Pokalmannschaft inzwischen weg, könne auch über die gesamte Saison mit guten Leistungen in der Liga aufwarten. "Wenn alle Spieler fit sind, müssen wir niemanden fürchten", ist sich Christian Schulze sicher. Räumt aber auch ein, dass der LSV gerade im Pokal vom Spirit der K.o.-Spiele ein bisschen lebt.

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In Tauscha selbst hat dies alles seine Wirkung bei den Einwohnern nicht verfehlt. "Der Verein ist im Dorf gewachsen", spielt der Trainer unter anderem auf die Zuschauerzahlen an. Zu den Spielen des LSV kommen immerhin beständig zwischen 70 und 90 Leute. "Das ist für ein Dorf wie unseres viel", so Schulze. Das Gros der Spieler, auch in den Nachwuchsmannschaften, kommt aus dem unmittelbaren Umfeld. Einige, die jetzt bei den Männern spielen, gehörten schon zum Pokalsieger-Team von 2005 - damals als A-Jugendliche.

Der Zusammenhalt beim LSV hat auch die schwere Prüfung der Corona-Zeit überstanden. "Klar, der Fußball im Dorf hat gefehlt", konstatiert Christian Schulze. Doch wie in vielen anderen Vereinen jedweder Art sei durch Corona bei allen Einschränkungen einiges vorangekommen. Glücklicher Umstand beim LSV Tauscha: Die Sponsoren sind erhalten geblieben, es gibt sogar ein bisschen Zuwachs.

Seit ein paar Wochen darf nun wieder trainiert werden. Kein leichter Part für das Trainer- und Betreuerteam. Denn die Rückstände in Sachen Fitness waren nicht zu leugnen. Christian Schulze ist daher froh, bis auf ein, zwei Ausnahmen wieder ein körperlich intaktes Team auf den Platz schicken zu können. Auch dank unkonventioneller Trainingsmethoden. Zuletzt heuerten die LSVler sogar einen Kick-Boxer an. Oliver Altenburg gab den Kickern nicht nur einen kurzen theoretischen Einblick in die Boxwelt, sondern zeigte den Akteuren in einem athletischen Teil so manche Grenze auf. "Geile Erfahrung! Was wir besonders mitnehmen: Wenn der Körper sagt, es ist Ende, kommt es auf den Willen an", ließen sich die LSVler danach bei Facebook zitieren. Für den Coach ein wichtiger Teil der Vorbereitung aufs Pokalfinale. "Man muss auch mal was anderes versuchen, um die Jungs bei Laune zu halten", kommentiert Christian Schulze schmunzelnd.

Er kann am Sonntag weitgehend mit voller Kapelle in die "Mission dritter Stern" gehen. Das war vor einem Jahr anders. Damals, beim 1:2 gegen Coswig durch einen Last-Minute-Gegentreffer in Lampertswalde, musste Schulze auf fünf Stammkräfte verzichten, die zu einer länger geplanten Hochzeit eingeladen waren. "Diesmal heiratet niemand", sagt der Coach und muss wieder schmunzeln. Gegen die Riesaer Stahl-Reserve zählt er auf die mannschaftliche Geschlossenheit und die Motivation. Zudem habe seine Mannschaft aus Fehlern des Vorjahres gelernt. Vor dem sportlichen Kontrahenten "haben wir Respekt. Aber wir sind fit für 90 und auch 120 Minuten". Elfmeterschießen haben die Tauschaer nicht extra trainiert. Dass wegen Corona eventuelle Jubelausbrüche gebremst werden müssen, "das kriegen die Jungs hin", glaubt Christian Schulze. Und auf Fan-Unterstützung  müssen sie ebenfalls nicht verzichten. Bis zu zwei Busse sind reserviert. Gefühlt wird also halb Tauscha am Sonntag ab 15 Uhr in Lommatzsch hinter dem LSV stehen, um "das Wunder von Tauscha" zu erleben.

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