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Der scheidende Apotheker von Klingenberg

Aus der Ferne hat Eckard Schleiermacher den Ort skeptisch betrachtet, aber dann war er hier sehr erfolgreich. Das soll nun seine Nachfolgerin fortsetzen.

Dr. Eckard Schleiermacher steht hier im Labor seiner Apotheke in Klingenberg, die er jetzt an seine Nachfolgerin übergibt.
Dr. Eckard Schleiermacher steht hier im Labor seiner Apotheke in Klingenberg, die er jetzt an seine Nachfolgerin übergibt. © Andreas Weihs

Am Anfang stand eine Notiz in der Sächsischen Zeitung: Klingenberger Gemeinderat will eine Apotheke ansiedeln. Das war 1993. Dr. Eckart Schleiermacher und seine Frau Heidrun haben das gesehen, aber erst einmal nicht daran geglaubt. Geht das in Klingenberg auf dem Land?

Eckhard Schleiermacher hat damals im Arzneimittelwerk Dresden gearbeitet, das gerade privatisiert worden war. „Dort wurde es ungemütlich. Da kamen so junge Herren im Anzug, und ich sollte den Druck von denen an meine Mitarbeiter weitergeben“, erinnert er sich. Das gefiel ihm nicht, also ist er doch mit seiner Frau nach Klingenberg gefahren. Dort haben Carina Bernd von der Gemeindeverwaltung und Bürgermeisterin Kerstin Winkler das Apothekerpaar begrüßt.

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Bei zwei Banken abgeblitzt

Die haben Schleiermachers die Räume in der ehemaligen Kinderkrippe gezeigt. Dort in der Küche sollte die Apotheke ihren Platz finden. Umbau und Einrichtung übernahmen die Apotheker selbst. „Ich kannte eine ehemalige Mitarbeiterin, die sich auch selbstständig gemacht hatte und von Maklern über den Tisch gezogen worden ist. So wusste ich, wie man es nicht macht“, erinnert sich Schleiermacher. Er hat dann ein Konzept ausgearbeitet, und ist damit bei zwei Banken abgeblitzt. Eine wollte gar nicht, die andere nur gegen hohe Zinsen. „Also habe ich mir das Geld in der Verwandtschaft gepumpt. Ein Colmnitzer Tischler, ein Colmnitzer Klempner haben die Einrichtung gebaut. Die Firma Schulze Bau hat das Ganze koordiniert.“ Im August 1994 war dann Eröffnung der Flora-Apotheke.

Es war die erste in Klingenberg und im ganzen Gemeindegebiet. Die Inhaber waren überrascht, wie weit ihr Einzugsgebiet sich doch erstreckte. Aus Höckendorf, Dorfhain, Colmnitz oder Pretzschendorf kamen die Kunden. „Es war schon ein weißer Fleck gewesen. Die nächsten Apotheken waren in Frauenstein, Dippoldiswalde oder Niederbobritzsch“, erzählt Schleiermacher. „Es lief gut. Wir hatten immer nette Mitarbeiter.“ Er merkte auch schnell, was auf dem Land gefragt ist. „Exklusive Kosmetik zu teuren Preisen brauche ich nicht ins Sortiment zu nehmen, eher Rustikales wie Frei Öl“, sagt er. Als 2005 die Apotheke in Niederbobritzsch frei wurde, hat seine Frau diese übernommen. Das sollte eine Entscheidung sein, die auch jetzt Weichen für die Zukunft von Klingenberg stellte.

Im Winter Medikamente mit Ski ausgetragen

Aber die ländliche Lage brachte auch Herausforderungen. Vor einigen Jahren gab es auch noch strengere Winter. Die Apotheker oder ihre Mitarbeiter sind auch mit Ski von Pretzschendorf nach Friedersdorf gefahren, um Medikamente zu bringen. Nach der Augustflut 2002 führte nur noch der Weg über die Staumauer in Klingenberg durchs Tal der Wilden Weißeritz. Also haben die Apotheker zu Fuß nach Obercunnersdorf geliefert. „Damals konnte man auch ohne Strom noch arbeiten. Heute würde da ja fast nicht mehr gehen“, sagt Schleiermacher. Das ist eine Entwicklung, die ihm nicht so gefällt.

Ebenso wenig gefällt ihm, wie sich der Beruf insgesamt entwickelt. „Man guckt heute ja mehr den Bildschirm an als die Kunden“, stellt er fest. Auch die Rabattverträge der Krankenkassen bilden ein enges Korsett. „Wir haben hundert Krankenkassen, und alle haben andere Verträge. Immer muss man gucken“, sagt er und schüttelt den Kopf. Jetzt sollen sich die Apotheken darauf vorbereiten, dass die Rezepte elektronisch übermittelt werden und nicht mehr auf Papier. „Da merkt man, dass es Zeit ist abzutreten“, sagt er. Die Apothekerversorgung ermöglicht das dem 62-Jährigen, wenn auch mit Abschlägen.

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Dabei kommt wieder Niederbobritzsch ins Spiel. Erstens will Schleiermacher dort noch ein wenig bei seiner Frau mithelfen. Zweitens hat sich einmal Antje Goldbach vorgestellt. Auch sie hatte vor Kurzem in der Zeitung gelesen, dass die Nachfolge für die dortige Apotheke Thema ist. Doch so weit ist es noch nicht. Aber Frau Schleiermacher hat den Kontakt zu ihrem Mann hergestellt, und so kam der zu seiner Nachfolgerin, die ab 1. Juli die Flora-Apotheke übernimmt. Eckart Schleiermacher hat sein Gewerbe schon abgemeldet, wieder bei Carina Berndt, die ihm seinerzeit die Räume gezeigt hat. 

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