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Der Mann, der auf das Triple hofft

Marco Gbureck möchte in Hoyerswerda Oberbürgermeister werden.

Marco Gbureck war schon Bäcker, Orthopädietechniker, Unternehmer. Jetzt vermietet er eigene Immobilien. Die Aufnahme entstand im AfD-Büro in der Altstadt.
Marco Gbureck war schon Bäcker, Orthopädietechniker, Unternehmer. Jetzt vermietet er eigene Immobilien. Die Aufnahme entstand im AfD-Büro in der Altstadt. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Seine Partei träumt vom Triple. Nach dem Bundestagsmandat und dem Direktmandat für den Sächsischen Landtag wäre das Amt eines Oberbürgermeisters für die AfD attraktiv. Marco Gbureck ist der Mann, der dafür in Hoyerswerda ins Rennen geht. Die Idee, eines Tages Oberbürgermeister sein zu wollen, die hatte der 43-Jährige schon früher. 

Da war er noch in der CDU, saß für sie auch im Stadtrat. Vor etwas mehr als zwei Jahren hat er die Christdemokraten verlassen, wurde Mitglied bei der „Alternative für Deutschland“ und zog für sie vor einem Jahr in Stadtrat und Kreistag ein. Das Wahlergebnis beflügelte Marco Gbureck schließlich, als OB-Kandidat in den Ring zu steigen, als Erster, noch vor dem Jahreswechsel. Dass in der CDU nicht mehr der richtige Platz für ihn war, das zeichnete sich für den Familienvater im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 ab. 

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Da registrierte er zeitgleich in der Familie den Kampf um Rente, dass einige Probleme plötzlich in den Hintergrund rückten. Und er erlebte die ersten Pegida-Demonstrationen in Dresden. Es war ein gewisser Prozess, der sich zu dieser Zeit vollzog. Und Marco Gbureck ging den Weg. Er betont, dass ihn seine Frau voll und ganz unterstützt. Auch die OB-Kandidatur, die längst nicht nur von den Temperaturen her in die heiße Phase getreten ist.

Marco Gbureck ist Hoyerswerdaer. In der DDR aufgewachsen, in der Polytechnischen Oberschule 3 am Stadtrand zur Schule gegangen. Der nahe Wald war der Spielplatz. Helikoptereltern gab es noch nicht, auch den Begriff nicht . Man nennt das heute gern unbeschwerte Kindheit. Dann die Wende und Marco Gbureck erlebte, wie sich sein Hoyerswerda, dass sich für ihn nach Großstadt anfühlte, leerte. Freunde verließen die Stadt, zogen in die Schweiz und anderswo hin. Er blieb hier. Nach der Schule begann die Ausbildung zum Bäcker in Bröthen. „Ich wollte was Handwerkliches machen, einen Beruf mit Zukunft“, sagt er.

Dem Lehrende 1996 schloss sich eine Anstellung bei der Feinbäckerei Heberer im Industriegelände an. Nach sieben Jahren wollte er dann eigentlich weg, die große, weite Welt sehen. Aber er befolgte dann doch den Rat der Mutter, lieber noch eine weitere Berufsausbildung zu machen, und zwar zum Orthopädietechniker und Bandagist. Die praktische Ausbildung absolvierte er bei der Mutter im Geschäft.

Geschäftssinn liegt in der Familie. Opa war Gärtner und hatte Gewächshäuser. Marco Gbureck erinnert sich, wie er früher mit Bollerwagen, Waage und Handkasse losgezogen ist, um Gurken und Tomaten zu verkaufen. Oma war Schneiderin. Mutter hatte ihr Unternehmen, Vater auch. Alles so im Bereich Kleinunternehmen bis Mittelstandsgröße.

2009 gründet Marco Gbureck sein eigenes Sanitätshaus, führt es vier Jahre. Er spricht von 17 Angestellten und dass er die Firma 2013 verkauft hat. Sein Fernweh stillt er in der Zeit durch Reisen, lernt in Hoyerswerda seine Frau kennen. Sie heiraten. Parallel zur Firma entdeckt Marco Gbureck das Thema Immobilien für sich, kauft, investiert, vermietet. Und konzentriert sich ab 2013 ausschließlich auf das Thema Vermietung. Tochter und Sohn kommen auf die Welt. Nichtsdestotrotz, so sagt er, besteht ein Verhältnis zu seiner ältesten Tochter aus einer früheren Beziehung. Nein, Hobbys in dem Sinne habe er nicht. Mit Kindern, Frau und Schäferhund im Seenland unterwegs zu sein, dafür ist er freilich zu haben. Er macht Sport, läuft, ist an Geräten im Fitnessstudio zu erleben.

Marco Gbureck lebt, wie er sagt, mittlerweile von seinen Einkünften als Vermieter. Er vermietet Wohnungen in der Altstadt, darunter eine 130 Quadratmeter große Ferienwohnung. Die ist seit 2016 offenbar gefragt. Eine zweite, kleinere, kam 2018 hinzu. Die Leute lieben das Lausitzer Seenland, kommen hierher. Der Vermieter weiß, dass die Region Potenzial hat. Er spricht von der Krabatmühle, den sorbischen Traditionen. Doch Hoyerswerda selbst müsse mehr bieten. Deshalb ist er begeistert von den Erweiterungsplänen für das Lausitzbad. Wenn es nach ihm ginge, würde er das alles noch viel weiter ausbauen zum Freizeitpark und so Arbeitsplätze generieren. Und dann müsse das alles besser vermarktet werden. Hoyerswerdas Außenmarketing sei schlecht, sagt Marco Gbureck. So kam ihm die Idee mit der Hoyerswerda-App – mit Informationen zur Stadt, aber auch allen Fragen zum Thema Ansiedlungen und der Möglichkeit zum Bürgerdialog. Etliche Pläne schöpft er aus dem eigenen Erleben, dem, was er selbst vermisst bzw. gut findet.

Gut findet er auch Tattoos. Er ist der einzige der diesjährigen Oberbürgermeister-Kandidaten, der sichtbare Tattoos trägt. Für ihn ist es Körperschmuck. Und wie so viele, die diese Leidenschaft teilen, hat auch Marco Gbureck noch lange nicht genug. „Es ist eine Art Sucht“, sagt er. Und es ist auch immer ein Statement. Auf dem Unterarm hat er sich ein Versprechen an seine Tochter stechen lassen. Dem Mafia-Film „Der Pate“ entlehnt ist das Tattoo „The Godfather“ (Gottvater) auf seiner rechten Hand. Das sei aber etwas zwischen ihm und seinem Sohn, sagt Marco Gbureck. Er weiß, dass es da immer wieder Interpretationsspielraum gibt, und will es nicht weiter bewerten.

Er möchte eine Stadt Hoyerswerda, in der die Kinder nicht sagen, dass sie da unbedingt wegwollen. Jugend brauche auch Freiräume. Er erinnert sich wieder an seinen Opa, den Gärtner. Marco Gbureck liebt selbst das Gärtnern, zieht allerdings Exotisches wie Orangen-, Zitronen- und Olivenbäume vor. Warum also nicht bei all dem Gartenleerstand ein Parzelle dem Jugendstadtrat zur Verfügung stellen? Der Garten könne und müsse zwar einerseits bewirtschaftet werden, andererseits könne er dem Brainstorming dienen, ein bisschen Jugendclub sein.

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