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Der Sachsenhof hat neue Besitzer

Ab Freitag eröffnet in Riesas Traditionshotel ein italienisches Restaurant. Wer sind die neuen Betreiber?

Gelo Redzepi hat mit zwei seiner vier Brüder den Sachsenhof gekauft und wird hier italienisch kochen.
Gelo Redzepi hat mit zwei seiner vier Brüder den Sachsenhof gekauft und wird hier italienisch kochen. © Sebastian Schultz

Riesa. Was hat dieses Haus nicht schon alles erlebt? Wirtschaftsbälle, Fasching, Hochzeiten, Buchlesungen, Kabarett, Skatabende, Abschlussbälle der Tanzschule Graf, Parteiversammlungen von den Linken über die SPD bis hin zur AfD und sogar Rassekaninchenschauen - die Möglichkeiten im "Sachsenhof" mit seinem Saal sind oder besser gesagt waren riesig.

 Viele Riesaer erinnern sich noch gern daran. Und sie verbinden sie mit zwei Namen: Gunthild und Peter Häschel. Nach der Wende haben sie dem wohl ältesten Hotel der Stadt zu neuer Blüte verholfen und es zu einer der beliebtesten Gaststätten Riesas gemacht. Doch Anfang 2018 gingen sie in Rente.

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Vor nicht mal zwei Jahren versuchte Shenasi Neimi, in diese riesigen Fußstapfen zu treten. Der Mazedonier eröffnete ein Steakhaus. Doch seit etwa zwei Monaten gehen hier andere Leute ein und aus. Landsleute von Neimi haben das Hotel gekauft. Genauer gesagt, die Gastronomen-Familie Redzepi, die der albanischen Minderheit im heutigen Nordmazedonien angehört. 

Die drei Brüder Gelo, Leo und Carlo Redzepi eröffnen an diesem Freitag das italienische Restaurant "Francavilla" im Hotel "Sachsenhof". "Mein Lehrmeister Rocco Manccraviti stammt aus Francavilla", erzählt Gelo Redzepi, der hier in Zukunft Pizza bäckt und Pasta kocht. 

Der neue Gaststättenname sei eine Ehrerweisung an den Mann, der ihn vier Jahre lang in Bari in die Geheimnisse der italienischen Küche eingewiesen habe. "Ich bin sehr stolz darauf, dass er mein Lehrmeister war", sagt der 54-Jährige, der bereits seit 1981 in Deutschland (zuerst in West-Berlin) lebt. Aus diesem Grund habe er auch schon frühere Restaurants, die er betrieb, "Francavilla" genannt.

Der Sachsenhof hat nach nicht mal zwei Jahren wieder neue Besitzer.
Der Sachsenhof hat nach nicht mal zwei Jahren wieder neue Besitzer. © Sebastian Schultz

Eine Woche lang soll das Restaurant in einer Art Kennenlernphase betrieben werden. Die Familie Redzepi möchte ihre neue Kundschaft kennen lernen. "Die Riesaer sollen einen guten Eindruck von uns erhalten", sagt Gelo Redzepi. "Jeder ist willkommen, ob arm oder reich." 

Am darauffolgenden Freitag, 28. August, soll es die offizielle Eröffnungsfeier geben. Dann ohne Rechnung. Alles frei. Nur am Ausgang steht ein Spendentopf, in den jeder Gast freiwillig Geld hineinwerfen kann. "So viel wie jeder denkt", sagt der Koch und fügt hinzu: "Das macht man so in Italien." Damit habe er bereits gute Erfahrungen gemacht. Immerhin sei der "Sachsenhof" in Riesa bereits sein 17. Restaurant. "Und alle waren ein Erfolg", sagt der Albanier.  

Ihn werden die Gäste wohl eher selten zu Gesicht bekommen. Dann eher schon seinen Bruder Carlo, der sich im Restaurant um den Service kümmert. Auch Bruder Leo wird kaum in Erscheinung treten.

 Der 52-Jährige managt das Ganze aus der Ferne. Cousin Gino kümmert sich um das Hotel. - Ein richtiger Familienbetrieb also. "Wir wollen uns hier eine Zukunft aufbauen", sagt Gelo Redzepi. "Ich denke, die Riesaer werden uns mögen." Auch für Kritik sei seine Familie offen. "Kritik ist gut, daraus kann man nur lernen."     

Die 20-jährige Vjolca ist die Tochter vom Hotelmanager Leo Redzepi und steht am Tresen. 
Die 20-jährige Vjolca ist die Tochter vom Hotelmanager Leo Redzepi und steht am Tresen.  © Sebastian Schultz
Das Restaurant macht einen ordentlichen Eindruck und lädt zum Verweilen ein. 
Das Restaurant macht einen ordentlichen Eindruck und lädt zum Verweilen ein.  © Sebastian Schultz
Bei diesem Blick in den Saal des Sachsenhofs werden bei vielen Riesaern Erinnerungen wach. 
Bei diesem Blick in den Saal des Sachsenhofs werden bei vielen Riesaern Erinnerungen wach.  © Sebastian Schultz
Die Zimmer sind ansprechend. Das Doppelzimmer kostet ab 72 Euro pro Nacht.
Die Zimmer sind ansprechend. Das Doppelzimmer kostet ab 72 Euro pro Nacht. © Sebastian Schultz

Zurzeit verfügt der "Sachsenhof" über 17 Zimmer. Weitere zehn sind geplant. Ab 49 Euro für ein Einzelzimmer oder 72 Euro für ein Doppelzimmer kann man hier übernachten. Das Frühstück kostet neun Euro pro Person. Das Hotel scheint jetzt schon gut besucht. Und auch die Preise für die Speisen sind nicht unverschämt. Eine Pizza gibt es hier ab sechs Euro. 

Ob und wie die Familie Redzepi den großen Saal wiederbelebt, darüber erzählt der Koch recht wenig. Aber er erkennt das große Potenzial, was man hier alles machen kann. "Riesa hat 30.000 Einwohner. Wenn nur drei Prozent zu uns kommen, bin ich zufrieden", sagt er lachend.   

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