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Bautzen

Der kleine Bruder des Wolfes kommt

Bereits zweimal ist der Goldschakal in der Oberlausitz nachgewiesen worden. Was bedeutet das?

Nur mit geübtem Blick lässt sich der Goldschakal vom Wolf unterscheiden. Er ist rötlicher und hat eine spitzere Schnauze als der Verwandte.
Nur mit geübtem Blick lässt sich der Goldschakal vom Wolf unterscheiden. Er ist rötlicher und hat eine spitzere Schnauze als der Verwandte. © Symbolfoto: Nationalpark Bayerischer Wald

Bautzen. Er ist ein bisschen kleiner als ein Wolf, aber deutlich größer als ein Rotfuchs. „Die Schnauze ist spitzer und zierlicher als die des Wolfes“, sagt Karin Bernhardt vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Die Rede ist vom Goldschakal – einem nahen Verwandten des Wolfs. Und der wurde jetzt auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz, im Landkreis Görlitz, nachgewiesen – zum ersten Mal in Sachsen. Dort ist das Tier in eine Fotofalle getappt. Die SZ erklärt, was das bedeutet.

Was unterscheidet den Goldschakal vom Wolf?

Schritt für Schritt

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Einen geschulten Blick braucht es, so erklärt das LfULG, um den Goldschakal vom Wolf zu unterscheiden. Ähnlich wie der Fuchs und der Wolf gehört das Tier zur Familie der Hundeartigen. „Farblich ähnelt er dem Wolf, mit einem Einschlag ins Rötliche und einem deutlichen, hellen Kehlfleck“, erklärt Karin Bernhardt. „Insgesamt wirkt das Tier kurzbeiniger als ein Wolf.“

Woher kommt der Goldschakal denn so plötzlich?

Seit jeher gibt es den Goldschakal in Europa, üblicherweise auf dem Balkan. Er wurde verfolgt und fast ausgerottet, siedelte sich von Bulgarien aus in Rumänien und Serbien an, dann später in Italien, Slowenien, Österreich, Ungarn und der Slowakei. 2018 begann die Tierart dann, sich in Tschechien anzusiedeln. Vor vielen Jahren wurden einzelne Goldschakale auch schon in Deutschland nachgewiesen. Einige dieser Tiere haben Sachsen sicherlich unerkannt durchquert, ordnet das LfULG ein.

Könnte der Goldschakal nun auch in den Kreis Bautzen kommen?

Bereits zweimal ist der Goldschakal, so berichtet Karin Bernhardt vom LfULG, mittlerweile im Kreis Görlitz in eine Fotofalle gelaufen. Insgesamt gab es dreizehn Meldungen in Sachsen, bei denen es sich um das Tier handeln könnte. Oft stellte sich danach aber heraus, dass es sich um Rotfüchse handelte. Auch im Kreis Bautzen wurde vielleicht ein Tier gesehen, das ist aber nicht bestätigt. „Eine Privatperson hat sich bei uns gemeldet und gesagt, dass sie einen Goldschakal gesehen habe“, erklärt Karin Bernhardt. Sicher ist: „Goldschakale können über mehrere hundert Kilometer abwandern“. Das ist etwa doppelt so weit, wie der Truppenübungsplatz Oberlausitz von Bautzen entfernt ist.

Was bedeutet das für den Menschen?

Der Goldschakal stellt für den Menschen keine Gefahr dar, versichert das LfULG. Das Wildtier sei sehr scheu und nachtaktiv. Die Wahrscheinlichkeit, ihn mit bloßem Auge beim Spazierengehen zu entdecken, sei sehr gering. Das Tier genießt im Übrigen einen hohen Schutzstatus, weil die Art gefährdet ist, da die Tiere einst übermäßig gejagt wurden.

Jagt der Goldschakal auch Schafe und Haustiere?

Der Goldschakal ernährt sich überwiegend von kleineren Säugetieren, wie Wühlmäusen und Ratten, aber auch Früchten und Aas. Sein Speisezettel ähnelt dem des Fuchses. Bedeutet: Auch kleinere, ungeschützte Nutztiere könnte es treffen. Karin Bernhardt zählt auf: „Gemeint sind Hühner, Enten oder Gänse.“ Schafe stehen eher nicht auf der Speisekarte des Wildtieres, in Ausnahmefällen könnte es aber auch sie treffen. Medienberichten zufolge sollen Schakale zum Beispiel 2017 in Schleswig-Holstein Schafe verletzt haben. „Auf dem Balkan, wo sie regelmäßig vorkommen“, erklärt die Expertin, „spielen Haustiere aber keine oder nur eine untergeordnete Rolle in dem Nahrungsspektrum.“

Haben die Jäger im Kreis Bautzen schon Goldschakale gesehen?

„Es bleibt abzuwarten, ob sich der Wolf und der Schakal vertragen“, sagt Lothar Jentschel vom Kreisjagdverband Bautzen. Tatsächlich könne der Wolf den Schakal töten, bestätigt auch das LfULG. „Gesehen habe ich das Tier in der Region aber noch nicht“, sagt Jentschel. Auch Jürgen Hammer von der Lausitzer Jägerschule, der überwiegend in der Neukircher Gegend unterwegs ist, ist noch keinem Goldschakal begegnet.

Und auch Werner Winde, Bautzener Stadtjäger, ist dem Goldschakal noch nicht über den Weg gelaufen. Mit freudigen Armen würde er das Tier auch nicht unbedingt empfangen: „So eine Neozoe ist immer etwas Unangenehmes“, sagt er – Neozoe, das ist eine neue Tierart, die sich in einem Gebiet ausbreitet, in dem diese Art vorher nicht heimisch war. „Das Tier passt dann nicht in die Gegend“ sagt er.

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Außerdem sorge er sich, dass Tiere, die aus den Nachbarländern kommen, Tollwut übertragen könnten. Allerdings könnte es auch passieren, dass das Tier von selbst verschwinde. Tatsächlich ist unklar, ob der Goldschakal sich in der Gegend etabliert. Bisher liegen nur Beobachtungen von Einzeltieren vor, sagt das LfULG – die Entwicklung lasse sich schlecht prognostizieren.