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Der Tumor wird jetzt mit neuen Waffen bekämpft 

Eine neue Forschungseinrichtung gegen Krebs entsteht in Dresden. Medizinprofessor Michael Baumann erklärt, was dort geschieht.

Die Medizinprofessorin  Mechthild Krause leitet die Krebsforschung von Oncoray an der TU Dresden. Diese Strahlentherapien  hat Michael Baumann einst aufgebaut. Heute ist er Vorstands-Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.
Die Medizinprofessorin Mechthild Krause leitet die Krebsforschung von Oncoray an der TU Dresden. Diese Strahlentherapien hat Michael Baumann einst aufgebaut. Heute ist er Vorstands-Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. © Thomas Kretschel

Nach 20 Jahren Forschung in Dresden ist er ganz an der Spitze der deutschen Krebsforschung angekommen: Medizinprofessor Michael Baumann ist der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Seit Montag bekommt er dazu auch eine Außenstelle - in Dresden. 

Herr Baumann, Sie selbst haben die Krebsforschung 20 Jahre lang in Dresden mit aufgebaut und stark gemacht. Jetzt gründen Sie hier vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg aus eine Außenstelle. Dresden haben Sie offenbar deshalb gewählt, weil Sie die ganzen Leute hier bestens kennen?

Das hat natürlich nichts damit zu tun. Es hat damit etwas zu tun, was Dresden zu bieten hat. Dresden ist eben wieder eine der Exzellenz-Universitäten geworden. Und es gibt Möglichkeiten, die wir als Krebsforschungszentrum hier haben, die wir sonst so nicht finden. Diese Außenstelle wird sehr technisch, technologisch ausgerichtet sein. Da finden wir hier an der TU optimale Voraussetzungen. Solche, die wir in Heidelberg nicht haben. Sonst würde es auch kein Teil einer deutschlandweit bedeutsamen Forschung werden können. Es gäbe keine Finanzierung für etwas, was fachlich nicht Spitze ist. Und was dazu kommt, die Wissenschaft ist sehr kooperativ. Hier wird zwischen Instituten und der Universität enorm zusammengearbeitet - vor allem zwischen den einzelnen Fachdisziplinen. Das macht es für uns attraktiv.

Na ja, München beispielsweise wäre doch auch nicht gerade schlecht als technischer Standort…

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…stimmt. Aber in Dresden haben wir bereits das NCT, ein Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, mit dem wir zusammenarbeiten. Hier können wir die Ergebnisse der Forschung schnellstmöglich in der Klinik anwenden.

Sind schon viele weitere Standorte geplant?

Nein, das bleibt erst einmal ein Alleinstellungsmerkmal für Dresden.

Geht es hier mehr um Forschung, oder um Krebsbehandlung?

Beides. Wir wollen die neuen unterstützenden Technologien für die Krebserkennung und Tumorbehandlung natürlich hier testen und dann sehr schnell auch für andere Kliniken in der Region, für ganz Deutschland, zugängig machen.

Medizinprofessor Michael Baumann ist der  Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. 
Medizinprofessor Michael Baumann ist der  Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.  © dpa/Sebastian Kahnert

Wie sollen Menschen außerhalb des Dresdner Uni-Klinikums, in Zittau, Görlitz oder Chemnitz davon profitieren?

Das ist bei der Dresdner Forschungsrichtung, die das DKFZ hier aufbauen will ganz einfach. Hier geht es um Assistenzsysteme, die die Ärzte und die Menschen auch selbst unterstützen. Wir entwickeln hier technische Systeme, die in Zukunft so einfach und so zuverlässig sind, dass sie unabhängig vom Wohnort nutzbar werden. Es geht um neuartige Krebsfrüherkennung, um Prävention und auch um die technisch unterstützte Nachbehandlung nach einer Erkrankung. Das ist ein dickes Brett, das ist anspruchsvoll. Wir wollen eben nicht damit warten, bis solche digitalen und technischen Systeme aus dem Silicon Valley kommen! Wir möchten in Dresden die bestehende Forschung zur Mikroelektronik, Informatik und Datenverarbeitung, Big Data und deren Analyse nutzen und für den Bereich der Onkologie weiterentwickeln. Und wir werden damit auch unser neues, nationales Krebspräventions-Zentrum unterstützen, das wir gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe aufbauen.

Wird die Forschung durch die unterschiedlichen Standorte, mit Heidelberg und Dresden, nicht schwieriger, aufwendiger?

Krebsforschung kann heute nicht mehr nur an einem zentralen Standort stattfinden. Um bei dieser schweren und schwer erforschbaren Krankheit weiterzukommen, muss man sich überall im Land die stärksten Partner in Medizin und Technik suchen und mit den besten zusammentun.

In Dresden gibt es schon ein halbes Dutzend Tumor-Institute: die Strahlenbehandlung mit Oncoray, das Universität-Krebs-Zentrum, das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen und so weiter. Jetzt kommt Deutschland zentrales Krebsforschungszentrum auch noch nach Dresden. Was bringt das den Patienten?

Das sind vor allem klinisch-orientierte Zentren, die Wissen unmittelbar anwenden. Dort wird geforscht, dort werden aber auch sehr viele Patienten behandelt. Wir als DKFZ arbeiten bereits jetzt schon mit all diesen Einrichtungen zusammen. Und wir bringen nun mit unserer Außenstelle und den langfristig etwa 100 Mitarbeitern noch mehr Grundlagenforschung nach Dresden.

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Das Interview führte Stephan Schön.

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