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Der geplatzte Traum des Marvin Stefaniak

Beim VfL Wolfsburg ist er vom ersten Bundesliga-Einsatz weit entfernt. Ein Beitrag aus der Serie: "Bei Dynamo ein Star - und dann?"

Der Blick spricht Bände. Das Winter-Trainingslager ist offenbar anstrengend, die Lage von Marvin Stefaniak beim VfL Wolfsburg unbefriedigend.
Der Blick spricht Bände. Das Winter-Trainingslager ist offenbar anstrengend, die Lage von Marvin Stefaniak beim VfL Wolfsburg unbefriedigend. © imago/Darius Simkla

Es läuft beim VfL Wolfsburg. Platz fünf nach der Hinrunde, die beste seit vier Jahren. Auch im Trainingslager in Almancil bei Faro scheint gerade die Sonne, der erste Test gegen Vitesse Arnheim wird 3:0 gewonnen. Nur für Marvin Stefaniak läuft es überhaupt nicht. Obwohl Bruno Labbadia bei der Partie in Portugal gehörig rotiert und 21 Spieler einsetzt, schaut der 23-Jährige nur zu. Deutlicher kann ein Trainer kaum signalisieren, dass er nicht mehr mit jemandem plant.

Erschwerend kommt hinzu: Der Test gegen Arnheim ist kein Einzelfall. Bei den bisherigen 19 Pflichtspielen der Saison gehörte Stefaniak kein einziges Mal zum Kader, half auch nicht bei der Wolfsburger Reserve aus, nichts. Es wirkt fast, als sei der einstige U21-Nationalspieler untergetaucht. Präsent ist er in den regionalen Medien nur dann, wenn darüber spekuliert wird, wer den VfL in der Winterpause verlassen könnte. Sein Name steht ganz oben auf der Liste.

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Es ist die vielleicht kritischste Phase in seiner Karriere. Und es ist ein Punkt, an dem sich wahrscheinlich entscheidet, ob sein Traum von der Bundesliga platzt – oder nicht. Der gebürtige Hoyerswerdaer könnte also viel erzählen, etwa, wie es sich anfühlt, wenn man permanent auf dem Abstellgleis steht, wie er wieder zu Spielpraxis kommen will, ob er an seiner Erstligatauglichkeit zweifelt, wer ihn jetzt unterstützt und hilft, wie er als zweifacher Vater lebt und ob er sich eine Rückkehr zu Dynamo vorstellen kann. Doch Stefaniak möchte nicht reden. Über seinen Berater lässt er ausrichten, dass er nicht erzählen will, sondern trainieren und kämpfen. Er bittet dafür um Verständnis.

Sein Berater ist Frank Lieberam, ebenfalls ein Ex-Dynamo, der auch nicht viel sagen will, wenn sein Schützling schweigt. Nur soviel: „Marvin möchte seine Chance nutzen, wenn sie sich bietet – und das am liebsten beim VfL.“ Da dies unwahrscheinlich ist, muss Stefaniak seine Chance wohl woanders suchen. Die Situation ist nicht neu für ihn.

Teurer als Kirsten und Sammer

In der Rückrunde der vergangenen Saison ließ er sich bereits zum damaligen Zweitligisten 1. FC Nürnberg ausleihen, kam dort anfangs neunmal zum Einsatz, auch beim 1:1 in Dresden, und zuletzt am 15. April. Bis jetzt ist das sein letztes Pflichtspiel. Einen Monat später stieg der Club auf, doch Stefaniak war nur noch Ersatz. „In Nürnberg wurde mir gesagt, dass ich der Lieblingsspieler des Trainers sei“, sagte er rückblickend. „Man möchte immer mehr Einsatzzeit.“

Im Sommer 2017 war er nach sechs Jahren bei Dynamo zum VfL gewechselt – für eine Ablöse von etwa zwei Millionen Euro. Damit kassierte der Verein für ihn sogar mehr als für die Ausnahmespieler Ulf Kirsten (1,92 Millionen Euro) und Matthias Sammer (1,01 Millionen). Sein Ziel: „Ich will so schnell wie möglich Stammspieler werden, genau wie in Dresden.“ Doch in der Vorbereitung bremste ihn eine Fersenverletzung aus, viel schwerer wog aber die Tatsache, dass mit Dieter Hecking und Klaus Allofs der Trainer und der Sportdirektor, die ihn verpflichtet hatten, nicht mehr da waren, als er nach Wolfsburg kam. Bei Andries Jonker und Nachfolger Martin Schmidt bekam er keine Chance.

Nach dem halben Jahr in Nürnberg sollte es unter Labbadia nun endlich klappen. „Ich will mich nicht noch mal ausleihen lassen“, erklärte er im Sommer. „Ich möchte meine Chance bekommen und zeigen, dass der Transfer kein Fehler war und ich in die Bundesliga gehöre.“ Bei diesem Vorhaben ist er keinen Schritt weiter gekommen. Deshalb ist ein Wechsel trotz seines bis 2022 datierten Vertrages die wahrscheinlichste Option.

Lange galt Stefaniak als Liebling der Fans, weil er es als Eigengewächs zu den Profis geschafft hatte. Zuletzt wurde er ausgepfiffen. 
Lange galt Stefaniak als Liebling der Fans, weil er es als Eigengewächs zu den Profis geschafft hatte. Zuletzt wurde er ausgepfiffen.  © Archiv: Robert Michael

Es ist nicht Stefaniaks erste schwierige Phase in seiner Karriere. Zunächst ging es aber nur bergauf. Über Hoyerswerda und den SC Borea Dresden kam er 2011 zu Dynamo, schaffte den Sprung vom Nachwuchs zu den Profis, galt als Identifikationsfigur, war 2016 einer der Aufstiegshelden, stieg mit 21 zum Vizekapitän auf, die Fans feierten ihn als Fußballgott. 

Doch in seiner letzten Saison in Dresden kippte die Stimmung, seine Leistungen schwankten, der Wechsel nach Wolfsburg wurde bekannt, die Mannschaft schwächelte und Stefaniak galt als Sündenbock. Von den Rängen erntete er Pfiffe statt Applaus. Das habe ihm wehgetan, gestand er damals und sagte in Richtung der Fans: „Ich hoffe, dass sie klar im Kopf werden.“

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Der Abschied war einer mit Nebengeräuschen, doch in der Erinnerung überwiegt das Positive. Auch deshalb denkt er über eine Rückkehr nach Dresden nach. „Wenn das Karriereende naht, würde ich gern noch mal für Dynamo spielen“, erklärte er. Dafür ist noch viel Zeit, in einem Monat wird Stefaniak 24. Im besten Fußballalter muss er nun überlegen, wie es weitergeht. Damit es endlich auch bei ihm wieder läuft.

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