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Der Bremser vom Ferdinandplatz

Alle waren sich einig, wie es mit dem geplanten Gebäude in Dresden vorangehen soll. Fast alle. Doch einer drückte die Stopp-Taste.

Von Sandro Rahrisch
 4 Min.
Stadtrat Tilo Wirtz auf dem Ferdinandplatz.
Stadtrat Tilo Wirtz auf dem Ferdinandplatz. © Marion Doering

So langsam kommt die Dresdner Stadtverwaltung in Zeitnot. Weil sich die Politiker bisher nicht einigen konnten, wie das neue Rathaus auf dem Ferdinandplatz aussehen soll, könnte es nun so sein, dass die Mietverträge einiger Ämter auslaufen, bevor das Gebäude steht. Mit einem eindringlichen Appell forderte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) deshalb am Freitag den Bauausschuss auf, nun endlich eine Entscheidung zu treffen. „Wir brauchen diesen Neubau, lassen Sie uns das klären“, sagte sie in Vertretung des kranken Baubürgermeisters. Doch dazu sollte es wieder nicht kommen. Obwohl eine Lösung zum Greifen nah war.

Mit einem Kompromiss war die Stadt zunächst auf die Räte zugegangen, um den strittigsten Punkt, den neuen Rathaus-Turm, zu entschärfen. Statt 60 Meter sollte er nur noch 50 Meter hoch werden. Ein Entgegenkommen an all diejenigen, die befürchten, das Hochhaus könne wichtige Gebäude wie das „alte“ Rathaus oder die Frauenkirche verdecken, wenn man von den Hängen auf die Stadt blickt. Und selbst der Gegenvorschlag der CDU, den Turm noch einmal auf 43 Meter zu kürzen, stieß bei den Grünen und der SPD auf Wohlwollen. Die Höhe entspricht der des Hochhauses an der Ecke Wilsdruffer Straße/Pirnaischer Platz. Es schien also fast so, als wäre der Bebauungsplan für den Ferdinandplatz auf den Weg gebracht.

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Bis Tilo Wirtz, baupolitischer Sprecher der Linksfraktion, das Wort ergriff. „Wir haben nichts gegen moderne Gebäude und Hochhäuser“, versuchte er, die restlichen Stadträte zu überzeugen. Das Aber schwang schon mit. Damit die Frauenkirche von der Südhöhe weiterhin gesehen werden könne, reiche es nicht aus, den Turm auf 50 Meter zu stutzen. Er bleibe bei seinen Forderungen: Der neue Rathausturm dürfe sich perspektivisch weder über die Synagoge schieben, noch dürfe er vom Elbufer zwischen der Marienbrücke und der Albertbrücke oder dem Japanischen Palais aus zu sehen sein. Die Turmgröße solle stattdessen auf die Firsthöhe des alten Rathauses begrenzt werden.

Außerdem solle die Stadt den Architekten vorschreiben, wie die Fassade gegliedert und welche Farbe sie tragen soll. Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes, sagte, solche Details wären nicht über einen Bebauungsplan regelbar. Außerdem müssten die Architekten gewisse Freiheiten erhalten. Letztlich bekämen die Dresdner ja die Möglichkeit, einen Blick auf die Entwürfe zu werfen und ihre Meinung dazu kundzutun, bevor eine Jury den Siegerentwurf kürt. Die Stadt nahm trotzdem in den Bebauungsplanentwurf auf, dass die Fassade lebendig, hochwertig und kleinteilig gestaltet werden soll.


So plante die Stadtverwaltung das neue Verwaltungszentrum, doch im nächsten Entwurf wird der Turm in seiner Höhe um ein Viertel geschrumpft.
So plante die Stadtverwaltung das neue Verwaltungszentrum, doch im nächsten Entwurf wird der Turm in seiner Höhe um ein Viertel geschrumpft. © BARCODE Architects Landeshauptstadt Dresden

Doch weder die vorgeschlagene Turmhöhe von 43 Metern noch die nachträglich eingearbeiteten Fassadengrundsätze wollte die Linke am Freitag beschließen. Man habe nicht genügend Zeit gehabt, die Vorschläge der Stadtverwaltung innerhalb der gesamten Fraktion ausführlich zu besprechen. So beantragte Tilo Wirtz, die Entscheidung abermals zu vertagen. Zur Erinnerung: Die Sitzung am Freitag war bereits außerplanmäßig einberufen worden, um das neue Rathaus auf den Weg zu bringen.

Als die Mehrheit des Ausschusses die Vertagung ablehnte, machte Wirtz vom Minderheitenrecht Gebrauch und forderte, die Entscheidung über den Ferdinandplatz gleich dem Stadtrat zu überlassen. Somit muss sich das Gremium kommende Woche damit befassen. Für Donnerstag und Freitag ist eine Doppelsitzung angesetzt worden. Immerhin gab die Mehrheit des Bauausschusses die Empfehlung ab, die 43-Meter-Variante zu beschließen.

Für das Verwaltungszentrum wird nun allerdings die Zeit knapp: Ende 2025 muss es fertig sein. Dann müssen rund 1 300 Mitarbeiter in den beiden Neubau-Gebäuden ihre Arbeitsplätze beziehen, weil einige Mietverträge enden. Zurzeit ist die Verwaltung mit ihren gut 6 500 Mitarbeitern auf 56 Standorte quer über das Stadtgebiet verteilt. Das Sozialamt befindet sich zum Beispiel in Striesen, das Schulverwaltungsamt in der Johannstadt, das Gesundheitsamt in der Ostra-Allee. Zur Unterbringung sind etliche Gebäude gemietet worden. Dafür zahlt die Stadt knapp 5,7 Millionen Euro im Jahr an Miete – aufgrund der steigenden Mieten dürfte das noch teurer werden.

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Abgesehen davon, wie hoch der Turm des neuen Verwaltungszentrums wird, gibt es eine zweite Hürde: Noch gehört der Stadt der komplette Ferdinandplatz nicht. Ihr fehlen 350 Quadratmeter, die sich in Privateigentum befinden. Auch darüber muss der Stadtrat entscheiden. Das Grundstück kostet reichlich zwei Millionen Euro.