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Sebnitz

Das zerlegte Gartenhaus

Das Puppenspielhaus feiert den 80. Geburtstag. Das markante Gebäude stand nicht immer in der Max-Jacob-Straße in Hohnstein.

Zum Glück bewies Hohnsteins Puppenspielvater Max Jacob Weitblick. Ohne ihn gäbe es das Theater als solches nicht in Hohnstein.
Zum Glück bewies Hohnsteins Puppenspielvater Max Jacob Weitblick. Ohne ihn gäbe es das Theater als solches nicht in Hohnstein. © Dirk Zschiedrich

Der Traditionsverein Hohnsteiner Kasper hat es geschafft, das Kasperspiel nach Hohnstein zurückzubringen. Und das auch noch in der traditionellen Spielstätte.

Die hätte es so eigentlich gar nicht in Hohnstein gegeben. Denn das heutige Max-Jacob-Theater wurde 1938 als Gartenhaus speziell für die sächsisches Landesausstellung „Sachsen am Werk“ gebaut. Es stand im Großen Garten Dresden und wurde für Puppenspiel und Theater genutzt. Auf alten Postkarten sind das Holzschindeldach, das Türmchen, die Türlädchen und natürlich auch die Kasperfahne gut zu erkennen. 

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Geplant wurde es von Maximilian Heinsius von Mayenburg und demonstriert die Garten- und Landschaftsarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Hohnsteins Puppenspielvater Max Jacob gastierte dort mit seiner Truppe mehrere Male, offenbar verliebte er sich in das Gartenhaus. Doch dessen Tage im Großen Garten waren gezählt. Zum Ende der Landesausstellung sollte es abgerissen werden. 

Doch Max Jacob bewies Weitblick. Mit Einrichtung des KZ Hohnstein auf der Burg musste seine Truppe 1933 die dortige Spielstätte verlassen. Es fehlte ein eigenes Domizil für die Hohnsteiner Truppe. Jacob ließ das Gartenhaus in Dresden ab- und in Hohnstein an der heutigen Max-Jacob-Straße wieder aufbauen. Die Eröffnung wurde am 13. Mai 1939 gefeiert. Doch mit Beginn des 2. Weltkriegs im September 1939 wurden auch Puppenspieler in den Kriegsdienst eingezogen. Die Leichtigkeit war dahin, niemand dachte mehr an Puppenspiel. Dennoch wurde das Gebäude 1941 um einen Anbau mit Kassenhaus erweitert. Außerdem wurde im oberen Bereich ein Filmvorführraum errichtet. 

Nach 1945 war es kurze Zeit wieder Puppenspielstätte. Danach fanden Kinovorstellungen, Vorträge, Schuleinführungen und Jugendtreffen dort statt. Ab 1951 war das Gebäude Kino, es wurde als Erstes im Kreis Sebnitz nach dem Krieg wieder eröffnet. Seit 1953 ist die Stadt Hohnstein offiziell Eigentümer. 1956 wurde das Haus vollständig zum Kino umgebaut. Es wurden Klappsitze und eine Breitbildleinwand montiert. Beides ist erhalten geblieben.

Nach der Wende sah eigentlich alles nach einer positiven Zukunft aus. Die Waitzdorferin Patricia Friedrich, ehemals selbst Puppenspielerin, pachtete im Juli 1993 voller Elan das Gebäude. Kino- und Musikveranstaltungen, Theater und Puppenspiel standen auf dem Programm. Aber schon im Oktober 1994 kam das Aus für die Betreiberin. Die Holzklappstühle im Kasperhaus blieben oft leer. Das Gebäude war baufällig, schon damals fehlte Geld für die notwendige Sanierung. Im November 1994 arbeiteten Interessenten zwei Studien für die effektive Nutzung des Hauses aus. Doch alles scheiterte am Geld, 1,5 Millionen Mark hätte die Sanierung gekostet.

Das Gebäude wurde nur während des alljährlichen Puppenspielfestes für Aufführungen genutzt. 2006 fand sich eine Truppe mutiger Hohnsteiner, sie gründeten den Traditionsverein, wollten das Puppenspielhaus wieder als solches nutzen. Sie krempelten die Ärmel hoch. Doch noch fehlte das Geld. 

Dank Spendern und Sponsoren und einem EU-Gemeinschaftsprojekt mit der tschechischen Stadt Dolni Poustevna gelang es, das Haus zu sanieren. 2013 folgte die zweite große Eröffnung, dieses Mal als Max-Jacob-Theater. Das dient heute für Veranstaltungen, vor allem aber als Puppenspielhaus. 

Und so soll es auch zur Jubiläumsaufführung am 11. Mai, 20 Uhr, sein. Unter der Regie von Puppenspieler Detlef Heinichen erlebt der Hohnsteiner Kasper seinen Auftritt als „Freischütz“.

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