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Der singende, klingende Kasper-Hof

In Zeißig richten sich aktuell ein ausgesprochen musikalischer Mann und seine Familie ein.

© Foto: Mirko Kolodziej

Zeißig. Zur Besucherlenkung hängt dieses Schild an der Bautzener Straße. „Erlebnishof Kasper“ steht immer noch darauf zu lesen. „Den Namen lassen wir, die Leute kennen das ja so“, sagt Norbert Binder. Gut ein Jahr ist es her, dass Doris Kasper sich entschieden hat, in ihrem Leben ein neues Kapitel aufzuschlagen und die Bewirtschaftung des Vierseithofes ihrer Familie in Zeißig aufzugeben. 

Norbert Binder und seine Frau Naemi sind nun gewissermaßen als Mieter beziehungsweise Pächter Doris Kaspers Nachfolger. Aus Dresden sind sie mit dem jüngsten ihrer vier Kinder nach Zeißig umgezogen, die anderen drei sind bereits aus dem Haus. Noch ist im neuen Heim an der Dorfaue nicht alles vom Binder’schen Hausrat an der Stelle, wo es hinsoll. Und auch sein kleines Musikstudio unterm Scheunendach richtet Norbert Binder noch ein. „Ich bin nicht der Hammermusiker, aber sehr kreativ“, sagt er.

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Eingeweihten ist sein Name bekannt. Seit vielen Jahren pendelt der gebürtige Württemberger schon von Dresden – seinem Lebensmittelpunkt für mehr als zwanzig Jahre – in die Lausitz. Zunächst übernahm er die Leitung eines Gospelchors in Königswartha. Die inzwischen ambitionierte Band- und Musical-Arbeit an der evangelischen Paulus-Schule sowie in der Kirchengemeinde Königswartha ist zum Großteil sein Verdienst. In Hoyerswerda füllte der Paulus-Chor mit seinen christlich ausgerichteten Musicals schon mehrfach die Lausitzhalle – zuletzt mit dem Stück „Die Millionärin“. Es stammt aus der Feder von Norbert Binder. Die Bautzener Zeitung nannte ihn im vorigen Jahr sogar ehrfürchtig ein „musikalisches Lehrer-Genie“.

Und so ist es kein Wunder, dass es nun auch im Kasper-Hof singen und klingen soll. Norbert Binder denkt an junge Musiker, die sich ausprobieren möchten. Er selbst will ein Kneipenorchester ins Leben rufen. „Wir gründen die größte Band der Gegend und spielen einmal die Woche zusammen Rock, Pop, Gospel, Country, Hard-Rock, Folk, Soul, Blues et cetera“, steht auf einem Flugblatt, das Binder im Juni zur Hoyerswerdaer Ausgabe der Fête de la Musique verteilte. Am Musizieren unter freiem Himmel am lichtreichsten Tag des Jahres hat er sich hier nämlich schon beteiligt.

Das künftige Kneipenorchester trifft sich zum Proben das erste Mal am 14. September um 19 Uhr in der neuen Zeißiger Musikscheune des alten Kasper-Hofes. Die Bedingung fürs Mitmachen laut dem Flugblatt: „Egal, wie gut oder schlecht du spielst oder singst – Hauptsache, du kannst dein Instrument samt Zubehör alleine von Kneipe zu Kneipe tragen.“ Binder erzählt, er musiziere schon seit Kindheitstagen. Musik könne mehr transportieren als bloße Worte, findet er, Emotionen zum Beispiel.

Seinen neuen Lebensmittelpunkt würde der Vollblut-Musiker gern auch anderen Kreativen zur Verfügung stellen. Warum nicht Malen oder plastisch Gestalten? Binders möchten außerdem einmal monatlich ein „Frühstück für Leib und Seele“ offerieren. Es soll durchaus ein religiöses Angebot sein. „Aber nicht wie Kirche“, sagt Norbert Binder. Er stellt sich eher zwanglose Unterhaltungen über dies und das vor. Es passt zur Geschichte des Ortes. Doris Kasper hat einmal erzählt, ihre stärkste Erinnerung an ihre Oma Marie Kasper sei eine so oft wie möglich religiöse Texte lesende Sorbin.

Für das Freigelände des Hofs, auf dem Marie mit ihrem Mann Johann einst daheim war, ist nun an einen Strohballen-Spielplatz für Kinder gedacht. Der Veranstaltungssaal im Kasper-Anwesen ist auch in Zukunft für Veranstaltungen zu mieten, und Besucher können nun wieder die vier Gästezimmer des Hofes buchen. Falls sich jemand findet, der gern das Café betreiben möchte, so möge er sich melden.

Dass Norbert Binder und seine Familie beim Stöbern im Internet auf Doris Kaspers Immobilien-Angebot in Zeißig stießen, war mehr oder minder Zufall. Dass sich der Weg des Musik-Pädagogen zur Arbeit in Königswartha nun verkürzt, ist sicher das Hauptargument für den während der Sommerferien erfolgten Umzugs. Aber Binder fühlt sich in Hoyerswerda auch durchaus wohl. Schon über die letzten Jahre, sagt er, sei ihm positiv aufgefallen, wie viele Leute sich hier engagieren: „So etwa nach dem Motto: Wenn wir nichts machen, dann macht es niemand.“ Das ist eine Haltung, die er gut nachvollziehen kann.

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