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Bautzen

Dauerärger um Steinbruch Pließkowitz

Vorige Woche sollen Klinker von der Hauswand gefallen sein. Den Schaden ersetzt das Bergbauunternehmen nicht. Doch es gibt auch andere Sichten auf den Steinbruch.

Das etwas andere Bild vom Steinbruch ist Ende Mai aufgenommen, da blühen aktuell die typischen Ruderalpflanzen – ein reich gedeckter Tisch für Insekten, im Bild vor allem die Gewöhnliche Ochsenzunge.
Das etwas andere Bild vom Steinbruch ist Ende Mai aufgenommen, da blühen aktuell die typischen Ruderalpflanzen – ein reich gedeckter Tisch für Insekten, im Bild vor allem die Gewöhnliche Ochsenzunge. © Oliver Fox

Pließkowitz. Im und am Steinbruch Pließkowitz grünt und blüht es. Das Foto, das Diplombiologe Oliver Fox vom Unternehmerverband mineralische Baustoffe im Mai hier aufgenommen hat, sieht eher nach einem Biotop als nach einem Ärger machenden Produktionsstandort aus. 

Und doch haben sich die Bürger in Pließkowitz, Kleinbautzen und Doberschütz in der vergangenen Zeit wieder über die Arbeit in eben diesem Steinbruch geärgert. Nach Ansicht der Bürgerinitiative seien die Sprengungen viel zu stark erfolgt und haben so zu Schäden an Häusern in den Dörfern geführt.

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Diese Erkenntnisse schickt die Bürgerinitiative mit Absender Luise Dutschmann dann auch per Mail breit – bis zum sächsischen Wirtschaftsminister Dulig. Sie behauptet unter anderem, dass beim Bürgermeister der Gemeinde Malschwitz „unzählige Beschwerden“ eingingen und „die Drähte glühten“, „da die Sprengung eine solche Auswirkung hatte, dass sie in einer Entfernung von mehr als fünf Kilometern mit hoher Intensität zu spüren war“. Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) relativierte diese Aussage dann. „Ich habe nur eine Anzeige aus Kleinbautzen erhalten und diese an das Unternehmen Pro Stein weitergeleitet mit der Bitte um Schadensregulierung“, so Seidel. Allerdings hat er auch in Gesprächen mit Bürgern in Doberschütz und Pließkowitz erfahren, dass die vergangenen Sprengungen als sehr intensiv wahrgenommen wurden.

Messgerät an der anderen Hausseite

Pro Stein-Geschäftsführer Jens Gerisch sah sich den Schaden in Kleinbautzen selber an. In seinem Antwortschreiben stellte er fest, dass dieser Schaden nicht durch die Sprengung verursacht werden konnte. „Ich musste dort auch feststellen, dass die Stelle, an der die Riemchen abgefallen sein sollen, nicht zum ersten Mal unfachmännisch repariert wurde“, sagt Gerisch der SZ. Und der Vorwurf der Bürgerinitiative, dass kein Messergebnis vorgezeigt werden konnte, weist er ebenso zurück. Das Messgerät stand auf der anderen Seite des Hauses, an dem die Schäden gemeldet wurden. Der Hauseigentümer stand während der Sprengung dort und konnte sich mit dem zuständigen Mitarbeiter unterhalten. Das Messergebnis, das beim Geschäftsführer immer im Laufe des Tages eingeht, weist in diesem Fall eine Intensität von 20 Prozent der zugelassenen Erschütterung aus. Dennoch schreibt Gerisch, dass er den Ärger verstehen kann und er es bedauert. Aber er weist auch auf ein Gutachten hin, in welchem steht, dass das Wohnhaus nicht durch Sprengungen im Steinbruch geschädigt werden kann. Dieses Gutachten zweifelt die Bürgerinitiative komplett an.

Solch eine Diskussion und das Hin und Her an Schreiben der Bürgerinitiative Steinbruch Pließkowitz an Oberbergamt, Landratsamt, Landtag und Freistaat ist mittlerweile auch beim Bundesverband mineralischer Rohstoffe (UVMB) bekannt. Der Verband traf sich jetzt zu seiner Jahrestagung in Görlitz. Die SZ hatte die Möglichkeit, mit einigen Vertretern zu sprechen. „Klar gibt es immer mal Probleme, wenn ein Steinbruch unweit von Wohnbebauung erschlossen ist und dort gearbeitet wird“, sagt zum Beispiel Geschäftsführer Bert Vulpius. Aber in solch einer Intensität, bei der es zu keinerlei Dialog mehr kommen kann, hätte er es noch nicht erlebt. „Die Fronten sind dort offensichtlich verhärtet, weil die Bürgerinitiative keine Gegenargumente zulässt“, sagt Vulpius. Die Diskussion laufe deshalb unsachlich. „Auch wir müssen uns das auf die Fahnen schreiben und unsere Öffentlichkeitsarbeit in den laufenden Prozessen deutlich verbessern“, so der Geschäftsführer.

Biologen-Bericht im Juli

 Aber er sagt auch, dass die Bürger rund um die Steinbrüche vielleicht auch mal darüber nachdenken sollten, wofür der Rohstoff gebraucht wird. „Wenn es darum geht, woher unser Gemüse kommt, achten immer alle darauf, dass es aus der Region stamm. Aber das Material zum Straßenbau kommt aus China“, fragt er. Gerade gibt es in der Hansestadt Wipperfürth eine große Diskussion, warum der Marktplatz mit Grauwackesteinen aus Indien gepflastert werden soll und nicht mit Steinen aus dem 14 Kilometer entfernten Steinbruch. Noch zumal es eine Statistik gibt, dass für einen Beschäftigten in einem Bergbauunternehmen acht weitere Arbeitsplätze gesichert werden können. Sei es in der Spedition, bei den Straßenbaufirmen, den Maschinenherstellern oder selbst beim Elektriker vor Ort.

Franziska Seifert, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im UVMB, findet es nicht gut, wenn alles, was gemacht wird, angezweifelt wird. „Lärm und Staub sind nicht schön, aber es gibt eben auch Messungen und Grenzwerte, die einzuhalten sind“, sagt sie. „Wenn in Pließkowitz dem Unternehmen die Existenzberechtigung abgesprochen wird, ist das nicht nur für das Unternehmen schädigend“, so Franziska Seifert. Was Oliver Fox nur unterstützen kann. „Wir haben in Pließkowitz eine wundervolle Artenvielfalt seltener Pflanzen und Tiere, die sich hier vor allem wegen der bergbaulichen Bedingungen wohlfühlen.“ Im Juli wird der Biologe seinen Bericht zu Pließkowitz abschließen.

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